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Bodybilder Matthias Botthof – Frühstück mit Schwarzenegger

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Bodybuilder Matthias Botthof Foto: Matthias Busse
Der Profi-Bodybuilder Matthias Botthof (42) ist in seiner Szene prominent. Selbst Arnold Schwarzenegger lud ihn schon zum Frühstück ein. Bei den NRW-Meisterschaften in Duisburg an diesem Samstag überreicht er Pokale an die besten Amateure des Landes.

Gudensberg. 

Wuchtige Oberarme, breiter Rücken, fast 140 Kilogramm schwer: Gäbe es das Wort Koloss nicht, für Matthias Botthof müsste man es erfinden.

Neben ihm wirken die Amateur-Bodybuilder, die an diesem Samstag bei der NRW-Meisterschaft in Duisburg (Rheinhausen-Halle, 13 Uhr) den Titel gewinnen wollen, geradezu schmächtig. Als Profi ist er jedoch kein Konkurrent, er überreicht Pokale an die Sieger. Fast jeder Bodybuilder kennt ihn, selbst Arnold Schwarzenegger lud ihn schon zum Frühstück ein.

Das verdankt er seinem Gesamtsieg 2011 bei einem Wettkampf in den USA, dessen Schirmherr Schwarzenegger ist. Seitdem ist Botthof Profi-Bodybuilder und darf bei Turnieren des Weltverbandes IFBB um Prämien kämpfen. „Leben kann ich aber von dem Sport nicht“, sagt er. Geld verdient er mit seinem Fitness-Studio im hessischen Gudensberg. Für Sponsoren reist er um die Welt, meist zu Wettkämpfen in den USA. Auf Siege und fünf- oder sechsstellige Preisgelder hofft er mit 42 Jahren nicht mehr. Doch aufhören will nicht: „Ich kenne kein Leben ohne Wettkampfsport. Ich bin total motiviert und kann den Knopf nicht finden, wo ich das ausstelle.“

Liebe gilt dem Kampfsport

Sein Leben hat er aufs Gewichtestemmen abgestimmt, aber „meine große Liebe ist der Kampfsport“. Früher betrieb er Kickboxen, Taekwondo und Karate, gewann sogar eine EM. Er fühlte sich aber ausgebrannt, begnügt sich bis heute mit Kindertraining und wechselte als Athlet 2004 zum Bodybuilding. Durch seine enormen Muskeln ist er nicht mehr allzu beweglich, „aber ich kann immer noch Köpfe runtertreten“, scherzt er.

Weil er auch als Polizist sehr rabiat war, musste er 2000 vor Gericht. „Im Dienst hatte ich ein kleines bisschen Pech“, sagt er. „Es war eine Auseinandersetzung mit drei bösen Jungs, die dabei verletzt worden sind. Für mich war das eine klare Notwehraktion.“ Der Richter sah das anders, und Botthof kündigte seinen Dienst.

Er ist friedlicher geworden. Jetzt will er Vorbild sein, aus Bodybuilding sei schließlich etwas geworden, eine Fitnessbewegung für die gesamte Gesellschaft, also „viel mehr als Sport“. Trotzdem blieben immer Vorurteile. Etwa dass ein Bizeps, auf dem sich fingerdicke Adern schlängeln, nur dank Anabolika gewachsen sein könne. „Nicht alle Bodybuilder gehören zu den Dopern.“ Komplett sauber sei Kraftsport aber trotz Kontrollen nicht.

„Ich messe mich an mir selbst“

Dies ist für ihn kein Grund, den Sport aufzugeben. Dass sein eisenhartes Training oft schmerzhaft ist, hält ihn ebenfalls nicht ab. Er macht weiter, aber nicht für Titel. „Ich messe mich nicht mehr an den Gegnern, sondern an mir selbst.“ Er will einen Körper, den er für perfekt hält. Erreichen wird er das nie: Wenn der Muskelkoloss in den Spiegel schaut, findet er sich immer zu dünn. „Eine gewisse Geistesgestörtheit ist vorhanden“, sagt er augenzwinkernd. Daher sind ihm Freunde außerhalb des Kraftsports wichtig, er will den Bezug zu normalen Menschen nicht verlieren. Schließlich seien Muskeln vergänglich. Er hofft, dass man sich später nicht nur daran erinnern wird, wie groß sein Bizeps war. „Ich will daran gemessen werden, was ich gesagt und gemacht habe.“ Er wäre erfreut, wenn die Leute sagen würden: „Der ist in Ordnung.“

Wahrscheinlich ist sein Vorbild Arnold Schwarzenegger nach dem gemeinsamen Frühstück in den USA zu diesem Urteil gekommen. Worüber genau die beiden Athleten sprachen, hat Matthias Botthof nicht verraten. Vielleicht hat er sich Tipps geholt, wie man als Bodybuilder Schauspieler werden kann. Oder Gouverneur in Kalifornien.