Absage nach Kritik: Kein Counter-Strike in Karlsruhe

Karlsruhe. Eigentlich sollten sich die besten Counter-Strike-Spieler in der Bundesliga für Computerspiele in Karlsruhe messen. Doch einen Kräftevergleich gab es nur auf der politischen Bühne. Gemeinderatsmitglieder sahen den Jugendschutz in Gefahr. Nun sagte der Veranstalter den Spieltag selbst ab.

Die Electronic Sports League (ESL) wollte beim Intel Friday Night Game neben „Counter-Strike“ und „Counter-Strike: Source“ auch Begegnungen des Strategie-Spiels „Warcraft 3“ austragen. Bis zu 1500 Zuschauer verfolgen die Live-Spieltage, bei denen es wie beim klassischen Sport um Punkte und Meisterschaften geht. Der Shooter „Counter-Strike“ ist bei den Fans besonders populär - und immer wieder im Fadenkreuz der Kritik, wenn es um die Killerspiel-Diskussion geht.

Veranstalter möchte sich nicht instrumentalisieren lassen

Nachdem bereits in Stuttgart und Nürnberg die Live-Spieltage nach Bedenken der Politik unmittelbar nach dem Amoklauf von Winnenden abgesagt werden mussten, zog der Veranstalter in Karlsruhe selbst die Reißleine. „Wir haben den Eindruck im Karlsruher Kommunalwahlkampf instrumentalisiert zu werden“, sagt ESL-Geschäftsführer Ralf Reichert.

Dabei verlief die Diskussion über den Jugendschutz in Karlsruhe diesmal eher ungewöhnlich. Oberbürgermeister Heinz Fenrich (CDU) stand vor allem Kritik aus den eigenen Fraktion gegenüber, die auf eine Absage der Veranstaltung drängte. Fenrich hingegen hatte sich für eine offene Diskussion über Computerspiele ausgesprochen. Im Zuge des Live-Spieltags sollte auch eine „Eltern-LAN“ veranstaltet werden. Dieses Programm, das von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt wird, ermöglicht Eltern aktuelle Spiele ihrer Kinder kennenzulernen und über Inhalte zu diskutieren.

Dieser Dialog kommt nun nicht zustande. Die Veranstaltung, die vom ESL-Betreiber Turtle Entertainment mit initiiert wird, wurde ebenfalls abgesagt. Am Montagabend informierte ESL-Geschäftsführer Ralf Reichert Oberbürgermeister Heinz Fenrich. Dabei nannte Fenrich die „polarisierte Stimmungslage in der Karlsruher Bevölkerung“ als Grund für die Absage des Spieltags.

Dringlichkeitssitzung des Gemeinderats

Damit kam die Electronic Sports League einer Dringlichkeitssitzung des Gemeinderates zuvor, der am Dienstagnachmittag über die Veranstaltung beraten sollte. „Damit kommt eine wichtige öffentliche Diskussion und Abstimmung im Gemeinderat nicht zustande“, sagte Fenrich. Gerne hätte er diese notwendige Auseinandersetzung um einen verantwortungsvollen Umgang gerade mit problematischen Computerspielen im Gemeinderat gesehen. „Die Veranstaltung ist vom Tisch, das Thema aber bleibt“, so das Stadtoberhaupt.

Die Veranstaltung sei ein Teil der Jugendkultur. „Ob man solche Spiele nun mag oder nicht – auch ich stehe ihnen äußerst kritisch gegenüber: Es gibt sie und sie werden von ganz vielen jungen Menschen genutzt“, sagte Fenrich.

Bei der Electronic Sports League zeigt man sich enttäuscht von den neuerlichen Querelen. „In der technologiefreundlichen Stadt Karlsruhe hätten wir einen solchen Umgang nicht erwartet", sagt Ralf Reichert. „Wir bedauern, dass eine Veranstaltung, die seit Jahren Ausdruck zeitgenössischer Jugendkultur ist, regelmäßig in 16 deutschen Großstädten gastiert und selbstverständlich unter Beachtung des ohnehin europaweit schärfsten Jugendschutzes durchgeführt wird, die Karlsruher Kommunalpolitik mit anhaltenden Diskussionen bestimmt. Es wird deutlich, dass die große Distanz zu unserer Jugend und den neuen Medien einen schweren Generationskonflikt offen legt.“

Eltern-LAN soll nachgeholt werden

Die Eltern-LAN soll nach Aussage des Oberbürgermeisters nachgeholt werden. „Wir werden im Gespräch mit der Bundeszentrale für politische Bildung abklären, wann und wie die abgesagte Eltern-LAN in städtischer Regie stattfinden kann. Turtle Entertainment hat seine logistische Unterstützung für diesen Fall zugesagt.“

Der Live-Spieltag der Electronic Sports League dagegen wird wohl nicht vor Publikum nachgeholt. „Es läuft alles darauf hinaus, dass die Begegnungen nun offline ausgetragen werden“, bestätigte die ESL gegenüber DerWesten. Bereits Mitte Juni finden die Finalspiele in Köln statt. Dann kämpfen die Teams um 130.000 Euro Preisgeld.

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