Wo Sie in Deutschland eine ruhige Silvesternacht genießen können

Sprengstoffverordnung: In der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, etc. ist das Abbrennen von Feuerwerkskörpern verboten.
Sprengstoffverordnung: In der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, etc. ist das Abbrennen von Feuerwerkskörpern verboten.
Foto: Köln Tourismus
Die Silvesternacht ist nicht für jedermann oder jedes Tier gedacht: Hundebesitzer und Menschen, die den Lärm von Feuerwerkskörpern vertragen, suchen gerne mal das Weite. Nur wohin soll es gehen? Wo Menschen leben, wird auch geböllert. In einigen Orten ist es aber untersagt zu böllern.

Essen.. Wer Silvester schon einmal mit einem zitternden, verängstigten Hund verbracht hat, wünscht sich am 31. Dezember sehnlichst „Silvester ohne Böller“. Familien mit kleinen Kindern geht es da ähnlich. Die bösen Geister können schließlich auch anders verjagt werden, und das beim Nicht-Feuerwerken gesparte Geld lässt sich sinnvoll und gut anderweitig einsetzen.

Wo kann man also Silvester ohne Kracher, Böller und Feuerwerk verbringen? Anrufe bei Polizei, Berufsfeuerwehren, Touristeninformationen und Stadtverwaltungen ergeben immer wieder eines: Wo Menschen leben, wird geböllert. Auch wenn die Städte selbst vielleicht kein Feuerwerk zünden, können Privatleute sehr wohl mit Chinaböllern und Krachern das Neue Jahr begrüßen. Der Lärm bleibt also. Die Lösung liefert der Blick in die aktuelle Sprengstoffverordnung. Dort ist geregelt, dass im Umkreis von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen und auch in der Nähe von Reet- und Fachwerkhäusern das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände verboten ist.

Manche Kommunen verbieten das Anzünden von Feuerwerken

Auf geht’s also zu Silvester in Deutschlands schöne Fachwerkstädte, zum Beispiel nach Rothenburg ob der Tauber. Im fachwerksdominierten Ortskern darf unter keinen Umständen geböllert werden, und auch drumherum ist den Rothenburgern offenbar der Spaß an Schwefelgeruch und Knallern vergangen. So zumindest die Auskunft der Stadtverwaltung.

Im schwäbischen Tübingen herrscht nach dem Großbrand vor vier Jahren in der Altstadt absolutes Feuerwerksverbot. Die Stadt informiert jedoch, dass außerhalb der Altstadt geböllert werden darf, „und man schon merkt, dass Mitternacht ist“. Auch in Goslar fungieren die historischen Fachwerkbauten als Ruhepaten. Spaß haben kann man auf einer der Silvesterpartys in jedem Fall auch ohne Feuerwerk.

Ebenfalls streng geht es im Osten Deutschlands zu. In Thüringen verbieten Kommunen wie Mühlhausen, Rudolstadt und Bad Langensalza das Zünden von Feuerwerken zum Schutz der historischen Altstadthäuser komplett. Dass Quedlinburg sein aufwendig restauriertes Unesco-Welterbe durch Feuerwerksverbot schützt, liegt auf der Hand. Übrigens bietet die Stadt im Harz einen so malerischen Gesamteindruck, dass selbst George Clooney auf Kulissensuche schon zu Gast war – allerdings nicht zu Silvester.

Ruhe unterm Reetdach

Finden die einen Ruhesuchenden durch Fachwerkhäuser Schutz, so können für andere die leicht entflammbaren Reetdächer die Lösung bieten. Ihnen ist es im Norden Deutschlands zu verdanken, dass die Inseln Sylt und Amrum zum Jahreswechsel himmlisch still sind. Und was könnte romantischer sein als ein Mitternachtsspaziergang am Meer?

Bei Naturschutzgebieten und Nationalparks liegt der Ruheschutz schon im Namen. Wer eine Unterkunft im Naturschutzgebiet findet, hat größte Chancen auf einen ruhigen Jahreswechsel. Einige Hotels machen aus der vermeintlichen Not des Feuerwerksverbots eine Tugend und werben mit feuerwerksfreien Jahreswechseln. Zum Beispiel das Hotel Kranzbach (www.daskranzbach.de), das im stillen Elmautal im Naturschutzgebiet Karwendel Leuchtballons, Silvestergala und romantische Kutschfahrten statt Schwefelgeruch und Lärm veranstaltet.

Silvester im Sumpfland

Im Hotel Seehaus Forelle (www.seehaus-forelle.de) im Naturpark Pfälzerwald-Nordvogesen erwartet Gäste neben Rundwanderungen durch den schönen Sumpfwald vor allem ruhige Stunden zu Silvester. Das schätzen inzwischen so viele Gäste, dass laut Sabrina Kühn vom Empfang sehr frühzeitig gebucht werden muss.

Und auch in der mecklenburgischen Naturlandschaft rund um die Müritz können Hunde und kleine Kinder glückliche Jahreswechsel verbringen. Außer quakenden Enten und etwas Schilfgeraschel trübt kein lautes Geräusch das sensible Ohr.

Wenn der Hund mit von der Partie ist

Einen Service der ganz besonderen Art für ruhesuchende Hundebesitzer bietet Annette Feldmann: In fünf garantiert böllerfreien Unterkünften organisiert sie hundefreundliche Silvesterferien mit Rahmenprogramm auf Wunsch (www.hundewandertouren.de). Sie stellt fest, dass die Aufenthalte inzwischen auch länger gebucht werden, weil Böller und Kracher auch in den Tagen vor und nach Neujahr gezündet werden. Gäste haben die Wahl zwischen dem Teutoburger Wald, dem Sauerland und der Lüneburger Heide.

Alles in allem könnte die simpelste aller Silvesterregeln lauten: Orte, die schwer zu erreichen sind, bleiben meist ruhig. Zahlreiche romantisch und einsam gelegene Hütten und Berggasthöfe werden auch über Silvester vermietet.

 

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