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Was Ex-LTU-Chef Marbach zurück in die Tourismus-Branche zieht

Der ehemalige LTU-Geschäftsführer Jürgen Marbach hat 26,1 Prozent des Reiseveranstalters und Hotelbetreibers Aldiana erworben.
Der ehemalige LTU-Geschäftsführer Jürgen Marbach hat 26,1 Prozent des Reiseveranstalters und Hotelbetreibers Aldiana erworben.

Essen. 

Jürgen Marbach macht es sich auf seinem Sofa bequem und streckt die Füße weit von sich. „Bis vor wenigen Wochen habe ich mich selbst noch als faulsten Arbeitnehmer Düsseldorfs bezeichnet“, lacht er. „Inzwischen sieht das aber ganz anders aus.“ Spätestens nachdem Marbach vergangene Woche 26,1 Prozent des Reiseveranstalters und Hotelbetreibers Aldiana erworben hat, kann man von einem Comeback des ehemaligen LTU-Geschäftsführers auf der touristischen Bühne sprechen.

Dass Marbach Zukäufe in dieser Dimension vornehmen kann, hängt unmittelbar mit seiner Zeit bei LTU zusammen. Damals hatte er sich relativ günstig Anteile der traditionsreichen Airline gesichert, als diese bereits in finanzielle Schräglage geraten war. „Das war ein großes persönliches Risiko“, erinnert sich Marbach. Allerdings mit einem finanziellen Happy-End für den gebürtigen Duisburger. Als plötzlich Air Berlin die marode LTU übernahm, erhielt Marbach für seine Anteile rund 30 Millionen Euro.

Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg

Viel Geld, welches der umtriebige Manager in der „MIC-Marbach-Group“ parkte. Denn sein Hauptaugenmerk legte er zunächst auf andere Bereiche. So wagte Marbach einen Ausflug in das Fußballbusiness und wurde beim VfL Wolfsburg für knapp zwei Jahre Geschäftsführer. Zwar wurde sein Vertrag nicht verlängert, immerhin aber fiel in seine Amtszeit der umjubelte Gewinn des Meistertitels für die Wolfsburger.

Anschließend bewarb sich Multitalent Marbach als Präsident des Deutschen ReiseVerbands (DRV), konnte sich aber in der entscheidenden Abstimmung nicht gegen Jürgen Büchy durchsetzen.

Ein bunter Mix – sogar eine Bäckerei ist mit dabei

Doch nun startet Marbach wieder richtig durch. „Golf spielen ist ja wirklich schön, aber irgendwann wird es langweilig“, erklärt er schmunzelnd seine Motivation. Eine andere sei aber auch, dass er bei den Banken derzeit kaum auf eine ordentliche Verzinsung für sein Geld hoffen kann. Mit seiner MIC-Marbach-Group hält er daher bereits Beteiligungen an verschiedenen Unternehmen. In direkter Nähe des Düsseldorfer Flughafens hat die Firma außerdem eine 10 000 Quadratmeter große Büroimmobilie samt Parkflächen erworben.

Sogar Besitzer einer Bäckerei ist Marbach inzwischen. „Ein reiner Freundschaftsdienst für einen Bekannten, dessen Firma ich vor der Insolvenz gerettet habe.“ Aber es gibt auch ernsthafte Investments. Im touristischen Sektor hat sich Marbachs Firma ein Hotel auf Usedom, ein Hotel in Tirol sowie den Aldiana Club im Salzburger Land zugelegt.

„Die Niederungen des operativen Geschäfts haben mich wieder“

Das Telefon klingelt, Marbach unterbricht. „Österreich, da muss ich rangehen.“ Ein kurzes Gespräch, schließlich herrscht Einigkeit. „Dann sollen sie halt den Tank voll machen.“ Anschließend muss Marbach lachen. „Die Niederungen des operativen Geschäfts haben mich wieder. Es ging gerade um die Heizöllieferung für mein Hotel in St. Johann.“

Was bringt die Zukunft? „Einen Masterplan habe ich nicht, die Dinge entwickeln sich. Ich bin jetzt 53 Jahre alt, bis 60 will ich noch was tun“, meint Marbach. „Zudem verspüre ich natürlich die Verantwortung gegenüber den 150 Mitarbeitern, die ich inzwischen beschäftige.“

In der Branche machen bereits Gerüchte die Runde, dass Jürgen Marbach mittelfristig die Mehrheit beim Clubanbieter Aldiana übernehmen werde. Marbach selbst will das aber nicht kommentieren. Dementieren aber auch nicht. „Sagen wir es so. Ich habe mir für 2012 zumindest vorgenommen, mir jeden Club einmal persönlich anzuschauen.“