Rewe-Touristik-Chef kann im Urlaub nicht immer Abschalten

Christian Leetz
Wie verbringen eigentlich Top-Manager der großen deutschen Reiseunternehmen ihren Urlaub? Im Interview spricht Sören Hartmann, Deutschland-Chef der Touristiksparte des Rewe-Konzerns, über seine Urlaubserfahrungen, Ziele und Veränderungen beim Reisen.

Loutro. Als Sprecher der Geschäftsführung der Rewe Touristik ist Sören Hartmann verantwortlich für die Marken ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg. Wir haben den Top-Manager in seinem Urlaub auf Kreta im kleinen Örtchen Loutro besucht. Ein Gespräch über das Abenteuer auf Reisen, echte Werte und das gute Gefühl nichts zu verpassen.

Angst, diesen Urlaub noch bestreikt zu werden?

Sören Hartmann: Nein, absolut nicht. Die Stimmung ist wieder runtergekocht. Man kann davon ausgehen, dass diese Saison hier nichts mehr passiert.

Da spricht der Griechenland-Fan.

Hartmann: Klar. Griechenland ist meine persönliche Wiege. Ich habe hier sehr viele Freunde, auch mein Trauzeuge kommt aus Kreta.

Wann waren Sie das erste Mal auf Kreta?

Hartmann: 1989 würde ich sagen.

Zeit der Wende also.

Hartmann: Kann man so sagen. Wir haben damals einen Veranstalter aufgebaut im ostdeutschen Raum. Wir sind mit Propellermaschinen aus dem früheren Bestand der DDR-Staatslinie Interflug nach Kreta geflogen.

Was hat sich seitdem beim Reisen verändert?

Hartmann: Das hat sich schon sehr stark verändert. Früher war Reisen noch Reisen. Man hat darunter verstanden das Land zu erkunden und die Unterkunft war eher zweitrangig. Vor fünfzehn Jahren ist auf Kretas Straßen Mietwagen an Mietwagen gefahren. Das ist heute nicht mehr der Fall. Die Gäste wollen in erster Linie ein gutes Hotel mit einem vielseitigen Freizeitangebot.

Aber es heißt doch, Reisende seien anspruchsvoller geworden.

Hartmann: Sehr viel anspruchsvoller was die Hotelleistung betrifft. Man verkauft heute einen großen Anteil an Vier- und Fünf-Sterne-Hotels. Ich würde sagen so um die 80 Prozent. Das war damals alles nur zwei bis drei Sterne.

Was macht den Urlaub auf einer Insel so besonders?

Hartmann: Die totale Abgeschlossenheit. Immer wenn man das hat, konnte sich in der Historie eine eigene Kultur entwickeln. So finden Sie auf Korfu etwas ganz anderes als auf Kreta, obwohl ja beides Griechenland ist. Andere Menschen, andere Gewohnheiten. Und ringsum ist nur Wasser. Das hat etwas sehr Beruhigendes und Gleichmäßiges. Und dann ist da auch noch eine psychologische Komponente: Man fliegt nicht in ein Land, sondern auf eine Insel.

„Man kann auch im Urlaub nicht alles hinter sich lassen“

Da fällt mir ein Kinderspiel ein: Welche fünf Dinge würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen?

Hartmann: Erst mal meine Familie. Und das sind schon allein vier. Vier Mädels. Damit habe ich mein Kontingent schon fast ausgereizt. Und als letztes mein Handy. Man kann schließlich auch im Urlaub nicht alles hinter sich lassen.

Sie schalten also nie ganz ab?

Hartmann: Doch. Aber es kommt darauf an, wo ich bin. Bin ich in einem normalen Hotelbetrieb, dann schaue ich natürlich, ob die Leute dort zufrieden sind oder nicht. Als früherer Robinson-Chef habe ich für die Hotellerie natürlich einen Blick. Aber an Orten wie hier in Loutro zählt nur der Ort und diese Bucht. Da spielt das Hotel überhaupt keine Rolle. Da schalte ich gut ab.

Was macht guten Urlaub aus?

Hartmann: Jeden Tag etwas anderes zu unternehmen. Und meinen Töchtern jeden Tag etwas zu zeigen.

Sie organisieren also so eine Art Studienreise für Ihre Kinder?

Hartmann: Naja, alte Römerstätten und dergleichen erspare ich meinen Kindern meist. Mir geht es mehr um das lebendige einer Kultur im Heute und um das Erleben der Natur. Ich will es mal so sagen: Was die Kinder mögen, hat Vorrang. Aber ich versuche hier und da etwas Kultur einzustreuen.

Wer sucht eigentlich bei Familie Hartmann die Reiseziele aus?

Hartmann: Meist schlage ich etwas vor. Aber nur, weil ich durch meinen Beruf einfach sehr viel kenne. Meist versuche ich dabei das Thema Wasser mit anderen Welten zu verknüpfen. Das war in Istanbul so oder auch in Marokko und Marrakesch. Aber je älter die Kinder werden, desto mehr Erfahrung haben sie. Und dann kommen eigene Wünsche auf, klar.

Urlaub in Deutschland ist also nicht so Ihre Sache.

Hartmann: Wir waren einmal auf Usedom und Sylt. Das war es aber auch schon in den letzten 15 Jahren. Ich mag Deutschland als Reiseland. Aber ich denke, das können sich die Kinder später auch gut alleine erschließen.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste eigene Reise?

Hartmann: Da kann ich mich sogar noch sehr gut dran erinnern. Ich habe Interrail gemacht. Deutschland, Frankreich, Marokko, Portugal, Kroatien. Im Prinzip haben wir vier Wochen lang nur in der Bahn verbracht. Einfach nur, um möglichst viel zu sehen. Im Nachhinein würde ich sagen, das war eine sehr gute Erfahrung um zu sehen, wie man es besser nicht macht (lacht).

Interrail gibt es trotzdem noch.

Hartmann: Aber die Jugend macht das heute nicht mehr. Ich erinnere mich sogar daran, dass man damals in Gepäcknetzen geschlafen hat. Jedenfalls bin ich danach lieber mit dem Auto gefahren.

So richtig mit altem VW-Bus?

Hartmann: Nein, ich hatte einen Fiat 127. Der hat mich durch ganz Europa gebracht. Und davor hatte ich noch eine Ente.

Klingt nach Abenteuer.

Hartmann: Es war ein anderes Alter und eine andere Zeit. Da kamen einfach zwei Dinge zusammen.

Wobei heute auch viele junge Leute nach dem Abitur den Rucksack aufsetzen und losziehen.

Hartmann: Ja, aber es muss inzwischen eben Australien sein. Oder Amerika. Es muss immer exotischer und weiter sein.

Und Sie finden das nicht gut?

Hartmann: Nicht besser und nicht schlechter. Es ist einfach anders. Kindern wird heute viel mehr ermöglicht. Unsere Gesellschaft lebt auf einem ganz anderen Niveau. Früher war ja schon ein Fernseher Luxus. Schwarz-weiß wohlgemerkt.

Momentaufnahmen: Der Mond überm Meer

Und europäische Länder waren richtiges Ausland. Mit anderer Währung und allem Drum und Dran.

Hartmann: Ja, da hat die EU einiges geleistet. Unsere Kinder nehmen ganz Europa heute als einen Kulturkreis wahr. Deshalb muss es beim Reisen darüber hinaus gehen.

Gibt es so etwas wie Ihr schönstes Urlaubserlebnis?

Hartmann: Es gibt Momentaufnahmen. Wenn zum Beispiel hier abends der Mond überm Meer steht, dann schwimme ich mit meinen Kindern noch mal ein Stück raus. Das ist etwas Besonderes für alle. Oder auf den Malediven haben wir gemeinsam einen Tauchschein gemacht. Dann unter Wasser Delfine zu sehen, das ist etwas unbeschreiblich schönes. Aber es gab in jedem Urlaub zwei oder drei solcher Momente. Auch viele schöne mit meiner Frau.

Man muss sich solche Momente also auch selbst erschaffen?

Hartmann: Ein Beispiel: Ich mache mit jeder meiner Töchter so um ihren zwölften Geburtstag herum eine Reise. Nur das Kind und ich. Das Ziel bestimmen die Kinder. Dabei lerne ich alle noch einmal ganz intensiv kennen. Und sie mich. Dabei geht es mir um das Erlernen von Werten. Mit der ältesten war ich in Südafrika. Mit der Mittleren bin ich in einem Ford Mustang durch Kalifornien gefahren. Und die Jüngste grübelt noch, wohin es gehen könnte.

Wie sieht der perfekte Urlaubstag aus?

Hartmann: Sich treiben lassen. Keine Hektik. Die Dinge passieren lassen. Hier in Loutro zum Beispiel haben Sie abends immer das Gefühl, nichts verpasst zu haben. Auch, wenn Sie vielleicht gar nichts gemacht haben. Das ist der perfekte Urlaubstag. Das Gefühl zu haben, dass nichts fehlt.

Abschlussfrage: Was machen Sie als erstes, wenn Sie wieder nach Hause kommen?

Hartmann: Den Hund abholen.

Das Unternehmen

Die Rewe Touristik mit Sitz in Köln gehört zur Rewe Group, deren Kerngeschäft der Lebensmittelhandel ist. Zur Touristik gehören die Veranstalter ITS, Tjaereborg und Jahn Reisen. ITS richtet sich vor allem an Familien, die Badeurlaub rund ums Mittelmeer, Rotes Meer und Schwarzes Meer suchen. Jahn Reisen ist die Marke für gehobene Ansprüche mit Edelhotels ­wie den „Leading Hotels of the World“ im Portfolio. Und Tjaereborg wiederum bringt Urlauber besonders günstig in die Ferien. Rund sechs Millionen Menschen verreisen auch dieses Jahr wieder mit der Rewe Touristik.