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Luther-Socken und Luther-Stein: Die Spuren des Reformators

Luther-Socken und Luther-Stein: Die Spuren des Reformators

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Martin Luther hinterließ an zahlreichen Orte seine Spuren. 500 Jahre später kommen besonders viele Touristen nach Wittenberg und Eisenach.

Wittenberg/Erfurt. 

Es ist ein unscheinbarer Stein. Ein älterer Herr liest gebeugt die Inschrift: „Hilf du St. Anna, ich will ein Mönch werden.“ Ob der Mann weiß, was hier geschah? Am 2. Juli 1505 gerät Martin Luther auf dem Rückweg von seinen Eltern in Mansfeld in ein heftiges Gewitter. Von Blitz und Donner zu Tode geängstigt, legt er das heute in Stein verewigte Gelübde ab, das seinen weiteren Werdegang bestimmt und die Weltgeschichte verändert. Zwölf Tage später tritt er in das Augustinerkoster in Erfurt ein.

Der Stotternheimer Luther-Stein ist ein kleiner Geheimtipp für Reformationstouristen im großen Jubiläumsjahr 2017, 500 Jahre nach dem Thesenanschlag zu Wittenberg am 31. Oktober 1517. Nur braucht es Vorstellungskraft, um der Historie nachzuspüren – allein die Fußreise von Mansfeld nach Erfurt, wo Luther studierte, dauerte früher tagelang. Heute fährt man die 80 Kilometer bis zu seinem Elternhaus in 60 Minuten.

Nur noch im Kern original

Die Fantasie ist auch gefragt, wenn man vor der Taufkirche Luthers St.-Petri-Pauli in seinem Geburtsort Eisleben im heutigen Sachsen-Anhalt steht. Das Original-Gebäude, in das Luthers Vater mit dem frisch geborenen Martin im November 1483 eilte, steht nicht mehr – bis auf einen Teil der alten Turmkapelle. Immerhin ist noch der Taufstein Luthers in der heutigen Kirche erhalten, auch wenn er nach Auskunft von Pfarrerin Simone Carstens-Kant Anfang des 19. Jahrhunderts neu aufgebaut wurde und nur sein Kern noch original ist.

34 Jahre nach seiner Taufe tut Luther nicht nur aus Sicht des Papstes in Rom etwas Unerhörtes, das zu seiner Exkommunikation und Ächtung führt. Er veröffentlicht seine berühmten 95 Thesen gegen den Ablasshandel. Hat er sie ans Nordportal der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen, wo Luther als Theologieprofessor lehrt? Die Schlosskirche wird damals auch als Hörsaal genutzt.

Disputation am schwarzen Brett

„Hier war das Schwarze Brett der Uni“, sagt Stadtführerin Annett Schulz vor der zwei Tonnen schweren bronzenen Thesentür, die erst im 19. Jahrhundert gefertigt wurde. „Wenn er etwas angeschlagen hat, werden es Plakate oder Zettel gewesen sein als Grundlage einer Disputation unter Unikollegen.“

Dass Luther seine 95 Thesen tatsächlich am Kirchenportal anbrachte, galt in der Geschichtsforschung lange Zeit als unwahrscheinlich. „Was die Besucher wissen wollen, ist: Wie war das mit den Thesenanschlag?“, sagt Benjamin Hasselhorn vom Lutherhaus in Wittenberg, dem alten Klostergebäude, in dem der Reformator lange Zeit mit seiner Frau Katharina von Bora und den gemeinsamen Kindern lebte. Aufgrund einer vor rund zehn Jahren entdeckten Notiz von Georg Rörer, dem Privatsekretär Luthers, geht man heute davon aus, dass die Geschichte mit den Thesen wohl doch stimmt.

Luthertourismus boomt

Zu sehen ist diese Notiz in Wittenberg in der Sonderausstellung „Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“ (bis 5. November 2017) – ebenso wie ein zeitgenössischer Plakatdruck der 95 Thesen sowie Luthers private Bibel. Mit ihr arbeitete er 1530 auf der Veste Coburg, bevor seine komplette Bibelübersetzung erschien.

Der Luthertourismus boomt im Jubiläumsjahr. Unterwegs sind Pilger, die einmal dort sein wollen, wo der Reformator wirkte. „Seit 1655 wird die Wittenberger Lutherstube Reisenden gezeigt“, sagt Hasselhorn. Heute kämen Evangelikale oder Protestanten aus den USA, die in Ehrfurcht in der Stube innehalten und „A mighty fort is our god“ singen, die englische Version des von Luther komponierten und getexteten Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott“, dessen Schriftzug auch den Turm der Schlosskirche ziert.

Luther-Holz als Mittel gegen Zahnschmerzen

Die Wittenberger Stube ist wohl der authentischste aller Lutherorte, original ist die hölzerne Wandvertäfelung, weitestgehend auch der Tisch. Nur der äußere Rahmen musste erneuert werden, weil Reliquienjäger ab dem 18. Jahrhundert Span um Span raubten. „Man glaubte, Holz aus der Lutherstube helfe gegen Zahnschmerzen“, sagt Hasselhorn. Die wohl prominenteste „I was here“-Signatur stammt vom russischen Zar Peter dem Großen, der 1712 seinen Namen mit Kreide an die Tür zur Stube setzte – noch heute ist sie erhalten.

Anders ist es an vielen anderen Lutherorten. Die Stube im Geburtshaus in Eisleben? So eingerichtet, wie sie damals wohl eingerichtet war, aber wie das ganze Haus nicht original. Das Sterbehaus? Ist nicht das Sterbehaus, wenngleich sich das Museum mit einer Nachbildung von Luthers Totenmaske offiziell so nennt. „Mittlerweile vermutet man, dass er wohl eher in einem Haus näher am Marktplatz starb, heute ein Hotel“, sagt Carstens-Kant. Immerhin die Kanzel in der benachbarten St.-Andreaskirche ist original. Luther hielt dort seine letzte Predigt am 14. Februar 1546.

Besucheransturm auf der Wartburg

Auch die Wartburg bei Eisenach, wo Luther als Junker Jörg in Ritterkleidung getarnt weilte und das Neue Testament in allgemein verständliches Deutsch übertrug, kann sich in diesem Jahr kaum vor Besuchern retten. Klassiker ist die dortige Lutherstube in der alten Vogtei, wo Luther an seiner Übersetzung arbeitete.

Begraben liegt Luther wie sein Weggefährte Philipp Melanchthon unter einer Steinplatte vor den Kirchbänken in der Wittenberger Schlosskirche. Bei der Restaurierung der Kirche 1892 sei das Grab untersucht worden, sagt Hasselhorn. Heute verkaufen Museumsshops und Souvenirläden Luther-Socken oder Luther-Quietscheenten. Im Lutherhaus Wittenbergs aber liegt ein unverkäufliches Einzelstück – ein Griff vom Luthers Sarg, der „irgendwann wieder auftauchte“.

>>>>>> Info-Kasten: Lutherstätten

Eisleben: Das Kombiticket für Luthers Geburtshaus und sein Sterbehaus, in dem auch der Eintritt ins Elternhaus in Mansfeld enthalten ist, kostet 8 Euro.

Wittenberg: Das Kombiticket Lutherhaus/Melanchthonhaus kostet 10 Euro. Empfehlenswert: das 15 mal 75 Meter große 360-Grad-Panorama des Künstler Yadegar Asisi, Eintritt 11 Euro.

Eisenach: Ein geführter Rundgang auf der Wartburg mit Eintritt in die Sonderausstellung „Luther und die Deutschen“ (noch bis 5. November) und in die Lutherstube kostet 9 Euro. Lutherhaus: noch bis 5. November ist die Sonderschau „Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer – Luther aus katholischer Sicht“ zu sehen, Kombikarte 8 Euro.

Reiserouten: Wer ausführlicher auf Luthers Spuren reisen möchte, kann den Empfehlungen der Deutschen Zentrale für Tourismus folgen: www.luther2017.de/de/erleben/auf-reiserouten/auf-reiserouten/. Pilgern wird der Lutherweg empfohlen, der durch Thüringen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Sachsen und Hessen führt (www.lutherweg.de).

Unterkunft und Restaurants: In Wittenberg gibt es eine Vielzahl an Hotels in mehreren Preisklassen, darunter das „Luther-Hotel“, DZ/Frühstück ab 159 Euro (www.luther-hotel-wittenberg.de). Neben der Schlosskirche befindet sich eine Jugendherberge, Übernachtung/Frühstück ab 23 Euro (www.jugendherberge-wittenberg.de). Das Hotel-Restaurant „Alte Canzley“ gegenüber der Schlosskirche veranstaltet regelmäßig Luthermahle mit Schauspiel und zeitgenössischen Speisen für 39 Euro pro Person (www.alte-canzley.com). Einen fantastischen Blick auf die Wartburg bietet das „Berghotel Eisenach“ mit exzellenter Küche, Doppelzimmer/Frühstück ab 104 Euro (www.berghotel-eisenach.de). Im direkt zum Unesco-Welterbe Wartburg gehörende „Wartburghotel“ kostet das Doppelzimmer ab 188 Euro (www.wartburghotel.de).