Kein Haschisch mehr für Deutsche in Coffeeshops in den Niederlanden

Die Niederlande wollen den Drogentourismus eindämmen. Per Gesetz sollen die Coffeeshops, in denen bislang auch Ausländer legal kleine Mengen weicher Drogen erwerben konnten, in Clubs umgewandelt werden. Zutritt sollen nur Niederländer haben.

Amsterdam. Gianni ist 30. Er stammt aus Mailand und sagt: ,,Ich komme schon seit zehn Jahren regelmäßig nach Holland.‘‘ Rembrandts ,,Nachtwache‘‘ im Rijksmuseum hat er noch nicht gesehen, auch das Anne-Frank-Museum an der Prinsengracht nicht besucht. Gianni kommt wegen der Drogen. Als er im Amsterdamer Coffeeshop ,,Get down‘‘ erfährt, dass er im nächsten Jahr wahrscheinlich nicht mehr willkommen sein wird, weil er Italiener ist, kann er es kaum fassen. ,,Die meisten jungen ausländischen Touristen, die nach Amsterdam kommen, die kommen doch für den Stoff,‘‘ sagt er. ,,Die Coffeeshops sind die größte Touristenattraktion hier.‘‘

Bald nicht mehr.

Die berühmt-berüchtigten Coffeeshops in den Niederlanden sind ein Auslaufmodell. Konnte jeder erwachsene Kiffer in den vergangen 30 Jahren dort unbehelligt seinen Joint rauchen und sich mit Marihuana zu günstigen Preisen eindecken, so gehen diese goldenen Zeiten für Kiffer nun zu Ende. Zumindest für die ausländischen Hasch-Konsumenten. Denn die müssen künftig draußen vor der Tür bleiben. Der Europäische Gerichtshof hatten den Coffeeshop-Bann für Ausländer Ende 2010 für rechtens erklärt.

Ausländern wird noch in diesem Jahr der Zugang zu den holländischen Hasch-Handelsstellen verwehrt. Zugang zu den Coffeeshops werden ,,nach dem Sommer‘‘ nur noch Personen haben, die einen niederländischen Pass besitzen, die älter als 18 Jahre sind und die mindestens ein Jahr Mitglied eines Coffeeshops sind. Sie erhalten dann als Zutrittsberechtigung einen ,,Wietpas,‘‘ also einen Hasch-Pass, mit dem sie den Stoff für den Joint kaufen dürfen.

Drogentourismus austrocknen

Denn die rund 750 Coffeeshops in den Niederlanden, davon etwa 225 allein in Amsterdam, werden nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes geschlossene Clubs, die nur noch Mitgliedern mit niederländischer Nationalität und einem ,,Wietpas‘‘ Einlass gewähren dürfen. So steht es in dem neuen, von Justizminister Ivo Opstelten und Gesundheitsministerin Edith Schippers gemeinsam vorgelegten Gesetzentwurf. Es soll spätestens nach der Sommerpause in Kraft treten und noch vor der Ferienzeit vom Parlament verabschiedet werden. Ziel der neuen rigiden Regelung ist es, den Drogentourismus in die Niederlande auszutrocknen.

In einigen Städten, insbesondere in Amsterdam, regt sich heftige Kritik am neuen Gesetz. ,,Das wird unser Ruin,‘‘ klagt ein Coffeeshop-Besitzer. ,,Der Umsatz wird einbrechen. Viele Coffeeshops werden schließen.‘‘ Aber vielleicht will Justizminister Opstelten genau das. Mit Hilfe des neuen Gesetzes kann er die Zahl der Coffeeshops voraussichtlich drastisch vermindern, weil viele pleite gehen werden, wenn ausländische Kiffer-Kundschaft wegfällt. Vor allem in den Grenzstädten wie Maastricht, Venlo, Roermond oder Groningen, aber auch in Amsterdam werden die Besitzer die Folgen des neuen Gesetzes zu spüren bekommen.

Verlagerung auf die Straße

Andere Kritiker fürchten, dass sich der Hasch-Handel wieder auf die Straße und in die Illegalität verlagern wird. Niederländische Jugendliche über 18 Jahre könnten versucht sein, ausländische Kiffer mit Stoff für Joints zu beliefern. Sie können mit ihrem ,,Wietpas‘‘ in den Coffeeshops einkaufen und mit dem dort erworbenen Stoff dann auf der Straße unter Touristen dealen. Wer die niederländische Handelsmentalität kennt, ahnt: Genau das wird passieren.

 
 

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