Hotelsuche im Netz: Lieber nicht nur Bewertungen vertrauen

Sehr gut? Das klickt man doch mal an! Die Erfahrungen anderer Nutzer sind bei der Auswahl von Hotels im Netz für viele ein wichtiges Kriterium.
Sehr gut? Das klickt man doch mal an! Die Erfahrungen anderer Nutzer sind bei der Auswahl von Hotels im Netz für viele ein wichtiges Kriterium.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Das Urteil anderer Nutzerinnen und Nutzer spielt bei der Online-Buchung eines Hotels für viele eine große Rolle. Es sollte aber nicht das einzige Kriterium sein - aus gutem Grund.

München. Hotelbewertungen im Internet sind oft gefälscht. Wie hoch der Anteil genau ist, vermag Verbraucherschützerin Tatjana Halm nicht zu taxieren. „Auch, weil es so viele Wege zum Fälschen gibt.“ Teilweise stecken etwa Agenturen dahinter, die für Hotels geschönte Bewertungen schreiben. Es komme aber auch vor, dass Hoteliers vor Ort zum Gast sagten: „Wenn du mich gut bewertest, gebe dir 50 Euro Nachlass.“

Schon dieses Beispiel zeigt, dass man sich nicht nur auf einzelne (vermeintliche) Erfahrungen anderer verlassen sollte - zumal selbst echte, also authentische Berichte immer subjektiv sind.

Fälschungen erkennen? „Können sie vergessen“

Das Problem mit Fake-Bewertungen wiederum ist, dass Nutzer sie kaum als solche erkennen können. „Das können sie vergessen“, sagt Halm, die bei der Verbraucherzentrale Bayern das Referat Markt und Recht leitet. Selbst wenn ein Hotel lange Zeit negativ und auf einmal einhellig positiv bewertet würde, sei das allenfalls ein Indiz für Fälschungen. Es kann ja ebenso gut sein, dass etwa der Betreiber gewechselt hat und die Qualität wirklich gestiegen ist.

Manche Bewertungsportale betreiben Halm zufolge recht viel Aufwand, um falsche Erfahrungsberichte zu vermeiden. Es mache also durchaus Sinn, bei der Recherche für den Urlaub darauf zu achten, ob und wie ein Portal Bewertungen vor der Veröffentlichung prüfe, so die Verbraucherschützerin. „Nichtsdestotrotz kann man nie sicher sein, ob die Bewertungen alle sauber sind.“

Sie rät deshalb zu zwei Dingen:

  1. Unterschiedliche Plattformen scannen und Bewertungen auch mal querbeet durchschauen, um ein breiteres Bild zu bekommen.
  2. Sich klar machen, welche Rolle Bewertungen für die eigene Hotelentscheidung spielen. Sind sie der ausschlaggebende Faktor? Oder spielen konkrete Ausstattungsdetails oder der Preis am Ende die wichtigere Rolle.

Das sollte man dann auch bei den Filtereinstellungen auf den Buchungsplattformen berücksichtigen. „Oft werden die Hotels erstmal nach Empfehlungen gerankt“, sagt Halm. Wem etwa der Preis wichtiger ist, sollte den Filter entsprechend umstellen.

Entscheidungshilfe im Angebotsdickicht

Natürlich macht es attraktiv, wenn ein Hotel von Nutzern 4,7 von 5 Sternen bekommen hat oder eine Weiterempfehlungsrate von 91 Prozent angegeben wird. Bei dem riesigen Angebot im Netz sind wir dankbar für solche Orientierungshilfen. Oder wie Halm es sagt: „Über Bewertungen arbeiten sich Verbraucher zu einer Entscheidung hin.“

Nur heißt das im Umkehrschluss: Für Hotelbetreiber macht das gute Bewertungen natürlich erstrebenswert, um beim Kunden sichtbarer zu werden. Und manche greifen in der Folge zu unlauteren Mitteln. Der Tatsache sollten sich Nutzer stets bewusst sein und entsprechend Bewertungen immer mit einer Grundportion Skepsis lesen. (dpa)