Für das Jugendferienwerk NRW ist die Reise zu Ende

Das Jugendferienwerk NRW löst sich zum 30. September 2011 auf. Dem Verein fehlt Geld. Vor allem, weil der Landessportbund seine Förderung zurückfuhr. Die Betreuer sind empört. Einige von ihnen haben sich bereits abgespalten.

Essen/Duisburg. Italien, Spanien, Österreich oder gar Mexiko. Zehntausende Jugendliche flogen seit 1977 mit dem Jugendferienwerk NRW in den Urlaub. Damit ist zum Ende des Jahres Schluss. Per Mitgliederentscheid wurde die Auflösung des Vereins beschlossen.

„Das ist ein schmerzvoller Schritt“, sagt der Vorsitzende des Jugendferienwerks Dirk Mays. „Aber es gibt keine Alternative.“ In den letzten Jahren ist die Zahl der reisewilligen Jugendlichen zurückgegangen. Noch dramatischer allerdings: Der Geldfluss geriet offenbar ins Stocken. „Der Landessportbund bezuschusste uns jährlich mit 450.000 Euro. Diese Förderung ist in diesem Jahr auf 250.000 Euro gesenkt worden“, erklärt Mays. 2012 hätte es nur noch 150.000 Euro geben, so Mays – zu wenig, um den Verein mit seinen über 900 ehrenamtlichen Mitarbeitern und acht Angestellten weiterzuführen. Ihnen wurde gekündigt.

Der Landessportbund äußert sich öffentlich nicht zu dem Thema. „Diese Zahlen kommentieren wir nicht. Ich werde sie weder bestätigen noch dementieren“, sagt der Pressesprecher des Landessportbundes NRW, Stefan Formella.

Verhältnis ist zerrüttet

Das Verhältnis zwischen dem Landessportbund und Teilen des Jugendferienwerks ist zerrüttet. In Duisburg, am Sitz des Landessportbundes, ist man sauer, dass die Diskussion öffentlich wurde. Kritiker holen zum Gegenschlag aus: Probleme mit Alkohol auf Jugendreisen hätte der Verein nie in den Griff bekommen, so eine Quelle. Und weiter: In Sozialen Netzwerken würden Betreuer schreiben, dass „sie Kinder nicht alles vorschreiben wollen“.

Die Diskussion hat sich ins Internet verlagert. In einer geschlossenen Gruppe bei Facebook tauschen sich die ehrenamtlichen Helfer aus. Sie halten die Anschuldigungen des Landessportbundes für vorgeschoben. Matthias Schmidt (Name geändert) ist seit vielen Jahren beim Jugendferienwerk NRW des Landessportbundes aktiv. Er sagt gegenüber DerWesten: „Der LSB will von seinen Fehlern ablenken. Wir haben enge Grenzen beim Alkoholkonsum gezogen. Wahr ist: Wir haben keine schwarze Liste. Jugendliche, die negativ aufgefallen sind, erhalten bei uns eine zweite Chance.“ Das Jugendferienwerk habe immer die „gesamte Bandbreite von Jugendlichen abgedeckt. Vom Professoren- bis zum Problemkind.“

Noch im Dezember keine Anzeichen vom Ende

Besonders sauer sind Betreuer wie Matthias Schmidt über den Vorsitzenden des Landessportbundes, Dr. Christoph Niessen. „Noch in seiner Weihnachtsansprache 2010 hat er nichts über die Kürzung der Fördermittel für das Jugendferienwerk gesagt. Keine vier Wochen später wurde das Aus des Jugendferienwerkes vorangetrieben“, so Schmidt. Dirk Mays, Vorsitzender des Jugendferienwerkes, nimmt den LSB in Schutz. Er sagt: „Wir sind alle von der Entwicklung überrascht worden.“

Er hofft, dass der Landessportbund den Betrieb noch bis zum 30. September dieses Jahres garantiert und finanziell unterstützt. Anderenfalls droht die Insolvenz. 15 bis 20 Reisen sollen bis dahin noch stattfinden.

Viele ehrenamtliche Helfer wollen sich mit dem Ende des Jugendferienwerkes nicht abfinden. Einige von ihnen haben am 13. Februar in Essen den „Betreuerverein Jugendferienwerk des Sports“ gegründet. „Wir wollen viele schöne und gute Traditionen fortsetzen, und Euch die hervorragende Arbeit in den Ferienfreizeiten weiterhin ermöglichen“, sagen sie im ersten Grußwort auf ihrer Homepage. Mit dem Landessportbund will man nichts mehr zu tun haben.

 
 

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