Das Hinterland Usedoms ist unbedingt der Entdeckung wert

Usedom ist auch jenseita des Meeres wunderschön.
Usedom ist auch jenseita des Meeres wunderschön.
Foto: TV
Auf der Ostseeinsel Usedom genießt man mondänes Flair und über 2000 Sonnenstunden im Jahr. Doch wer das Meer hinter sich lässt, wird staunen.

Usedom. Die Sonneninsel. Als solche wird sie bezeichnet, und es liegt ja auch irgendwie nahe bei mehr als 2000 Sonnenstunden im Jahr. Also: Ab auf die Insel, den Sommer und die Sonne genießen. Ab an den Strand: Bis zu 70 Meter breit, satte 42 Kilometer lang. Herrlich, dieses Nichtstun.

Doch so herrlich es auch sein mag im Licht zu liegen – der Rest der Insel-Schönheit könnte einem so entgehen. Schade wär’s, denn die Schönheit ist groß. Das wusste schon die feine Gesellschaft des Berlins rund um die Wende zum 20. Jahrhundert zu schätzen. Sehen und gesehen werden – Usedom bot standesgemäße Erholung von urbanem Trubel. Sogar die Kaiser kamen – Wilhelm I. und sein Enkel, Wilhelm II.

Kaiserbäder, Sandburgenbauen und großartige Natur

Und heute? Hat die Insel weiter gewonnen: Weil die Villen des deutschen Adels und Unternehmertums weiter Glanz versprühen, sich aber galant in eine Urlaubslandschaft für „dich und mich“ einfügen. Und für „uns“ gibt es reichlich zu erleben: Natürlich „Fassadenstaunen“ in den Kaiserbädern Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Natürlich Sandburgenbauen am Strand. Aber vor allem auch großartige Natur, weshalb man den deutschen Teil der Insel Usedom bis hin zur polnischen Grenze gleich zum „Naturpark Insel Usedom“ erklärt hat, der sich auf 200 Kilometern Radweg oder 400 Kilometern Wanderweg erkunden lässt. Rund 59 000 Hektar stehen für Entdeckungen zur Verfügung – sogar Stammgäste haben immer was Neues zu erleben.

Da lohnt es, auf Safari zu gehen. Nein, Löwen sind nicht heimisch auf der Ostseeinsel. Giraffen nicht und Leoparden auch nicht. Diese zugegeben nicht ganz ernst gemeinte Erwartungshaltung weiß Gunnar Fiedler schon vor dem Start zu dämpfen. Er geht mit seinen Gästen auf „Insel-Safari“, sein Vater hatte die Idee Ende der 1990er Jahre nach Usedom mitgebracht, zwei Jeeps gekauft und die Gäste durch die wilde Natur des Usedomer Hinterlands gefahren. Eine Erfolgsgeschichte. Der Fuhrpark ist angewachsen, die Zahl der Mitarbeiter auch.

Usedom als Tierparadies mit Seeadlern und Bibern

Wer eigentlich nur zum Baden kommt, dann aber doch das Meer hinter sich lässt und durchs Achterland streift, wird erstaunt sein. Usedom zählt zu den vogelreichsten Gebieten Norddeutschlands. Insgesamt wurden hier bereits über 280 Arten beobachtet. Allein elf Greifvogelarten brüten regelmäßig im Naturpark, darunter 16 Seeadlerpaare. Besonders während des Vogelzuges wird die Insel von zehntausenden Gänsen, Enten und Schnepfenvögeln besucht.

Der Fischotter besitzt auf Usedom noch einen gesicherten Bestand. Und auch der Biber hat sich in vielen Teilen der Insel wieder angesiedelt. Bei den Reptilien sind Seltenheiten wie Glattnatter und Rotbauchunke hervorzuheben. Ein kleines Highlight für Tierfreunde ist das Naturschutzgebiet des Wockninsees in der Nähe des Ückeritzer Zeltplatzes. An seinen Ufern lässt sich zuweilen die Europäische Sumpfschildkröte beobachten und fotografieren – nur wenige Exemplare gibt es noch in Deutschland.

Ungewöhnliche Wege abseits der touristischen Routen

„Sie lernen die Region an der Pommerschen Bucht, die Inseln Usedom und Wollin und das nähere Festland auf ungewöhnlichen Wegen – abseits der touristischen Hauptrouten – kennen“, kündigen Gunnar Fiedler und Co. an – und „ungewöhnlich“ ist es fürwahr: Nur selten werden die Räder des Landrovers an diesem Tag etwas berühren, das mit einer asphaltierten Straße vergleichbar wäre. Es geht mitten durch die Natur, die Wälder, Wiesen, Heide und Wasser beheimatet – und eine spannende Tierwelt, auch ohne Löwen. Immer wieder wird gestoppt für einen aufregenden Blick durchs Fernglas.

Selbst eine ausführliche Tagestour reicht nicht aus, um die ganze Insel und ihre Flora und Fauna kennen zu lernen. Da ist es gut zu wissen, dass Usedom zwar fast in Polen liegt, aber dennoch sehr gut zu erreichen ist. Mit dem Auto natürlich, mit dem Zug aber auch mit dem Flugzeug. Aus Düsseldorf, Köln (beide Eurowings) und Dortmund (airBaltic) reist man von April bis Oktober 2016 nonstop auf die Sonneninsel. Im Herbst und Winter geht es freitags und sonntags aus Köln nach Rostock-Laage, nach einer nur zweistündigen Fahrt mit dem Transferbus ist die gebuchte Unterkunft erreicht.

Ob sich das lohnt? Aber klar. Wenn die meisten der Meerschwimmer und Sandburgenbauer die Insel verlassen haben, bleibt noch mehr Raum zum Durchatmen. Gerade auch Usedoms einsame Seite lädt ein, den Alltag zu vergessen. Und die Natur kennt ohnehin keine Saison.

 
 

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