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2013 ist das Pleitejahr für Reiseveranstalter

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Essen. 

Der Einkauf von Hotelübernachtungen soll mit Gewerbesteuer belastet werden – und zwar rückwirkend ab 2008. Der Deutsche Reiseverband (DRV) schätzt die dann noch zu zahlenden Steuern auf bundesweit 1,4 Milliarden Euro. „Viele kleinere und mittelständischen Veranstalter würden Insolvenz anmelden müssen“, warnt DRV-Präsident Jürgen Büchy. TUI-Chef Christian Clemens fürchtet eine Pleitewelle und sieht Zehntausende Arbeitsplätze in Gefahr.

Das große Finale eines ohnehin schwierigen Jahres sind nun die Gerüchte über Zahlungsschwierigkeiten bei FTI, wie das Handelsblatt berichtete. Der Münchner Veranstalter dementierte zwar sofort und wittert eine von der Konkurrenz initierte Kampagne. Nicht zu leugnen ist, dass die politische Instabilität in Ägypten FTI mit großen Kontingenten am Roten Meer zugesetzt hat. Ein Rückblick auf die Pleiten des Jahres 2013.

Größte Pleite seit Jahren

Es war die größte Pleite eines Reiseveranstalters seit Jahren: Am Abend des 3. Juni hatten GTI Travel und Buchmal Reisen „ihre Tätigkeit als Reiseveranstalter mit sofortiger Wirkung“ eingestellt. Auch die Fluggesellschaft Sky Airlines hatte den Betrieb ab Deutschland eingestellt. 70 000 Urlauber waren insgesamt betroffen, rund 5000 wurden am Urlaubsort von der Insolvenz überrascht.

Doch während Pauschalreisende, die ihre Reise bezahlt, aber noch nicht angetreten hatten, über den Sicherungsschein ihre Ansprüche gegenüber dem Versicherer geltend machen konnten, dürfen sich Gläubiger des Düsseldorfer Unternehmens keine Hoffnung auf eine Quotenregelung machen: Das Insolvenzverfahren ist zwar mittlerweile eröffnet, doch die Insolvenzmasse reiche lediglich aus, „die Kosten des Verfahrens zu decken“, so ein Sprecher des Amtsgerichts der Landeshauptstadt Düsseldorf.

20 000 Urlauber betroffen

GTI Travel, Buchmal Reisen und Sky Airlines waren allesamt Tochtergesellschaften der türkischen Kayi Group mit Sitz in Antalya. GTI beschäftigte 150 Mitarbeiter. Mit zuletzt 600 000 Gäste war GTI unter den zehn größten Reiseveranstaltern Deutschlands.

Mit Glauch Reisen musste ein deutlich kleineres Unternehmen aus der Tourismusbranche am 12. September Insolvenz anmelden. Weniger schmerzhaft war der Gang vor das Gericht damit aber freilich nicht. Unmittelbar betroffen von der Pleite waren rund 20 000 Urlauber und 70 Mitarbeiter.

Ein zerstörtes Lebenswerk

Das Unternehmen aus Viersen war vor allem als Busreise-Veranstalter bekannt und darüber hinaus als Veranstalter für die Mittelmeer-Region aktiv. Eine knapp 60-jährige Geschichte ging im Spätsommer somit abrupt zu Ende, Glauch-Geschäftsführer Stefan Glauch sprach damals von einem „zerstörten Lebenswerk“.

Vor wenigen Wochen, am 26. Oktober, musste mit dem Essener Reiseveranstalter Fefa Reisen der dritte Veranstalter aus Nordrhein-Westfalen den Gang in die Insolvenz antreten. 1000 Urlauber wurden von der Pleite am Urlaubsort überrascht. Fefa war spezialisiert auf Reisen auf die Balearen, in die Türkei und ins massiv kriselnde Ägypten. Der Veranstalter war als X-Anbieter vor allem über Online-Portale buchbar, angebunden waren aber auch klassische Reisebüros. 23 Mitarbeiter in Essen sind von der Insolvenz betroffen.