Warum Hitzegewitter so schwierig vorherzusagen sind

Kein seltener Anblick am Dienstagmorgen: Baum auf dem Auto.
Kein seltener Anblick am Dienstagmorgen: Baum auf dem Auto.
Foto: Stephan Eickershoff/ WAZ FotoPool
Nach dem Unwetter in NRW, bei dem sechs Menschen starben, weist der WDR Vorwürfe zurück, man habe zu spät gewarnt. Ein Wetterexperte erklärt, warum Gewitter so schwierig vorauszusagen sind: "Sie agieren sehr kleinräumig." Minimale Temperaturunterschiede können große Wirkung haben.

Essen.. Von Bäumen zertrümmerte Autos, Äste, die mitten auf der Straße liegen, ganze Baumstämme, die Bahnschienen blockieren, Vorgärten verwüsten und die Straßen versperren. Das Schlimmste jedoch: Das Unwetter am Montagabend fordert sechs Tote.

Der heftigste Sturm seit Jahren fegt vor allem über das Ruhrgebiet hinweg. Mit weiteren derartigen Sturmböen, Regenfällen und Gewittern ist laut dem Wetterdienst Meteogroup jedoch nicht zu rechnen. Vorerst.

Das Unwetter und vor allem seine Ausmaße haben viele Menschen im Land überrascht. Im Nachhinein gab es Vorwürfe: Wurde zu spät gewarnt? Der WDR weist die Kritik, die Wetterexperte Jörg Kachelmann publikumswirksam über Twitter loswurde, zurück. „Der WDR hat am Pfingstmontag ab 6 Uhr morgens durchgehend Unwetterwarnungen und Schlechtwetterprognosen gemeldet“, so Sprecherin Kristina Bausch. Auch über Twitter, Teletext und in den Sendungen habe der WDR berichtet. „Wie nach jedem Katastrophen- oder Kriseneinsatz werden wir auch in diesem Fall nacharbeiten, was wir künftig gegebenenfalls noch besser machen können.“

Und in der Tat hatte der WDR unter anderem um 12.59 Uhr am Montag getwittert: "Heute auch wieder: Unwetterwarnung für NRW. http://bit.ly/1bz7SxU"

Dass Gewitter nicht immer vorhersehbar sind, weiß Oliver Klein vom Team der Meteogroup. Radar- und Satellitenbilder sowie die Leistung eines Computerprogramms, das Milliarden Rechenoperationen pro Sekunde erledigt, nutzen die Experten für eine möglichst präzise Wettervorhersage. „Trotz dieser Möglichkeiten ist es schwierig, Unwetter genau zu bestimmen“, so Klein. Gerade bei Gewittern sei das der Fall. „Sie agieren sehr kleinräumig.“

„Gewitter entstehen dort, wo Winde aufeinander prallen“

Ein Grund dafür, dass viele Stadtteile am Montagabend vor starker Verwüstung verschont blieben, während andere nur ein paar Kilometer weiter noch immer mit erheblichen Schäden zu kämpfen haben. Minimale Temperatur- oder Windunterschiede wie nahe gelegene Wälder begünstigen beziehungsweise verhindern Regen, Blitz und Donner.

„Gewitter entstehen dort, wo Winde aufeinander prallen“, erklärt Oliver Klein das Phänomen Unwetter. Durch das Aufeinandertreffen der Winde haben Wolken nur eine Richtung „und zwar nach oben“, in die kühlere Atmosphäre, wo sie sich schließlich entladen. Am Montagabend knallten zudem extrem unterschiedliche Stürme aufeinander. Die kühle Nordseeluft traf auf die Hitze aus dem Süden, und das direkt über NRW.

Hurrikane sind möglich

Klimaexperten wie Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimaforschung erwarten derartige Gewitter in Zukunft häufiger, sollte es noch wärmer werden. Und das scheint der Fall zu sein. „In den letzten 100 Jahren hat sich die Temperatur der Erde um rund ein Grad erhöht“, erklärt der Klimaforscher und Professor für Physik. Schuld daran sind Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan, die permanent an die Umwelt abgegeben werden.

Unwetter seien jedoch kein direktes Erzeugnis des Klimawandels, so Levermann, dennoch „eine warme Atmosphäre kann mehr Wasserdampf halten.“ Und Wasserdampf trägt viel Energie, was sich schlussendlich in Niederschlägen entlädt.

„Noch haben wir es in der Hand, etwas zu ändern“, mahnt der Forscher. „Machen wir jedoch so weiter wie bisher, erhöht sich die Erderwärmung in den nächsten 100 Jahren um weitere vier Grad.“ Und damit auch die Gefahr von Unwettern. „Die Gesellschaft muss sich entscheiden. Entweder muss sie den Ausstoß von Treibhausgasen verringern oder sich an die neuen Gegebenheiten anpassen.“

Auch die Möglichkeit von Hurrikanen, wie sie vor allem im Mittleren Westen der USA vorkommen, schließt der Forscher nicht aus. „Was auf uns zukommt, können wir aber nicht wissen.“ Daher sei es wichtig, die Erwärmung des Ozeans im Blick zu behalten, die Energiequelle der tropischen Stürme.

 
 

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