Unwetter in NRW verwüstete ganze Straßenzüge

Entsetzen bei vielen Menschen im Ruhrgebiet nach dem schweren Unwetter.
Entsetzen bei vielen Menschen im Ruhrgebiet nach dem schweren Unwetter.
Foto: Stefan Arend/WAZ FotoPool
Das schwerste Unwetter seit zehn Jahren hat am Montagabend große Schäden in NRW angerichtet. Im Laufe des gesamten Tages herrschte noch Chaos: Bäume blockieren Straßen, Unterführungen sind überflutet, der Bahnverkehr ist weitgehend eingestellt. Hier alle Infos zum Tag in der Chronik.

Essen. Am Morgen nach dem schweren Unwetter von Montagabend wird das Ausmaß der Schäden klar: Feuerwehr und THW sind im Dauereinsatz, viele Fahrbahnen sind überflutet, die Deutsche Bahn hatte den Zugverkehr über Stunden komplett eingestellt. Hier sind die Ereignisse von Dienstag in einer Chronik!

  • Aufräumarbeiten dauern wohl noch Wochen
  • Sechs Menschen sterben beim Unwetter in NRW
  • Busse und Bahnen stark eingeschränkt
  • Zu Spitzenzeiten fast 300 Kilometer Stau
  • A40, A43 und A44 teilweise gesperrt
  • Viele Schulen am Mittwoch geschlossen

19.15 Uhr: Nicht nur am Mittwoch, sondern auch am Donnerstag bleiben alle Essener Schulen aus Sicherheitsgründen geschlossen, alle städtischen Bäder und Sportanlagen ebenfalls. Die Mitarbeiter der Stadt müssen mehr als 500 Gebäude an 170 Standorten überprüfen. Die 48 städtischen Kindertagesstätten sollen am Donnerstag wieder öffnen.

19.12 Uhr: Das Sturmtief Christian hat in der Nacht zu Dienstag ganze Straßenzüge in Bochum verwüstet. Böen bis zu 140 km/h rissen selbst große Bäume nieder. Der Verkehr wurde massiv behindert. OB Ottilie Scholz: „Es war grauenhaft.“ Viele Einrichtungen sind jetzt zur Sicherheit gesperrt.

19.06 Uhr: Für die Bereiche Olsberg, Schmallenberg und Winterberg gilt derzeit die höchste Warnstufe der Unwetterzentrale in NRW. Hier kann es besonders heftige Gewitter mit Hagel und Sturmböen geben.

19.03 Uhr: Die Bahn bestätigt, dass die Zusammenarbeit mit den Taxi-Unternehmen nicht reibungslos läuft. „Es ist in der Tat vorgekommen, dass einzelne Taxifahrer unsere Gutscheine nicht akzeptiert haben“, sagt eine Sprecherin der Bahn auf Nachfrage unserer Redaktion. „Wir haben davon aus Dortmund gehört und vereinzelt auch aus anderen Gebieten.“ Warum – dafür hat die Bahn allerdings keine Erklärung. Der Taxi-Verband NRW ist zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Mit dem Gutschein können sich gestrandete Bahnkunden gratis zum Ziel fahren lassen, abgerechnet wird nachher zwischen dem Taxi-Unternehmen und der Bahn.

18.51 Uhr: Ulrike Fox erlebt, wie eine alte Roteiche in das Haus stürzt, in dem sie lebt. Die Fotodesignerin aus Gelsenkirchen-Buer dokumentiert die Katastrophe mit ihrer Kamera. Am Tag eins nach dem verheerenden Sturm ist die Bueranerin entsetzt und fasziniert gleichermaßen.

18.34 Uhr: Keine der zehn kreisangehörigen Städten kam ungeschoren davon, besonders hart getroffen hat es Castrop, Datteln, Waltrop und Recklinghausen. Gladbeck ist laut Kreis Recklinghausen vergleichsweise „glimpflich“ davongekommen. Die Leitstelle nahm rund 1400 Einsatzmeldungen auf, mehr als 1000 Kräfte kämpften gegen Sturmböen und sintflutartigen Regen. Viele Straße bleiben vorerst gesperrt.

18.25 Uhr: Wegen des Unwetters in NRW ändern Fernsehsender ihr Programm. RTL streicht die Daily Soap "Alles was zählt" und zeigt um 19.05 Uhr stattdessen die Nachrichtensendung "RTL aktuell spezial: Sturmfront über Deutschland". Das ZDF fügt um 19.20 Uhr ein "ZDF spezial" mit dem Titel "Wetterchaos in Deutschland" ein. Auch die ARD sendet um 20.15 Uhr einen 15-minütigen "Brennpunkt" mit dem Thema "Gewitterstürme über Deutschland".

Warnung von schweren Gewittern im zentralen Ruhrgebiet

18.07 Uhr: Die Suche nach dem vermissten kleinen Panda in der Zoom-Erlebniswelt in Gelsenkirchen wurde vorerst eingestellt. Nachts sei es wegen der Gewitterwarnungen zu gefährlich nach dem Tier zu suchen. Morgen soll die Suche aber wieder aufgenommen werden. Mehr Infos zur Situation in der Zoom Erlebniswelt finden Sie hier.

17.46 Uhr: Ein neues Schlechtwettergebiet zieht über Nordrhein-Westfalen auf. Der Deutsche Wetterdienst warnt deshalb weiterhin vor schweren Gewittern im zentralen Ruhrgebiet. Die Warnung gilt unter anderem für Essen, Mülheim, Bochum, Gelsenkirchen, Oberhausen und Duisburg. Heftige Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h seien ebenso möglich, wie vier Zentimeter dicke Hagelkörner. Die Warnung gilt noch bis Mittwochmorgen.

17.40 Uhr: Bis zum Nachmittag mussten Feuerwehr und Polizei in NRW 17.000 Mal ausrücken. Das vermeldet das NRW-Innenministerium. Landesweit waren demnach 14.000 Helfer von Feuerwehr und THW im Einsatz. „NRW wurde vom schlimmsten Unwetter seit rund 20 Jahren getroffen“, sagt Innenminister Ralf Jäger (SPD). Sechs Menschen kamen dabei ums Leben, 67 wurden verletzt, 30 von ihnen schwer.

Waldflächen im zentralen Ruhrgebiet vorerst gesperrt

17.28 Uhr: Das Regionalforstamt sperrt aufgrund der Sturmschäden alle Waldflächen im zentralen Ruhrgebiet. Davon betroffen sind Bochum, Bottrop, Castrop-Rauxel, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Mülheim, Oberhausen und Teile von Dortmund. Die Gefahr, dass Menschen von herabfallenden Ästen werden, sei zu groß. Durch das Verbot sollen die Bürger vor sich selbst geschützt werden. Die Wälder bleiben mindestens bis Mittwoch, 16. Juni gesperrt.

17.19 Uhr: Wegen der massiven Unwetterschäden im Ruhrgebiet hat der Regierungsbezirk Arnsberg spontane Unterstützung aus Südwestfalen angeboten. 84 Feuerwehreinsatzkräfte aus dem Märkischen Kreis (Plettenberg, Meinerzhagen, Werdohl, Nachrodt-Wiblingwerde und Iserlohn) helfen bei den Aufräumarbeiten in Essen. Auch 120 Feuerwehrleute aus Hohenlimburg, 25 Feuerwehrleute und 63 Helfer des THW aus dem Kreis Olpe sowie Feuerwehrkräfte des Sauerlandes aus Meschede und Arnsberg (mit Katastrophenschutz-Material) sind im Einsatz.

Einige Bahnstrecken in NRW bleiben bis mindestens Mittwoch gesperrt 

17.10 Uhr: Heute werden mit Sicherheit nicht mehr alle Strecken der Deutschen Bahn freigegeben. „Das ist ausgeschlossen“, sagt eine Sprecherin des Konzerns. Die Aufräumtrupps hätten bei der Sichtung der Strecken einige böse Überraschungen erlebt: „Mehrere Oberleitungs-Masten sind durch den Sturm weg geknickt.“ Diese müssten nun komplett neu gebaut werden. Deshalb könne man erst am Mittwochmorgen eine vernünftige Prognose darüber abgeben, wann die Strecken wieder befahrbar sind.

17.01 Uhr: Die Provinzial-Versicherung vermeldet eine erste Bilanz der Sturmschäden. Mehrere tausend Versicherte haben demnach bereits Schäden gemeldet. Die Provinzial-Westfalen schätzt die bisherige Schadenssume auf etwa 15 Millionen Euro, die Provinzial-Rheinland rechnet sogar mit über 20 Millionen Euro. Endgültig ist diese Zahl aber nicht. „Wir gehen davon aus, dass auch in den kommenden Tagen noch weitere Schäden gemeldet werden“, schätzt Fabian Hintzler von der Provinzial-Westfalen.

In Aachen wird es schon wieder düster

16.54 Uhr: Hagen und Hohenlimburg sind bislang vom Unwetter verschont geblieben. Allerdings spüren Autofahrer die Auswirkungen der Straßensperrungen im Ruhrgebiet. Wegen der Aufräumarbeiten an der A 40 und am Autobahnkreuz Dortmund-Nordwest weichen viele Verkehrsteilnehmer über die A 1 in Richtung A 45 (Sauerlandlinie) los. Vor dem Autobahnkreuz Hagen-Süd wird der Stau immer länger. Wer nach Hagen in die Stadt fahren will, der sollte auf der A1 in Richtung Gevelsberg die Abfahrt Hagen-Nord benutzen.

16.42 Uhr: In Oberhausen können Schüler morgen ganz normal zur Schule gehen. Auch die städtischen Kindertagesstätten öffnen regulär. Sturm- und Gefahrenstellen werden - Stand Dienstagnachmittag - rechtzeitig soweit beseitigt, dass morgen früh keine Gefahr mehr für Kinder und Jugendliche besteht.

16.33 Uhr: Die Regionalbahnen von Abellio pendeln zurzeit zwischen Hagen und Witten, da die weitere Strecke nach Essen nicht freigegeben ist. Sie muss komplett nach Schäden abgesucht werden. Zwischen Witten Hauptbahnhof und Essen wird bis zur Wiederfreigabe ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingesetzt. Abellio informiert über den aktuellen Stand auf seiner Internetseite, die allerdings seit Dienstagvormittag gestört war. Auch die von der db regio betriebene S-Bahnlinie 5 von Witten nach Dortmund ist gesperrt.

16.27 Uhr: Würde eine ländliche Region weniger stark unter einem Unwetter wie am Montagabend leiden? Ja, sagt Dr. Monika Steinrücke von der Ruhr-Uni Bochum. „Städte sind besonders verwundbar für extreme Wettereignisse.“ Demnach ist die Infrastruktur in dicht besiedelten Gebieten besonders anfällig. „In ländlichen Gebieten hätte es vermutlich lediglich für einige Stunden überschwemmte Straßen und einige Waldschäden gegeben“, schätzt Steinrücke.

Deutsche Bahn kann nicht abschätzen, wann die Schäden behoben sind

16.19 Uhr: Die Deutsche Bahn kann immer noch nicht abschätzen, wann das Schienennetz in NRW wieder komplett befahrbar sein wird. „Wir haben 4900 Kilometer Schiene. Die zu überprüfen dauert ziemlich lange“, sagt eine Bahn-Sprecherin. Man arbeite mit Hochdruck daran, alle Strecken zu reparieren. Trotzdem sind folgende RE-Strecken weiterhin gesperrt: Dortmund-Köln, Dortmund-Duisburg, Münster-Essen und Essen-Wuppertal. Auch viele S-Bahn-Linien fallen immer noch aus. Weitere Infos finden Sie auf der Website der Deutschen Bahn.

Sperrung der A40 bei Mülheim wird Dienstag nicht mehr aufgehoben 

16.14 Uhr: Die Schulen und Kindertagesstätten in Mülheim bleiben Mittwoch geschlossen. Zunächst muss beurteilt werden, wie stark die Gefahr an den jeweiligen Einrichtungen ist - dies konnte die Stadt durch den heutigen Ferientag noch nicht abschließend feststellen. Auf der städtischen Homepage können betroffene Eltern nachlesen, welche Schulen und Tagesstätten ab wann wieder geöffnet haben.

16.08 Uhr: Am Essener Hauptbahnhof geht immer noch nichts. Es warten hunderte Menschen in glühender Hitze auf ein Taxi. Es läuft zwar alles sehr geordnet, die Bahn sortiert die Menschen nach ihren Zielorten. Aber die Wartenden gehen davon aus, dass sie noch zwei Stunden warten müssen.

16.04 Uhr: Straßen NRW glaubt nicht, dass es im Feierabendverkehr zu einem Verkehrschaos kommt. „Es wird nicht so voll wie heute morgen“, schätzt Straßen-NRW-Sprecher Bernd Löchter. Viele Arbeitnehmer seien heute ohnehin zuhause geblieben.

15.53 Uhr: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt aktuell vor einem starkem Gewitter im gesamten Kreis Kleve. Sturmböen von Geschwindigkeiten mit bis zu 85 Stundenkilometer seien möglich, ebenso Starkregen und Hagel. Örtlich könne es sogar zu Blitzeinschlägen kommen. Die Warnung gilt bis 17:30 Uhr.

Sperrung der A40 bei Mülheim wird Dienstag nicht mehr aufgehoben

15.46 Uhr: Die Sperrung der A40 in Fahrtrichtung Dortmund wird heute wohl doch nicht mehr aufgehoben. Straßen NRW rechnet damit, dass die Aufräumarbeiten zwischen Mülheim-Dümpten und Mülheim-Heißen noch bis Mitternacht andauern werden. Die A540 bei Grevenbroich in Richtung Köln bleibt sogar noch bis Donnerstag gesperrt. Auf der A3 bei Ratingen hingegen entspannt sich die Lage langsam. Zwei Fahrstreifen in Richtung Köln sind wieder frei gegeben, der dritte soll in wenigen Stunden folgen

15.39 Uhr: „Mein besonderer Dank geht an alle Einsatzkräfte und die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die seit Dienstagabend unermüdlich an den Aufräumarbeiten beteiligt sind und die gröbsten Schäden beseitigen“, das erklärte in einer nach dem Gewittersturm kurzfristig anberaumten Pressekonferenz heute Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski. „Die Schäden sind so umfassend, dass es Tage dauern wird, bis die gefährlichsten Hindernisse aus dem Weg geräumt sind. Es hat mich besonders gefreut, dass viele Gelsenkirchener selbst Hand angelegt und in Nachbarschaftshilfe erste Unterstützung geleistet haben."

15.28 Uhr: Heute Abend droht NRW schon das nächste Unwetter. Derzeit befindet sich die aufziehende Schlechtwetterfront allerdings noch über Belgien und Nordfrankreich. „Die kommenden zwei Stunden sollte es noch ruhig bleiben“, sagt Oliver Klein von der Meteo-Group. Dann drohen erneut heftige Gewitter und Hagel: „Ein derart flächendeckendes Gewitter mit schweren Orkanböen wie am Montagabend wird es aber wohl nicht werden“, sagt Klein.

Am Essener Hauptbahnhof spitzt sich die Lage bei den Wartenden zu 

15.19 Uhr: Am Essener Hauptbahnhof spitzt sich die Lage zu. Die Deutsche Bahn hat Taxischeine an ihre Kunden verteilt. Damit dürfen sich die Passagiere, die auf dem Schienenweg nicht ans Ziel kommen, mit dem Taxi dorthin bringen lassen. Das Problem: Viele Taxifahrer weigern sich, auf die A40 zu fahren, weshalb Fahrgäste, die nach Duisburg oder Bochum müssen, feststecken. Die Deutsche Bahn verteilt Wasserflaschen, die Mitarbeiter fürchten, dass die Passagiere in der Hitze und bei diesem Stress Kreislaufbeschwerden bekommen könnten.

15.13 Uhr: Nicht nur die Deutsche Bahn hat große Probleme ihr Streckennetz zu reparieren. Auch private Bahnbetreiber mussten den Verkehr auf mehreren Linien einstellen. So fahren bei der Nordwest-Bahn derzeit keine Züge auf den Linien RB 36 (Oberhausen – Duisburg-Ruhrort), RB 43 (Dortmund – Dorsten) und RB 44 (Dortmund – Dorsten). Auch bei der Regio-Bahn und der Eurobahn gibt es Probleme.

15.07 Uhr: Keine Toten, keine Verletzten, Gott sei Dank“, meldet der Lagedienst der Feuerwehr in Bottrop. Inzwischen wird die Feuerwehr von Kräften aus Borken unterstützt, die sie am Morgen bei der Bezirksregierung angefordert hatte. Im Stadtgarten hat ein gestürzter Baum das denkmalgeschützte Torhaus beschädigt.

15.00 Uhr: Die Suche geht weiter. Einer der insgesamt zwei kleinen Pandas in der Zoom-Erlebniswelt in Gelsenkirchen wird immer noch vermisst. Das zweite Tier wurde mittlerweile medizinisch versorgt und liegt in der Veterinärstation des Zoos. In sein Gehege kann der Kleine Panda nicht zurück – es ist völlig zerstört. Mehr zur Situation in der Zoom-Erlebniswelt lesen Sie hier.

14.47 Uhr: Nach dem schweren Unwetter fallen Müllabfuhr und Straßenreinigung in Essen am Dienstag aus: Die Fahrzeuge können den Hof nicht verlassen, weil zahlreiche alte Platanen auf der Pferdebahnstraße quer liegen. Am Recyclinghof Werden ist die Zufahrt versperrt und der Hof geschlossen, ebenso an der Annahmestelle Pferdebahnstraße. Die restlichen Recyclingstationen sind aber geöffnet. Ab Mittwoch kann die Müllabfuhr wohl wieder fahren, schätzen die Entsorgungsbetriebe Essen (EBE). Mitarbeiter von Müllabfuhr und Straßenreinigung sollen ihren Dienst bereits um 6 Uhr morgens beginnen.