Ungeplanter Inzest-Nachwuchs bei den Tigern im Kölner Zoo

Die Tigerin "Hanya" ist erneut Mutter von drei Jungen geworden. Vater der Tiere ist ihr Sohn "Jegor", der hier noch 2012 mit seinen Geschwistern "Mila" und "Finja" zu sehen ist.
Die Tigerin "Hanya" ist erneut Mutter von drei Jungen geworden. Vater der Tiere ist ihr Sohn "Jegor", der hier noch 2012 mit seinen Geschwistern "Mila" und "Finja" zu sehen ist.
Foto: dpa
Eine Tigermutter hat im Kölner Zoo drei Junge zur Welt gebracht, die sie mit ihrem eigenen Sohn zeugte. Der Zoo zeigt sich von der Geburt völlig überrascht – offenbar hat er mit der frühen Geschlechtsreife des Tieres nicht gerechnet. Die Geschichte der Tiger-Familie scheint fast schon tragisch.

Essen. Eigentlich berichten Zoos gerne darüber, wenn ihre Tiere Nachwuchs auf die Welt bringen. Tierbabys sind Besuchermagneten und sorgen für jede Menge süße Fotos. Über die frischen Jungen bei seinen Sibirischen Tigern ist der Kölner Zoo allerdings selbst nicht sehr glücklich – denn geplant war es nicht, dass die Dame "Hanya" Jungtiere gebärt; zumindest nicht mit ihrem anderthalbjährigen Sohn "Jegor".

Der Zoo hatte nach eigenen Angaben alles in die Wege geleitet, um genau das zu verhindern. Vater Jegor ist schon vor Bekanntwerden der Schwangerschaft in einen anderen Zoo umgezogen. Am vergangenen Samstag sind dennoch drei bislang namenlose Junge zur Welt gekommen. Fast schon tragisch: Jegors Vater ist der Tiger, der im vergangenen Jahr eine Kölner Tierpflegerin getötet hatte.

Schwangerschaft schwer zu erkennen

"Diese Schwangerschaft war von uns weder gewünscht noch vorhersehbar", wird Direktor Theo Pagel in einer Mitteilung des Zoos zitiert. Bei männlichen Sibirischen Tigern setze die Geschlechtsreife normalerweise mit zwei bis dreieinhalb Jahren ein. Jegor sei aber offenbar schon mit weniger als anderthalb Jahren zeugungsfähig gewesen. Dennoch stellt sich die Frage: Hätten die Pfleger nicht erkennen müssen, was sich dort anbahnt?

"Nein", sagt Zoodirektor Pagel. Damit habe man nicht rechnen können – eine vergleichbar frühe Geschlechtsreife sei bisher aus keinem europäischen Zoo bekannt. "Hanya" habe zudem nicht die üblichen Anzeichen einer bevorstehenden Geburt gezeigt: "Die Mutter frisst weniger. Sie zieht sich zurück. Die Zitzen schwellen an", zählt Zoologe Dr. Alexander Sliwa auf. Am Leibesumfang dagegen sei eine Schwangerschaft nur schwer zu erkennen. "Die Jungtiere wiegen ziemlich wenig. Ihre Masse entspricht ungefähr einer Portion von fünf bis sechs Kilogramm Fleisch", sagt der Experte. Bei einem Gewicht von 150 Kilogramm falle das kaum auf.

In der Natur nicht selten Inzucht

In der freien Wildbahn ist Inzucht bei Tigern nicht ungewöhnlich. Und auch bei anderen Tieren kommt es immer wieder vor, dass Verwandte zusammen für Nachwuchs sorgen. Tiger verfügen über keine natürlich "Inzuchtsperre", wie es zum Beispiel bei Menschenaffen der Fall ist.

Der Vater der Kölner Tiere wurde schon Ende Juli in einen Münchner Zoo transportiert – um zu vermeiden, dass er noch in Köln geschlechtsreif wird. Ob die von ihm gezeugten Tiere durchkommen, ist noch unklar. Aber bisher geht es den Kleinen offensichtlich gut. "Sie wirken auf den ersten Blick vital und gesund", so Sliwa – auch er bekommt den Nachwuchs jedoch nur per Überwachungskamera zu sehen. Fotos existieren nicht. Für ein Zuchtprogramm werden sie voraussichtlich nicht eingesetzt. Sobald sie ausgewachsen sind, werden sie an andere Zoos vermittelt.

Die möchten die Geschehnisse in Köln nicht kommentieren. Nur so viel: Einige Tiere hätten eher genetische Defekte, andere weniger, heißt es zum Beispiel aus dem Allwetterzoo Münster. Bei Geparden würde sich das beispielsweise nur selten bemerkbar machen - bei bestimmten Esel-Arten dagegen schon. Und die Tigerbabys? "Nach aktuellem Stand kann ausgeschlossen werden, dass die Tiger einen genetischen Defekt aufweisen", sagt der Zoo Köln. Ob es wirklich so ist, wird sich zeigen.

 
 

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