Shisha-Cafés droht wegen Rauchverbots in NRW das Aus

Die Hagener Shisha Bar "Tadum deluxe". Die beliebten Wasserpfefen sind auch vom neuen Nichtraucherschutzgesetz betroffen.
Die Hagener Shisha Bar "Tadum deluxe". Die beliebten Wasserpfefen sind auch vom neuen Nichtraucherschutzgesetz betroffen.
Foto: Michael Kleinrensing
Die rot-grüne Landesregierung will ab Mai 2013 das Rauchverbot in Gaststätten verschärfen. Das betrifft auch die Shisha-Cafés und die dortigen Wasserpfeifen. Eine Reportage aus einem Studentencafé in Essen.

Essen. Das Geräusch ist angenehm. Sehr entspannend eigentlich. Dieses sanfte Blubbern in der „Vase“. Und Fatih Ücüncü (26) gleich neben der Wasserpfeife ist auch sehr relaxt, gerade wenn man die Sprengkraft des Themas bedenkt, um das es gerade geht: Die Verschärfung des Rauchverbots in Gaststätten in NRW. „Wenn das Gesetz zum 1. Mai kommt, dann bedeutet das für mein Geschäft hier den Tod. Wahrscheinlich. Dann werden wir unser Shisha-Café wohl schließen müssen. Oder es fällt uns was ein...“

Die Zukunft der „RememBAR“ in Essen ist in der Tat bedroht. Wenn das neue Nichtraucherschutz-Gesetz in Nordrhein-Westfalen am 1. Mai 2013 in Kraft tritt, soll es keinerlei Ausnahmen mehr geben, das betonte jetzt nochmals ein Sprecher des Gesundheitsministeriums gegenüber der NRZ. Auch nicht für die Shisha-Bars, von denen es im Lande immerhin einige hundert gibt.

70 Prozent Studenten

Die „RememBAR“ liegt gleich in der Nähe der Universität, keine zwei Minuten Fußweg, 70 Prozent der Gäste sind also auch Studenten. Sie kommen zwischen den Vorlesungen auf ein Pfeifchen über die Straße, sitzen in kleinen Gruppen in fetten Sesseln um die Tische gegossen, reden, trinken einen Coconut-Kiss, den beliebtesten Cocktail des Ladens, der wie alle anderen Drinks keinen Alkohol enthält.

Fatih erklärt: „Das hat nicht so viel mit Religion zu tun, sondern mit dem Umstand, dass Shisha und Alkohol nicht gut zueinander passen.“ Er muss grinsen: „Ich hab sogar schon erlebt, dass Angetrunkene, die dann an der Shisha gezogen haben, einfach umgekippt sind. Deshalb sind unsere Cocktails ohne. Wobei wir unter den neuen Bedingungen überlegen müssen, ob wir nicht eine Schanklizenz beantragen.“

Essen und Rauchen zusammen nicht erlaubt

Fatih überlegt. „Oder wir bieten wieder Speisen an. Das haben wir bis vor gut einem halben Jahr gemacht, dann aber gestoppt, um den Regeln zu entsprechen, weil Essen und Rauchen ja nun mal zusammen nicht erlaubt waren.“ Er macht eine kurze Pause, kalkuliert und sagt: „Es sind natürlich überwiegend Studenten, die geben nicht viel aus, weil sie nicht viel haben.“ Deshalb bietet er auch bei den Shishas einen Studi-Rabatt an: 4,50 statt sechs Euro kostet die Pfeife.

Er selbst ist auch Student. „Auf Lehramt. Das Café hat mir das Studium ein bisschen mitfinanziert. Vor zwei Jahren habe ich es übernommen, 35 000 Euro hat das mit dem Umbau gekostet, allein die Theke für 1500 Euro. Da zahlt man lange dran ab. Ich überlege schon seit einiger Zeit, einfach zu verkaufen.“

Lange Kulturgeschichte

Die Pfeife blubbert erneut, man lehnt sich automatisch zurück. „Es geht doch in erster Linie ums Chillen. Die Gemeinsamkeit. Die Shisha-Cafés haben eine lange Kulturgeschichte. Ich meine, der Name ist doch Programm. Wer geht in einen Shisha-Laden, wenn er nicht eine Shisha rauchen will. Wen will das Gesetz da schützen... Versteh ich nicht.“

Das geht seinen Gästen ähnlich. Dean, Burco und Aylin sind 20 und studieren nebenan. Sie finden das baldige Aus für die „RememBAR“ nicht witzig. Dean erklärt: „Ich habe nichts gegen das Rauchverbot allgemein. Ich bin selbst Nichtraucher, also ich rauche keine Zigaretten oder so. Aber so eine Shisha... ich verbinde das zunächst mit orientalischer Kultur. Ich sitze hier gerne mit Kommilitonen. Und wen stört das, frage ich mich...“ Aylin ergänzt. „Ich würde das Gesetz rückgängig machen, wenn ich was zu sagen hätte.“ Sie stutzt, lächelt. „Leider habe ich nichts zu sagen. Deshalb müssen wir in Zukunft dann wohl immer zu Hause rauchen.“

Gericht in Bayern erlaubt tabakfreie Shisha

Vielleicht auch nicht. Denn ausgerechnet aus Bayern, der Mutter aller Rauchverbote, dringt ein Lichtlein durch den dunklen Qualm. Frank Mansori, Wirt der Millennium-Shisha-Bar in München, ist vor Gericht gezogen und hat Recht bekommen. In seiner Bar darf die Wasserpfeife wieder pfeifen - so lange kein Tabak verbrannt wird. Mansori bietet Ersatzstoffe an. Und das Verwaltungsgericht München folgte seiner Argumentation. Ein Tabakverbot kann eben nur Tabak verbieten.

Fatih, unser Wirt in Essen, ist dennoch skeptisch. „Klar kann man Ersatz wie diese Shiazo-Steine nehmen.“ Er greift nach einer Schachtel und gewährt eine Duftprobe. „Die riechen noch ganz gut, aber einem Raucher schmecken die nicht.“ Sein Kollege in München ist anderer Meinung: „Wir bieten die Steine oder getrocknete Früchte an. Ganz ohne Tabak. Man schmeckt keinen Unterschied. Es geht doch um Psychologie. Die Leute wollen nach dem Essen zusammensitzen und dampfen.“ Und natürlich auch das Blubbern hören.

 
 

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