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Bahn: RRX in Gefahr? Anwohner haben schlimmen Verdacht

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Foto: dpa

Der RRX hat alles, was man als Pendler von einem modernen Zug erwarten kann. Sprich: Der Zug hat vieles von dem, was all den anderen Zügen der Bahn fehlt: Eine funktionierende Klimaanlage, eine ausreichende Zahl an Sitzplätzen, funktionierendes Wlan – und die Zugbegleiter sind meist noch freundlicher, als man das sonst so als Bahnkunde gewohnt ist.

Allerdings hat der RRX auch ein Problem. Das hat wenig mit dem Zug selbst zu tun, sondern vielmehr mit der Strecke der Bahn, auf der er fährt. Denn die dürfte es eigentlich gar nicht geben, sagen jetzt Anwohner aus Angermund.

Bahn: RRX-Strecke ist nicht dafür ausgelegt

Aber der Reihe nach: Der Rhein-Ruhr-Express, dafür steht die schicke Abkürzung RRX, soll zigtausende Pendler durch NRW fahren, Bahnstrecken und Straßen entlasten. Nur ist die Strecke zwischen Dortmund und Düsseldorf dafür noch nicht ausgelegt.

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Mittelfristig soll der Zug alle 15 Minuten fahren. Doch das Schienennetz bietet noch gar keinen Platz für die neuen Züge.

Nur zwischen Köln und Duisburg wird die Bahnstrecke ausgebaut. Zwischen Dortmund und Duisburg hingegen teilen sich immer noch die Fernverkehrszüge und die Regionalzüge die vier alten Bahngleise.

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Bahn: RRX

  • Der Rhein-Ruhr-Express soll den Pendlerverkehr durch dichtere Taktung entlasten
  • Gesamtkosten des Projekts: Rund 2 Mrd. Euro

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Schon jetzt passiert es immer wieder, dass der RRX warten muss, damit ein ICE ihn überholen kann – genau das sollte ja eigentlich nicht passieren. Deswegen soll auch diese Hauptschlagader zwischen Rheinland und Ruhrgebiet angepasst werden.

RRX-Ausbau: „Die Situation ist unhaltbar“

Doch schon jetzt ist der Lärm für Anwohner der Strecke erheblich. „Die Situation ist unhaltbar“, sagt Elke Wagner aus Düsseldorf-Angermund. Seit Jahren versucht die Vorsitzende der „Initiative Angermund“ die Bahn dazu zu bewegen, den Lärmschutz zu verbessern.

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Ohne Erfolg. Jetzt klagte die Initiative vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf. Der Verdacht: Die Strecke – eine der meistbefahrenen Bahnstrecken Europas – ist eigentlich illegal. Ein Schwarzbau.

Ist die Bahnstrecke ein Schwarzbau?

Dass die 1845 gebaute Bahnstrecke nach heutigen Maßstäben zu laut ist, bestritt in der Verhandlung niemand. Die gemessenen Lärmwerte von 69 Dezibel tagsüber und 63 nachts seien „beachtlich“, sagte Richter Andreas Hake am Verwaltungsgericht.

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Doch der Gesetzgeber habe Altanlagen von den Grenzwerten ausgenommen. „Da fällt alles hinten rüber, was vor 1974 entstanden ist“, sagte Hake und zeigte Verständnis für die Klägerseite. „Dass dies für die betroffenen Anwohner eine unbefriedigende Situation ist, das ist klar“.

Nur: Wenn die Strecke ein Schwarzbau ist, kann sich die Bahn nicht auf den Bestansschutz berufen, so das Argument von Kläger-Anwalt Clemens Antweiler. Trotz intensiver Suche seien die seit 1845 notwendigen Genehmigungen nie aufgetaucht.

Kaiser Wilhelm fuhr auch mal mit dem Zug …

Richter Hake ließ das nicht gelten. Die 1845 gebaute Strecke sei ein zentrales Infrastrukturprojekt Preußens gewesen und sogar Kaiser Wilhelm habe die Eisenbahn mit „großem Bahnhof“ genutzt. Daher sehe er für die Annahme, es handele sich um einen Schwarzbau, „keine Grundlage“.

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„Die Klage hat also keinen Erfolg, weil Kaiser Wilhelm mit der Bahn gefahren ist“, bemerkte Anwalt Clemens Antweiler daraufhin spöttisch. Er hatte bereits zu Prozessbeginn einen Befangenheitsantrag gegen den Richter gestellt. Auch die verschiedenen nachträglichen Ausbaustufen seien nicht genehmigt gewesen, argumentierte Antweiler.

Bahn: Lärmschutzwände fehlen

Sollte die Klage Erfolg haben, könnte sich der Ausbau der RRX-Strecke zumindest verzögern – es sei denn, die Bahn rüstet kurzfristig beim Lärmschutz nach.

Das steht seit Jahrzehnten aus. Die Anwohner der Trasse fühlen sich seit 40 Jahren hingehalten, weil in Aussicht gestellt Lärmschutzwände noch immer nicht gebaut sind und seither der Verkehr auf der Trasse massiv zugenommen hat. Nun stehe auch noch der Ausbau der Strecke auf sechs Spuren für den Rhein-Ruhr-Express an. Die Anrainer machen sich für eine aufwendige Tunnellösung stark. (mit dpa)