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Polizeihunde beim Training mit Elektroschocks gequält?

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"Ein Hund ist keine Waffe": Rund 300 Polizeihunde versehen in Nordrhein-Westfalen ihren Dienst. Foto: Lars Heidrich
Das Polizeipräsidium Köln prüft, ob Diensthunde in einer privaten Schule im Münsterland mit unerlaubten Methoden abgerichtet wurden.

Köln/Münster. 

Unruhe bei den Hundeführern der Polizei in Nordrhein-Westfalen: Von aggressiven Trainingsmethoden, manipulierten Prüfungen, Rudelbildung und Mobbing ist die Rede. Das Präsidium in Köln hat sechs Hundeführer vorläufig in den Wach- und Wechseldienst versetzt. In Münster darf ein Beamter, der auch eine auf Diensthunde spezialisierte private Hundeschule betreibt, angehende Hundeführer nicht mehr begleiten und prüfen. Das Präsidium dort prüft disziplinarrechtliche Schritte gegen den ehemaligen SEK-Mann.

„Ein Hund ist keine Waffe“, hat Dieter Schmidt, Präsident des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) ausdrücklich klargestellt. Beamte und Tiere müssten „mit Angst und Aggression souverän umgehen“ können. Das LAFP betreibt im westfälischen Schloß Holte-Stutenbrock eine zentrale Schule, wo Hunde und Hundeführer der NRW-Polizei in diesem Sinne ausgebildet werden.

Training angeblich mit Elektroschocks

Abseits davon hat sich jedoch ein privater Markt herausgebildet. So hat der Münsteraner Beamte in seiner Schule Beamte und deren Tiere privat weiter trainiert. Er soll sich an amerikanischen Polizeihunden orientieren und überzeugt sein, dass die Tiere härter angefasst werden müssen, um dann zupackender zu sein.

Angeblich sollen beim Training der Hunde Elektroschocks und Stachelhalsbänder zum Einsatz gekommen sein. „Wir untersuchen das zurzeit“, betonte ein LAFP-Sprecher auf NRZ-Nachfrage. Mit den Ausbildungsvorgaben der NRW-Polizei lassen sich Elektroschocks und Stachelbänder jedenfalls nicht vereinbaren. Sie wären auch ein Verstoß gegen den Tierschutz.

Ins Rollen gekommen waren die internen Untersuchungen, weil der Beamte Anhänger um sich geschart hatte und diese auch bei den Hundeprüfungen begünstigt haben soll. Dem Vernehmen nach sollen Prüffragen vorab weitergereicht worden sein. Bei Kölner Beamten, die die private Hundeschule bei Münster besucht hatten, ging die Begeisterung soweit, dass sie in ihrer Heimatbehörde aggressiv für die Trainingsmethoden geworben haben. „Harte Hunde“ gegen vermeintliche „Weicheier“– die Hundeführer im Präsidum in der Rheinmetropole sollen in zwei Fraktionen zerfallen, das Arbeitsklima völlig vergiftet gewesen sein.

Hundeführer wurde vorläufig versetzt

Bizarre Blüte in dem Streit: Die Fraktion der „Harten Hunde“ nähte sich verbotenerweise „K-9“-Aufnehmer auf Uniformen. „K-9“ ist der umgangsprachliche Begriff für Polizeihunde in den USA und soll für die in der privaten Schule erlernten Methoden stehen.

Insider lobten gestern gegenüber der NRZ, dass die Behörden nach Bekanntwerden der Vorwürfe umfänglich reagiert haben. In Köln wurden Hundeführer vorläufig versetzt. In Münster ist der Beamte von seinen Aufgaben bei der Hundeausbildung entbunden. Umfassend untersucht wird, wie sich seine private Schule mit der Arbeit als Polizeibeamter verträgt. Sie war als Nebentätigkeit genehmigt gewesen. Unklar ist, ob sich auch Hundeführer aus anderen Polizeibehörden für robuste Trainingsmethoden begeistert haben. Bislang, so der LAFP-Sprecher, gebe es darauf keine Hinweise.