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Opfer wurde seit Monaten bedroht

Münster. 

Die am Freitag bei einem Beziehungsdrama in Münster getöte Frau war Opfer monatelanger Nachstellungen des Täters. Der Polizei lagen zwei entsprechende Anzeigen der Frau gegen den 33-Jährigen vor. Noch am 29. Dezember, fünf Tage vor der Tat, hatte sich die 30-jährige Frau an die Polizei gewandt und von einer Bedrohung mit einer Waffe gesprochen. Gesehen hatte sie diese aber nie. Entsprechende Medienberichte bestätigten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch.

Die Frau war am Freitag in ihrem Auto durch Schüsse getötet worden. Anschließend erschoss sich der Täter selbst. Nach ersten Ermittlungen hatte der Mann die Trennung von der Frau nicht verwunden. Die Staatsanwaltschaft prüft nach Angaben von Behördensprecher Heribert Beck, ob es einen Anfangsverdacht einer Straftat bei der Polizei gibt. Generell sei die Staatsanwaltschaft über die Bedrohungslage informiert gewesen, so Beck, „wir wussten allerdings nichts von der erneuten Kontaktaufnahme am 29. September. Ein Fehlverhalten sehe ich bisher nicht. Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen.“

Tatwaffe stammt aus Einbruch

Polizeisprecher Andreas Bode bestätigte am Mittwoch den wiederholten Kontakt zwischen der Frau und der Behörde. „Es lagen zwei Anzeigen der Frau vor. Und zwar wegen Bedrohung, Beleidigung und übler Nachrede. Es gab aber keine körperlichen Übergriffe“, sagte Bode. Aber der Mann habe großen Druck ausgeübt. So hatte er seine ehemalige Freundin an einem Tag gleich 50- mal angerufen.

Da der Täter seit Mai 2013 keinen festen Wohnsitz hatte, war er nur per Handy zu erreichen. „Wir haben ihn zweimal mit einer sogenannten Gefährdungsansprache ermahnt, die Frau in Ruhe zu lassen. Für ein durch das Amtsgericht ausgesprochenes Annäherungsverbot hätte die Frau selbst aktiv werden müssen“, betonte Bode. Dies sei aber nicht geschehen.

„Die Suche nach einer Waffe war bei dem Mann ohne festen Wohnsitz schwierig“, sagte der Polizeisprecher. Die Tatwaffe stammte aus einem Einbruch in Hessen im Jahr 2004. Wie der 33-Jährige an diese Waffe kam, ist laut den Ermittlern noch unklar.

Pro Jahr gehen bei der Polizei in Münster nach eigenen Angaben rund 150 Anzeigen wegen Stalkings ein. Jeder Fall werde einzeln geprüft. Verbrechen wie die vom vergangenen Freitag seien aber nicht vorhersehbar, bekräftige der Polizeisprecher.