Krefelder Hells Angels feiern Rocker-Überläufer von Bandidos

„Gute Jungs“: Krefelder Hells Angels mit den Neuankömmlingen vor dem Szenetreff „Route 81“.
„Gute Jungs“: Krefelder Hells Angels mit den Neuankömmlingen vor dem Szenetreff „Route 81“.
Foto: MM
Zahlreiche Mitglieder der Bandidos sind in Krefeld zu den verfeindeten Hells Angels übergelaufen - ein solcher Wechsel gilt in der Szene als Tabubruch. „Diese Leute verstoßen gegen alle Regeln“, so ein Bandidos-Sprecher. Die Polizei ist alarmiert.

Krefeld.. Mit großem Hallo haben Rocker der Hells Angels in der Nacht zu Freitag Überläufer aus den Reihen der verfeindeten Bandidos bei sich in Krefeld begrüßt. Die örtliche Niederlassung scheint sich sich zur Machtzentrale der Hells Angels am Niederrhein zu entwickeln. Ein massives Polizeiaufgebot begleitete das Rockertreffen in der Szenekneipe „Route 81“ am Rande der City. Der Wechsel von einem Rockerclub zum anderen gilt in der Szene als Hochverrat. Beobachter fürchten deshalb neue gewalttätige Zusammenstöße. „Wir werden keine rechtsfreien Räume dulden“, versicherte ein Polizeisprecher.

Die Polizei nimmt den Wechsel sehr ernst. Krefelds Behördenchef Rainer Furth machte sich Freitag vor Ort ein Bild. Die Hells Angels hatten sich in Krefeld erst vor anderthalb Jahren formiert, sollen bisher 30 Mitglieder stark gewesen sein. Über die Zahl der Übertritte jetzt gibt es unterschiedliche Angaben. Bei den Hells Angels ist die Rede von 30 Bandido-Mitgliedern und 70 Unterstützern, die sich nun als „Anwärter“ bewähren müssten. Der Krefelder Angels-Präsident sprach von „guten Jungs“. Die Bandidos spielten den Wechsel herunter: Lediglich 15 Überläufer und einige Unterstützer hätten sich den Angels angeschlossen. Die meisten Überläufer seien erst Anwärter bei den Bandidos gewesen.

Rocker lebensgefährlich verletzt

Fest steht: Mit Ramin Y. ist auch eine Szenegröße gewechselt. Der 24-Jährige war Chef bei den Leverkusener Bandidos, die sich im August aufgelöst hatten und damit womöglich einem Verbot zuvorkamen. Seither war Y. einer der Anführer der Gruppe „Westgate“, die Bandidos-Mitglieder zwischen Leverkusen, Oberhausen und Kleve vereinte. Dass ausgerechnet er nun wechselt, sorgt für einige Überraschung: Noch Anfang des Jahres soll er in Mönchengladbach auf einen Hells Angel eingestochen und ihn lebensgefährlich verletzt haben. Die Polizei ermittelt noch.

Die Bandidos hat der Wechsel offenbar überrascht: „Einige dieser Leute hatten sich noch vor zwei Tagen neue Kutten machen lassen“, erzählte Bandidos-Sprecher Michael der NRZ. Der Wechsel sei ein Tabubruch – „diese Leute verstoßen gegen alle Szeneregeln“. Die zurückgegebenen Kutten der Überläufer habe man verbrannt: „Die will keiner mehr tragen.“

 
 

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