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Illegale Greifvogel-Falle bei Jagdfunktionär entdeckt

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Foto: Kommitee gegen den Vogelmord
Die Polizei im Kreis Warendorf hat ein Strafverfahren eingeleitet. Naturschützer machen Druck auf den Jagdverband.

Kreis Warendorf. 

Die Polizei hat mithilfe von Vogelschützern bei einem 61-jährigen Jäger in einem münsterländischen Dorf bei Sendenhorst eine illegale Greifvogelfalle und mehrere Lebendfallen entdeckt. Pikant: Bei dem Mann handelt es sich offenbar um einen Funktionär des Landesjagdverbandes (LJV), einen Beisitzer im Präsidium. Die Polizei leitete ein Strafverfahren ein.

Beim Jagdverband gab man sich kurz angebunden: „Die Angelegenheit ist Sache der zuständigen Behörden“, erklärte ein Sprecher gestern auf NRZ-Nachfrage. In der Sache verfüge man über keine eigenen Erkenntnisse, könne daher nichts sagen. Für den LJV kommt der Vorfall zur Unzeit: Mit markigen Worten hatte Präsident Müller-Schallenberg vor wenigen Tagen Umweltminister Remmel kritisiert, weil leitende Förster des Landes bei Paderborn tierschutzwidrig gejagt haben sollen. Auch in dem Fall ermittelt die Polizei; der Landesbetrieb Wald & Holz bestreitet die Vorwürfe.

Den 61 Jahre alten Jäger trafen Polizisten und Aktivisten des „Komitees gegen den Vogelmord“ nach einem Hinweis auf dessen Pachtgrundstück in der Bauernschaft Storp. Berichten zufolge hatte er einen toten Fasan in der Hand – mutmaßlich ein Köder für den verbotenen Habichtkorb, der auf einer kleinen Insel in einem Ententeich platziert war. Greifvögel stehen unter strengem Naturschutz. Es drohen hohe Geldstrafen und bis zu fünf Jahre Haft.

„Ganzes Füllhorn an Verstößen“

„Wir haben ein ganzes Füllhorn von Verstößen festgestellt“, berichtet Sprecher Axel Hirschfeld vom Komitee. So habe es auf dem Grundstück eine Großvoliere mit 50 Fasanen gegeben, die laut Hirschfeld so nicht mehr hätten gehalten werden dürfen. Zudem seien die ebenfalls auf dem Grundstück entdeckten Lebendfallen (z. B. für Marder) nicht verblendet und damit eine Gefahr für andere Tiere gewesen.

Heinz Schwarze, der Präsident des Komitees gegen den Vogelmord, forderte den Jagdverband auf, den 61-Jährigen bis zur Klärung des Falles von allen Ämtern freizustellen. Der Naturschutzbund geht noch weiter: Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müsse das gesamte Präsidium des Jagdverbandes zurücktreten, meinte Landesvorsitzender Josef Tumbrinck.