Essen

Hier bleibt der Müll liegen - weil die Müllabfuhr DAS nicht darf

Die Müllabfuhr soll das Rückwärtsfahren vermeiden - es ist zu gefährlich. (Symbolbild)
Die Müllabfuhr soll das Rückwärtsfahren vermeiden - es ist zu gefährlich. (Symbolbild)
Foto: Kerstin Bögeholz / Funke Foto Services GmbH

Essen. Eine schmale Sackgasse in Essen-Frohnhausen. Hier wohnt Thomas Kauder eigentlich gern. Seit einiger Zeit macht ihm allerdings ein Problem zu schaffen. Ratten haben dort ein neues Zuhause gefunden.

Der Grund dafür ist die Müllabfuhr, die teilweise bis zu drei Wochen die Tonnen von Familie Kauder und ihren Nachbarn nicht abholt. Der vor sich hin siechende Abfall in Essen zieht die Ratten an – für sie ein wahres Schlaraffenland.

In Essen hat die Müllabfuhr ein Problem: die Straßen sind zu eng

Die Anwesenheit der Nagetiere gefällt dem Anwohner gar nicht. Deshalb habe er schon mehrfach mit den Entsorgungsbetrieben (EBE) telefoniert – ohne wirklichen Erfolg.

Nach vier Wochen kam die Müllabfuhr dann doch, sammelte die liegen gebliebenen Abfälle ein. Da erfuhr Kauder auch den Grund für das Müllproblem: Der Fahrer wollte in der schmalen Straße nicht rückwärts fahren. Das sei in engen Gassen gar nicht erlaubt. Das berichtete die WAZ.

30 Verletzte innerhalb von zwei Jahren

Das Rückwärtsfahren sei einfach zu gefährlich, sagt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Die Fahrer können den Raum hinter ihrem Fahrzeug nicht gut genug einsehen. Daher käme es immer wieder zu schweren Unfällen mit Einweisern oder Passanten.

In den Jahren 2008 bis 2009 seien im Bereich Westfalen-Lippe beispielsweise 30 Beschäftige bei der Abfallsammlung angefahren worden, sechs von ihnen waren Einweiser.

Besondere Kenntnisse beim Rückwärtsfahren nötig

Bereits im Oktober 2016 entschieden Vertreter der gesetzlichen Unfallversicherung, der Verbänden der Entsorgungswirtschaft und der Gewerkschaft Verdi, dass das Rückwärtsfahren an vielen Stellen eine zu große Gefahr darstellt. Sie empfehlen daher den Entsorgungsunternehmen, die unfallträchtigen Rückwärtsfahrten zu vermeiden, wo es möglich ist. Zum Beispiel dadurch, dass die die Verkehrsführung in den betroffenen Straßen geändert wird.

Die DGUV empfiehlt einen Sicherheitsabstand von 50 cm an den Längsseiten des Müllautos über die gesamte Rückfahrstrecke, die Sicht durch die Rückspiegel darf nicht verstellt sein und die zurückzulegende Strecke darf nicht länger als 150 Meter sein. Der Einweiser darf zudem nicht rückwärts gehen und sich nur im Sichtbereich des Fahrers aufhalten.

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Das wurde bisher in Essen nicht so genau genommen. Neuerdings prüfen die Unfallkassen allerdings verstärkt, ob die Regeln eingehalten werden. Deswegen gehen die Fahrer weniger Risiken ein.

Volle Mülltonnen sollen kein Dauerzustand sein

Die Entscheidung, ob er in bestimmten Straßen rückwärts fahren möchte, liegt beim Fahrer selbst. So kann es sein, dass Mülltonnen in manchen Straßen nicht geleert werden.

Den Verantwortlichen ist klar, dass das kein Dauerzustand bleiben kann. Die Stadt Essen und die EBE beschäftigen sich bereits intensiv mit dem Problem. Wenn du wissen willst, wie die Entsorgungsbetriebe nun handeln und ob Thomas Kauder auch in Zukunft auf seinem Müll sitzen bleiben wird, kannst du dich bei der WAZ informieren.

 
 

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