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Geht's noch? Schwerter Unternehmer baut Grenzzaun mit Nato-Draht, um Flüchtlinge abzuwehren

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Links: Das Grundstück des Unternehmers und der „Grenzzaun“. Rechts: der Sichtschutz der Stadt und das Gelände der Flüchtlingsunterkunft. Foto: Jana Gilfert
Was wir bereits wissen

In Schwerte hat ein Stahl-Unternehmer neben einem Flüchtlingsheim einen Nato-Draht gezogen

In dem Flüchtlingsheim leben seit Anfang des Jahres circa 20 männliche Flüchtlinge

Die Stadt will nun gegen den Unternehmer vorgehen

Schwerte. 

Verdun 1916. Oder Syrien 2016. So sieht der Nato-Draht-Zaun aus, den ein Unternehmer auf sein Grundstück in Schwerte gebaut hat. Damit will er Flüchtlinge aus einer benachbarten Unterkunft abwehren.

Das glaubst du nicht? Ist aber sein Ernst.

Circa drei Meter Stacheldraht stehen zwischen der Flüchtlingsunterkunft und einem kleinen Stück Wiese. Hinter der Wiese: eine Mauer und eine Garage.

Doch warum dann der Zaun?

In der Unterkunft wohnen 20 Flüchtlinge, Männer aus Syrien und Afghanistan. Sie kamen auf den schmalen Streifen, um zu telefonieren. Denn der Empfang ist hier besser als in der Unterkunft. Das ist alles.

Schon in den letzten Wochen versuchte der alteingesessene Stahlunternehmer immer wieder, die Flüchtlinge zu vertreiben. Eine offizielle Beschwerde gab es aber nie. Der schmale Streifen, wo die Flüchtlinge telefonierten, wurde vom Unternehmen nicht genutzt.

Und dann war diese Woche plötzlich der Zaun da.

Die Stadt Schwerte und der Bürgermeister baten, den Zaun abzubauen. Es passierte: nichts. Stattdessen ließ der Unternehmer noch mehr Stacheldraht befestigen.

Die Flüchtlinge verstehen den Zaun nicht. Das Handy ist ihre einzige Verbindung zur Familie. Viele sind aus Syrien. Sie haben Angst um sie und möchten mit ihnen telefonieren.

Die Stadt hat nun selbst einen Sichtschutz vor dem Stacheldraht-Monster aufgebaut. Denn das Bauwerk wirkt auf Kriegsflüchtlinge beängstigend.

Was tut die Stadt?

Die Stadt will jetzt abwarten, ob der Unternehmer den Zaun von selbst entfernt. Sonst schickt sie eine Ordnungsverfügung. Denn für das bizarre Bauwerk müsste eigentlich eine Genehmigung vorliegen.

Viele Schwerter haben sich beim Arbeitskreis Asyl gemeldet. Sie wollen WLAN spenden. Dann könnten die Flüchtlinge über Skype den Kontakt zu ihrer Familie halten.

Und die Schwerter wollen zeigen: Wir denken nicht so, wie dieser Unternehmer.

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