Frontal21: „Armutszeugnis!“ – Experte zeigt auf, warum der Nahverkehr im Ruhrgebiet eine Katastrophe ist

Foto: Stefan Arend / FUNKE Foto Services

Verspätete Züge, marode Bahnhöfe, leere Kassen: Der öffentliche Nahverkehr im Ruhrgebiet ist in einem miserablen Zustand. Die Konsequenz: 58 Prozent aller Wege im Ruhrgebiet werden mit dem Auto zurückgelegt, nur jeder zehnte Pendler fährt mit dem ÖPNV zum Ziel.

Das ist weniger als die Hälfte verglichen mit anderen Ballungsräumen.

Das ZDF-Magazin „frontal21“ hat in seiner Sendung am Dienstag die Fehler im System aufgezeigt und ist den Ursachen nachgegangen. Das Problem des ÖPNV im Revier: Jede Stadt hat ihren eigenen Verkehrsbetrieb – mit eigenen Strukturen, eigener Verwaltung und teils eigenen Zugtypen.

ÖPNV im Ruhrgebiet: Ein „Armutszeugnis“

„Kleinstaaterei“ schimpft das Verkehrswissenschaftler Rudolf Juchelka von der Uni Duisburg-Essen. Sein hartes Urteil im ZDF: „Es ist ein Armutszeugnis für die Politik, für die Verkehrsplanung im gesamten Ruhrgebiet“.

Die Planung der Verkehrsbetriebe hört an den Stadtgrenzen auf. Jeder denkt an sich, aber nicht an die Pendler, von denen Tausende täglich Stadtgrenzen überqueren. Als Beispiel zeigt das ZDF-Magazin eine Künstlerin aus Gelsenkirchen, die für elf Kilometer nach Essen teils anderthalb Stunden braucht.

Der Regionalverband Ruhr fand mit einer Studie im vergangenen Jahr heraus: „Die europäischen Metropolen wie Paris, Brüssel oder Barcelona sind von Essen aus leichter zu erreichen als Dinslaken-Lohberg“.

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Gerade in weniger dicht besiedelten Städten lassen sich Einrichtungen wie Universitäten, Schulen oder Krankenhäuser schlechter mit dem Öffentlichen Nahverkehr und mit dem Rad kaum erreichen.

Pannen bei der Kooperation

Die fehlende Kooperation belegt das ZDF-Magazin an einer peinlichen Panne im vergangenen Jahr: Die Düsseldorfer Rheinbahn hat eigens neue Bahnen in Betrieb genommen. An einer Haltestelle in Duisburg schrammte einer dieser Züge am Bahnsteig vorbei.

Die Duisburger Haltestellen wurden bei der Inbetriebnahme der Bahnen offenbar außer Acht gelassen.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hält nichts von einem einheitlichen Verkehrsbetrieb: die Städte hätten „die Mobilitätsbedürfnisse ihrer eigenen Bürger besser im Blick“.

Halten Parteien die Betriebe am Leben, um Posten zu besetzen?

Ex-WAZ Chefredakteur Uwe Knüpfer erhebt bei „frontal 21“ andere Vorwürfe: Ein gemeinsamer Verkehrsbetrieb werde von den Parteien in den Städten geblockt. Je mehr Verkehrsgesellschaften, desto mehr Posten können in den Vorständen der Betriebe besetzt werden.

Und dort gibt es für die Bosse ordentlich zu verdienen: Das Magazin zählt hohe sechsstellige Beträge der Vorstände auf. Und das, obwohl die Verkehrsbetriebe heruntergewirtschaftet sind. Ein Drittel der Kosten für den Nahverkehr muss der Steuerzahler hinzuschießen.

Auf die Vorwürfe des ZDF-Magazins „frontal 21“ reagierte keiner der Betriebe. (jg)

 
 

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