Veröffentlicht inRegion

Erste Muttermilchbank in NRW versorgt Frühchen

Erste Muttermilchbank in NRW versorgt Frühchen

Dortmund. 

Größe liegt im Auge des Betrachters. In der Dortmunder Kinderklinik beugt sich Nadine Böke über die Wiege ihres Sohnes Johan, hält seine Hand. „Ach, das kleine Händchen“, entzückt sich eine Besucherin, da blickt die Mutter empört auf: „Das ist doch schon groß!“ Johan kam als extreme Frühgeburt mit 740 Gramm zur Welt. Morgen geht’s nach Hause mit 2300 Gramm. So relativ ist das.

Aber eines bleibt von den beiden: Nadine Böke ist die erste Frau, die Muttermilch gespendet hat für andere Frühchen hier im Klinikum. Das hat jetzt nämlich eine Muttermilch-Bank, die erste in Nordrhein-Westfalen: Sie soll Frühgeborene im Hause, deren Mütter nicht genug eigene Milch haben, versorgen mit der Milch anderer Frühchen-Mütter, die zu viel haben. Denn sie sei noch mal anders als die Muttermilch für Kinder, die in etwa zum errechneten Zeitpunkt kommen: „Mehr Antikörper, mehr Enzyme, besondere Eiweiße, sie schützt noch mehr vor Infektionen und Komplikationen und ernährt optimal“, sagt Professor Dominik Schneider, der Direktor der Klinik. Sie ist eine der größten in Deutschland für Frühgeborene: Allein in dieser Woche liegen 22 auf der Intensivstation und 26 auf der Frühgeborenenstation.

Bisher hatte die Kinderklinik etwa 20 Liter Muttermilch im Jahr bei der Bank in Leipzig gekauft und ansonsten die Kinder mit industrieller Frühgeborenenmilch gefüttert: „Das sind exzellente Produkte. Aber Muttermilch ist noch besser.“ Nun hofft Schneider, mit eigenen Spenderinnen den Bedarf von 100 bis 200 Litern jährlich decken zu können. Ihre Milch wird dann untersucht, haltbar gemacht und gefroren gelagert; und künftig soll anonym bleiben, wer spendet und wer annimmt. Nicht alle Mütter können nach einer so frühen Geburt schon Milch produzieren. Oft ist die Brust noch nicht so weit, dazu kommt der hemmende Stress durch die Frühgeburt.

Die Muttermilchbank kostet eine vierstellige Summe für die Untersuchung und die Dokumentation. Und die zuständige Behörde ist das Veterinäramt: Stichwort Produktion von Lebensmitteln.