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Bürgergeld-Empfänger aus NRW schimpft über RTL-Zwei-Sendungen – „Unerträglich“

RTL-Zwei-Sendungen sollen den Alltag von Bürgergeld-Empfängern, Langzeitarbeitslosen und Co. zeigen. Ein Betroffener aus NRW erträgt es nicht mehr.

Bürgergeld-Empfänger Thomas Wasilewski
© Chaleen Goehrke/ DER WESTEN

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Thomas Wasilewski nutzt jede Gelegenheit, um gegen Vorurteile gegenüber Bürgergeld-Empfängern anzugehen. Als Betroffener nimmt er an Demonstrationen teil, schreibt Briefe an Politiker oder tritt ihnen in Talk-Sendungen wie „Hart aber fair“ persönlich gegenüber, um ihnen seine Meinung ins Gesicht zu sagen.

Seit 12 Jahren bezieht der Mönchengladbacher selbst Bürgergeld, nachdem sein Herz ihn plötzlich im Stich ließ (hier mehr dazu). Seitdem führt er einen Kampf gegen Windmühlen, damit Bürgergeld-Empfänger nicht vorschnell in eine falsche Schublade gesteckt und als Schmarotzer abgestempelt werden. RTL-Zwei-Sendungen wie „Hartz und herzlich“ oder „Armes Deutschland“ würden aber genau dieses negative Bild fördern.

Bürgergeld-Empfänger aus NRW lehnt RTL-Zwei-Sendungen strikt ab

Seit Jahren zeigt RTL Zwei verschiedene Sozial-Dokus, in denen „das alltägliche Leben von Menschen in sozialen Brennpunkten gezeigt wird“, wie es vom Sender heißt. Langzeitarbeitslose, Bürgergeld-Empfänger und Berufstätige, die trotz regelmäßigem Einkommen kaum über die Runden kommen, sind Teil der Sendungen.

Bürgergeld-Empfänger Thomas Wasilewski
Thomas Wasilewski lebt seit 2012 von Bürgergeld. Foto: Chaleen Goehrke/ DER WESTEN

Auch Thomas Wasilewski war schon mehrfach im Fernsehen zu sehen, doch eine Teilnahme an einer der RTL-Zwei-Sendungen käme für ihn nie infrage, wie er auf Nachfrage von DER WESTEN betonte. „Das sind Sendungen, die dazu dienen Menschen zu verunglimpfen und schlecht zu machen. Sendungen wie ‚Terra X‘, die sich mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzen, mache ich gerne mit, aber Sendungen, die Menschen in Armut nur als Unterhaltungsinstrument nutzen, daran möchte ich mich nicht beteiligen.“

„Ein schwarzes Schaf gibt es in jeder Branche“

Aus seiner Sicht fördere das nur die Klischees zu Bürgergeld-Empfängern, die als faule Raucher und Trinker abgestempelt würden. „Was die da zeigen, hat also mit meinem Leben überhaupt nichts zu tun. Ein schwarzes Schaf gibt es in jeder Branche, in jeder Familie, aber das ist die Minderheit“, bringt der 61-Jährige auf den Punkt.


Deshalb meide er es auch, sich diverse Formate im Fernsehen anzuschauen. „Ich habe mir sowas vielleicht mal 30 Sekunden angeschaut, aber dann schalte ich es weg, weil ich es unerträglich finde. Für mich ist das auch skandalös, dass sowas überhaupt gemacht wird“, lässt der Familienvater seinem Ärger weiter freien Lauf.