Düsseldorf

Brandanschlag von Solingen: Das fordert Armin Laschet jetzt von den Bürgern

Armin Laschet (l.) neben Mevlüde Genc, die beim Brandanschlag von Solingen fünf Familienangehörige verlor.
Armin Laschet (l.) neben Mevlüde Genc, die beim Brandanschlag von Solingen fünf Familienangehörige verlor.
Foto: dpa
  • Am Dienstag jährt sich der Brandanschlag von Solingen zum 25. Mal
  • Damals starben fünf Frauen und Mädchen bei einem rassistischen Anschlag
  • Ministerpräsident Laschet richtet einen emotionalen Appell an die Menschen

Düsseldorf. Fünf Frauen und Mädchen starben am 29. Mai 1993 in Solingen. Sie starben in einem Feuer, dass vier rechtsradikale junge Männer legten. Aus Hass, einfach so.

25 Jahre nach diesem schockierenden Akt der Ausländerfeindlichkeit wird der Opfer gedacht. Den fünf Toten, aber auch den 17 Menschen, die durch das Feuer verletzt und teilweise entstellt wurden. Im Düsseldorfer Landeshaus sprach NRW-Ministerpräsident Armin Laschet vom „schrecklichsten Ereignis in der Geschichte Nordrhein-Westfalens seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.“

Laschet: „Es gibt keine Entschuldigung“

„Für das, was vor 25 Jahren passiert ist, gibt es keine Entschuldigung“, stellt Laschet klar. „Dieser Gedenktag ist nicht nur ein Solinger Ereignis, sondern eins für das ganze Land Nordrhein-Westfalen. Es ist gut zu gedenken, weil der Anschlag Menschen in unserer Mitte traf.“

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Dann richtet Laschet einen emotionalen Appell an die Menschen: „Die Lehren aus dem Anschlag haben nichts an Aktualität verloren. Es ist wichtig, dass wir ein gemeinsames Signal aussenden - für Verständigung und Miteinander. Der 29. Mai ist nicht nur ein Datum in unseren Geschichtsbüchern, nicht nur eine gemeinsame Erinnerung, er ist eine Lehrstunde. Denn Hass und Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben - ganz gleich, gegen wen sie sich richten.“

Der Ministerpräsident von NRW verkündete später: Künftig wird es eine Mevlüde-Genc-Medaille geben, die für besondere Akte zur Versöhnung unter den Kulturen verliehen und mit 10.000 Euro dotiert wird.

Merkel verspricht konsequenteres Vorgehen gegen Rechtsextremismus

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu und Mevlüde Genc, Angehörige der Familie Genc, der der Anschlag galt, sprachen auf der Gedenkfeier.

Merkel versprach in ihren Worten ein konsequenteres Vorgehen gegen Rechtsextremismus. „Zu oft werden die Grenzen der Meinungsfreiheit sehr kalkuliert ausgetestet und Tabubrüche leichtfertig als politisches Instrument eingesetzt“, betonte die Kanzlerin, ohne die rechtspopulistische AfD zu nennen. Dies sei ein Spiel mit dem Feuer. „Denn wer mit Worten Gewalt sät, nimmt zumindest billigend in Kauf, dass auch Gewalt geerntet wird.“

Auch heute würden Menschen angefeindet und angegriffen, weil sie Asylbewerber oder Flüchtlinge seien oder weil sie dafür gehalten würden, sagte die Kanzlerin. „Solche Gewalttaten sind beschämend. Sie sind eine Schande für unser Land. Und damit dürfen und werden wir uns nicht abfinden.“

Türkischer Außenminister Cavusoglu: „Unterlasst ausgrenzende Botschaften!“

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat 25 Jahre nach dem ausländerfeindlichen Brandanschlag dazu aufgerufen, weiter an der Integration zu arbeiten. Zugleich wandte er sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Politik rief Cavusoglu auf, „ausgrenzende Botschaften“ zu unterlassen.

Spekulationen, dass Cavusoglu seinen Auftritt für den laufenden Wahlkampf in der Türkei nutzt, blieben unbegründet. Einziger Grund seiner Teilnahme an der Gedenkveranstaltung sei es, eine gemeinsame Botschaft des Zusammenhaltes auszusenden, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, sagte der Minister.

Mevlüde Genc: „Lasst uns zum Guten nach vorne schauen“

„Lasst uns zum Guten nach vorne schauen“, sagte Mevlüde Genc (75) Angehörige der Genc-Familie, der der rassistische und perfide Anschlag galt, in ihrer Rede. Sie fordert: „Dem Hass muss Einhalt geboten werden.“

Sie sei Teil beider Staaten, nicht nur eines Landes, sagte Genc. „Ich bin in der Türkei geboren und in Deutschland satt geworden“, sagte die 75-Jährige weiter. Sie trage keine Rache, keinen Hass gegen andere Menschen in sich. „Ausgenommen die vier Personen, die mein Heim zu einem Grab machten“, sagte Genc.

Ab 16 Uhr wird auch in Solingen dem Brandanschlag gedacht. Neben Reden von Cavusoglu, Außenminister Heiko Maas und Solinges Bürgermeister Tim Kurzbach sind auch eine Schweigeminute, interreligiöse Gebete und ein Schweigemarsch geplant.

 
 

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