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Beim NRZ-Feriencamp gibt es nur Helden

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Foto: FUNKE Foto Services
Fußball spielen, Spaß haben und die Ferien genießen im Feriencamp beim SC Wacker Dinslaken.

Dinslaken. 

Das defensive Mittelfeld der sehr jungen zweiten Mannschaft hier auf dem Platz des SC Wacker Dinslaken stürmt den Kiosk: „Wir brauchen Wasser und Becher!“ Alles da, Jungs, im Schatten hinterm Tor, in dem gerade Marlon (5) aus Lohberg, die Hände auf seine Knie gestützt, auf den Angriff von Maik (6) aus Hünxe wartet, der sich mit Bennet („Siebeneinhalb!“) ein Dribbelduell liefert, ausholt und schießt – „Toooor“. Alle klatschen, denn hier gibt es keine Gegner, nur Helden (und Heldinnen). Trainer Julien Wans (25) wischt sich die Schweißperlen von der Nase und strahlt: „Super angenehme Stimmung, tolle Truppe!“ Das zweite NRZ-Fußball-Feriencamp in diesem Sommer hat Halbzeit, und bei soviel Spaß mag sich so manch’ einer wünschen, es ginge in die Verlängerung.

Schalke- und Dortmund-Kniffel, wenn es mal regnet…

Im zweiten Jahr gibt es die NRZ-Feriencamps in Zusammenarbeit mit dem Magazin „Reviersport“, die jeweils am Anfang und am Ende der Sommerferien Kinder zwischen sechs und 14 Jahren „spielend spielen lernen lassen“. Und nicht nur das – „Wir sind ja mehr als nur ein bloßes Fußballcamp“, schildert Organisator Olaf Dreßel: „Die Idee ist es ja auch, Eltern, die sich ja nicht die ganzen Schulferien Urlaub nehmen können, eine kompetente Ferienbetreuung für ihre Kinder anzubieten!“

Die Betreuung laufe von 8.30 Uhr bis 16 Uhr, vier Stunden davon wird gekickt. Der Tag startet mit Müsli, es gibt frisches Obst, warmes Mittagessen und Schalke- und Dortmund-Kniffel, bei denen der Dreier-Pasch „Hattrick“ heißt.

Dominik Voigt war schon beim Camp in Duisburg vor einem Jahr dabei. Normalerweise trainiert der 18-Jährige bei Rot-Weiß Oberhausen die F-Jugend, hier nun hat er die älteren Camp-Teilnehmer unter seine Fittiche genommen. Messis, Ronaldos und Xavis, die aus Spaß an der Freude an den Ball wollen. „Gute Erfahrung, etwas ganz ohne Leistungsdruck machen zu können,“ sagt Dominik und lässt liegestützen, den Ball auftuppen und hochhalten, kniebeugen und lobt: „Suuuper, weiter geht’s, guter Zweikampf, macht doch nichts, weitermachen!“ Alle würden voneinander profitieren, wer im Verein spielt, hilft denen, die es nicht tun: „Wir haben sogar zwei Kinder aus Bautzen mit dabei, die sind beim Onkel in Dinslaken zu Besuch.“

„Ich finde, hier können alle gut Fußball spielen“, stellt „Ronaldo“ Colin Blumenroth (10) fest, der ansonsten Heimrecht genießt, denn er spielt bei Wacker Dinslaken im Sturm. „Der Pepe zum Beispiel spielt normalerweise Badminton, aber der ist richtig gut“. Und wie zum Beweis haut Pepe das Ding mal eben aus 15 Metern Entfernung ins Tor.

Colin lobt auch das Mittagessen: „Echt lecker! Gestern gab es Hühnerfrikassee mit Reis, davor Schnitzel mit Nudeln und Tomatensoße.“ Im Gegensatz zu vielen Schalke- und Dortmund-Fans auf dem Rasen ist Colin MSV-Duisburg-Fan, was der Stimmung untereinander keinen Abbruch tut.

Allein, aber nicht einsam erkämpft sich Lea Becker (11) ihre Position im Team. Denn da sind sonst nur Jungs. Lea spielt normalerweise beim GSV Moers und wollte den Sommer partout nicht ohne Fußball verbringen: „Schon im letzten Jahr wollte ich das Camp mitmachen, aber da habe ich mir kurz vorher den Arm gebrochen“, erzählt sie. Jetzt muss sie sich durchsetzen: „Die Jungen spielen mit mehr körperlichem Einsatz“, sagt sie, „aber da kann man auch von profitieren!“ Allzu nah muss es aber dann doch nicht sein – im Kreis verzichtet Lea darauf, sich mit den Jungs an den Händen zu halten: „Wir haben beschlossen, es nicht zu machen.“ Akzeptiert.

Ein paar Meter weiter kniet Coach Julien, ansonsten B-Jugend-Trainer bei SuS 09 Dinslaken, vor Torwart Marlon aus Lohberg und bindet die Schnürsenkel fest. Marlon zieht die Handschuhe aus und entscheidet: „Ich spiel’ jetzt lieber als Spieler.“ Bennet macht eine Pause, aber nur eine kurze, und Mittelfeldspielerin Zoë (9) will unbedingt loswerden, dass ihr Lieblingsspieler Thomas Müller ist: „Wenn der mal aufhört, spiel ich auch nicht mehr!“

„Nicht so streng sein, Spaß haben und die Kinder mitentscheiden lassen, was sie machen wollen“, fasst Julien Wans das Feriencamp zusammen.

Und was ist, wenn das Wetter so saumäßig ist wie am Tag zuvor? Spielt ihr dann den ganzen Tag das Schalke-Kniffel? Ronaldo-Colin schaut, als habe er sich verhört, lächelt: „Natürlich spielen wir Fußball. Auch wenn es regnet!“