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Zum Abschied rechnet Kölner OB Schramma mit der CDU ab

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Foto: ddp

Köln. Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat den scheidenden Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) wohl den Job gekostet. Denn auch seine eigene Partei kritisierte sein Krisenmanagement scharf. Nun schießt Schramma zurück und rechnet mit der Kölner CDU ab: „Ich hätte da früher reinhauen müssen.“

Die Amtszeit des Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma (CDU) endet am Dienstag – mit einem persönlichen Dankgottesdienst und einem Frühstück mit seiner Familie. Um 11 Uhr übergibt er die Schlüssel an seinen Amtsnachfolger Jürgen Roters von der SPD. Dann ist Schrammas politische Karriere zu Ende – jedenfalls vorerst.

Dass es soweit kommen musste, hat etwas mit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs zu tun. Wegen der Kritik an seinem Krisenmanagement ist der 62-jährige Schramma nicht mehr zur Bürgermeisterwahl am 30. August angetreten – und rechnet dafür jetzt mit seiner Partei ab. In einem Interview mit dem „Kölner Stadtanzeiger“ wirft Schramma seinen innerparteilichen Gegnern eine „konzertierte Aktion“ gegen ihn vor. Und zwar von dem Moment an, als die Partei erkannt habe, dass der Stadtarchiv-Einsturz ein Wahlkampfthema werden könnte. Eine sachliche Debatte über die Ursachen sei nicht möglich gewesen.

„Alles wurde personalisiert und auf mich zugespitzt“, sagt Fritz Schramma im Interview. Der frühere Gymnasiallehrer glaubt, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ihn entlasten werden. Dann würden ihn noch mehr Menschen als bisher in der Stadt fragen: ,Herr Schramma, warum sind Sie eigentlich nicht mehr angetreten?’ Über Parteigrenzen hinweg wurde dem scheidenden Oberbürgermeister bislang vorgeworfen, sich der politischen Verantwortung für die Tragödie, bei der zwei Menschen ums Leben kamen, nicht zu stellen.

Rücktritt aus Respekt vor den Opfern

Seinen Rücktritt von der Bürgermeister-Kandidatur gab Fritz Schramma Ende März bekannt. Er begründete diesen Schritt mit dem Respekt vor den Opfern, der es erfordere, das Unglück nicht in den Wahlkampf einzubeziehen. Sein Appell, das Thema aus dem politischen Gezänk herauszuhalten, sei auf taube Ohren gestoßen. „Offensichtlich ist vielen der Wahlausgang wichtiger als das langfristige Wohl unserer Stadt“, sagte Schramma damals.

Neuer Oberbürgermeister-Kandidat wurde der ehemalige Berliner Finanzsenator Peter Kurth (CDU), dem Schramma angeblich jegliche Wahlkampfhilfe zugesagt hat. Die seit Jahren völlig zerstrittene Kölner CDU warf Schramma allerdings mangelnde Unterstützung vor und schoss auch in dieser Sache gegen ihn. Der wehrt sich nun im Interview und betont, dass es offensichtlich nicht erwünscht gewesen sei, dass er sich mit seinem Bekanntheitsgrad für Peter Kurth einsetze. Es habe eine Wahlkampf-Strategie gegeben, die unter dem Motto gestanden habe: Politik wird anders. Schramma fragt: „Wie sollte ich mich da einbringen, zumal zeitgleich ständig auf der Stadtverwaltung herumgehackt worden ist, deren Chef ich schließlich bin?“

Seit dem 18. September 2000 ist Schramma Chef im Kölner Rathaus – ein schwarzer Bürgermeister in einer vormals roten Hochburg. Und trotz der beachtlichen Amtszeit von neun Jahren konnte er Köln nie wirklich vom Klüngel-Image befreien. Das gibt er im Interview freimütig zu. Nach der Einführung einer inneren Revision nach 2000 habe es aber „nur noch ganz wenige Fälle von Korruption“ innerhalb der Verwaltung gegeben. „Das waren bei 17.000 Mitarbeitern drei oder vier Fälle, die wir alle selbst aufgedeckt haben.“

„Ich hätte da früher reinhauen müssen“

Dennoch musste Schramma Rückschläge einstecken, besonders als Bürgermeister und Parteifreund Josef Müller vorgeworfen wurde, einen Beratervertrag mit der Sparkasse über 300.000 Euro ohne Gegenleistung kassiert zu haben. „Das war ein Schlag in die Magengrube“ erzählt Schramma. „Mit einem starken Josef Müller wären wir bei der Kommunalwahl stärkste Fraktion geworden.“ Nun hat die SPD das Kölner Rathaus zurückerobert. Schramma bedauert, dass die CDU, obwohl mal stärkste Kraft, nicht deutlich intensiver am Kölner Image arbeiten konnte. „Ich hätte da früher reinhauen müssen“, sagt Schramma. „Das größte Problem damals war meine eigene Partei.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Schramma Groll gegen die Christdemokraten hegt. Schon kurz nach dem Stadtarchiv-Einsturz schoss er scharf gegen seine Spitzenbeamten im Rathaus, die sich angeblich gegen ihn gewandt und mit Gefängnis gedroht hätten: „Die Beamten hier haben einen Eid auf das Wohl der Stadt geleistet. Daran muss man sie erinnern. Sie haben keinen Eid auf die Parteizentrale gesprochen.“ Und auch Ministerpräsident Jürgen Rüttgers bekam Schrammas Unmut zu spüren. Herb enttäuscht sei er vom Landeschef, von dem er sich mehr Unterstützung und Offenheit erwartet habe. Rüttgers sei auch nicht ans Telefon gegangen, als Schramma ihn „von Samstagmittag bis nachts um 1.00 Uhr“ angerufen habe.

Ob der scheidende Kölner Oberbürgermeister noch einmal ein politisches Amt anstrebt, lässt er offen. Im Ruhestand will er sich „neu organisieren und natürlich auch ausspannen“. Zur Zukunft der Kölner CDU lässt Schramma sich keine Ratschläge entlocken. Nur soviel: „Eins ist sicher: Sie braucht Führung.“

Mit Agenturmaterial.