Wo Schüler auf dem Tablet-PC statt im Schulheft schreiben

Schüler am Tablet: Angeblich verbessert sich die Rechtschreibung durch das Schreiben an den kleinen PCs.
Schüler am Tablet: Angeblich verbessert sich die Rechtschreibung durch das Schreiben an den kleinen PCs.
Foto: AFP
In Bayern gibt es digitale Klassenzimmer ohne Stift und Papier. Schüler arbeiten nur noch mit Tablet-Computern. Der Schulleiter erzählt begeistert von dem Experiment und auch Experten loben den Ansatz: Das Schreiben am Rechner verbessere die Rechtschreibung der Schüler.

Essen/Neubeuern.. Es wirkt wie ein konservatives Internat, das Schloss Neubeuern in Bayern. In altehrwürdigem Gemäuer büffeln die Gymnasiasten, die Schulkleidung tragen müssen. Doch der Schein trügt. Das Privatgymnasium ist vielen Schulen voraus. Hier wird gewischt statt geblättert, gebeamt statt kopiert, gespeichert statt gelagert. Ab Klasse neun schreiben die Schüler nicht mehr in Hefte oder auf Tafeln, sondern auf den Bildschirmen flacher Tablet-Computer. Tinte und Papier gehören der Vergangenheit an. Neubeuern hat das Ende der Kreidezeit ausgerufen – und steht damit ziemlich allein auf weiter Flur. Mit der digitalen Schule tut sich Deutschland noch schwer.

Auf den Tablets können die Schüler schreiben, tippen und zeichnen

Dabei ist es gar nicht so schwer, meint Dr. Armin Stadler, Schulleiter des privaten Gymnasiums und Internats Schloss Neubeuern. Denn in den Klassen sitzen keine reinen Computerexperten, sondern ganz normale Schüler. Seit drei Jahren bietet die bayerische Schule den digitalen Unterricht an. Ab Klasse neun sind die Schreibtische der Schüler mit einer Dockingstation ausgestattet, die den Tablet-PC mit Strom versorgt.

Der Computer kann in den Tisch versenkt werden, sodass man ihn wie ein Heft benutzen kann. Damit dürfte auch die Sorge begraben werden, dass Kinder im digitalen Zeitalter die Schreibschrift verlernen. „Die Schüler können wie auf einer Tastatur tippen, einen Aufsatz mit einem digitalen Stift schreiben oder Formeln zeichnen“, erklärt Stadler.

Nur das Schulbuch ist noch aus Papier

Doch er sieht noch mehr Vorteile bei der Arbeit mit den Tablet-Computern. So lässt sich ein übersichtliches und platzsparendes Ordnersystem auf der Festplatte anlegen, in denen der gesamte Lernstoff gespeichert wird. Der Schüler kann mit drei Klicks schnell auf die Rechenaufgabe von vor zwei Jahren zurückgreifen. „Es geht nichts mehr verloren“, verspricht Stadler. Auch nicht, wenn der Server ausfällt, sagt er. Alle Daten werden im Minutentakt gespeichert.

„Wir merken, dass die Schüler organisierter sind und ihre Arbeit strukturierter wird“, schildert der Schulleiter seinen Eindruck. Hausaufgaben bekommen die Schüler per E-Mail geschickt. „Vergessen geht also schlecht“, weiß Stadler. Das einzige Papier, das es ab Klasse neun noch gibt, ist das Schulbuch.

Schulbuchverlage setzen auf digitale Schulbücher

Doch auch hier bewegt sich etwas. 27 Schulbuchverlage – darunter Klett und Cornelsen – haben sich zusammengeschlossen, um nach den Sommerferien mit digitalen Schulbüchern die Klassen zu erobern.

Doch sind die Schulen schon so weit? „Die Potenziale digitaler Medien sind in Deutschland noch nicht ausgeschöpft“, sagt Professor Dr. Silke Grafe von der Ruhr-Universität Bochum der NRZ. So hat die Pisa-Studie 2009 gezeigt, dass an Deutschlands Schulen elf Schüler auf einen Computer kommen. Mit diesem Verhältnis liegt die Bundesrepublik unter dem OECD-Durchschnitt (7,7:1).

Rechtschreibung verbessert sich durch Arbeit am Computer

Expertin Grafe plädiert für eine stärkere Nutzung von tragbaren Computern im Unterricht. „Verschiedene Fallstudien zeigen, dass mit dem Einsatz von Notebooks eine positive Veränderung der Fähigkeit zur Textproduktion und eine Verbesserung der Rechtschreibleistung verbunden ist“, sagt sie.

Doch die Installation von Computern allein macht keinen besseren Unterricht. Die Lehrer müssten das Medium auch sinnvoll einsetzen. Wie, das sollten Lehramtsstudenten bereits an den Unis lernen. „Aus meiner Sicht ist es außerordentlich wichtig, eine medienpädagogische Grundbildung als verbindlichen Bestandteil der pädagogischen Ausbildung zu verankern“, sagt Grafe.

 
 

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