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Wie funktioniert Wikileaks?

Dortmund. 

Der Coup vom Wochenende war nicht der erste. Bereits seit 2006 sorgt die Internet-Plattform Wikileaks immer wieder für spektakuläre Enthüllungen. Doch über die Arbeitsweise und die Hintermänner ist nur wenig bekannt.


Was ist Wikileaks?

Wikileaks versteht sich als Plattform, auf der geheime Dokumente von Regierungen und Unternehmen veröffentlicht werden können. Gedacht war die Plattform zunächst für Dissidenten in Diktaturen, mittlerweile werden aber alle möglichen brisanten Dokumente dort veröffentlicht.


Wer steckt hinter Wikileaks?

Gesicht und Gründer der Plattform ist Julian Assange, angeblich 39 Jahre alt und Australier. Er gilt als ebenso herrisch wie genial und arrogant. Schon mit 16 Jahren „hackte” er sich in fremde Rechner und bis heute lautet seine Devise: Jede Art von Daten und Informationen muss für jeden zugänglich sein. In den letzten Wochen ist Assange allerdings vom Jäger zum Gejagten geworden. In Schweden wird gegen ihn wegen des Verdachts der Vergewaltigung ermittelt.


Wer hilft Assange?

Unklar: Es gibt wohl einen engsten Kreis von vier oder fünf Ehrenamtlichen, die das Rückgrat der Plattform Wikileaks bilden. Dazu gesellen sich bis zu 1000 Freiwillige, unter ihnen viele Journalisten, Informatiker und Techniker, die bei der Aufbereitung von Dokumenten helfen. Anonymität wird groß geschrieben. Die meisten kennen sich nur über das Internet und kommunizieren ausschließlich über verschlüsselte Nachrichten.


Wie finanziert sich die Plattform?

Angeblich lebt die Organisation alleine von Spenden – jährlich rund 200 000 Dollar. Insider bezweifeln das, doch Wikileaks-Chef Assange verweigert nähere Auskünfte.


Wie kommt Wikileaks an die geheimen Informationen?

Jedenfalls nicht, indem die Betreiber sie selbst großartig recherchieren. Im Grunde veröffentlicht Wikileaks nur Dokumente, die andere ihr zuspielen.


Wie funktioniert das?

Ganz einfach. Man geht nur auf die Internetseiten der Organisation und lädt das Material hoch. Clevere Technik sorgt dafür, dass die Informanten dabei völlig anonym bleiben. Selbst großen Geheimdiensten ist es bisher anscheinend nicht gelungen, die Sicherheitsmaßnahmen der Plattform zu knacken.


Lässt sich die Seite nicht einfach verbieten?

Nein. Wikileaks lagert das Material auf ständig wechselnden Internetservern, die noch dazu in Ländern liegen, die kaum mit ausländischen Fahndern zusammenarbeiten.


Wer lädt all die Informationen hoch?

Das ist die Frage aller Fragen. Die Plattformbetreiber behaupten, die Identität ihrer Informanten in den meisten Fällen selbst nicht zu kennen und verweisen auf ihre starken Sicherheitsmaßnahmen.


Ist schon mal ein Informant aufgeflogen?

Bisher nicht. Jedenfalls nicht durch Fehler von Wikileaks.


Werden die Dokumente vor Veröffentlichung geprüft?

Schwer zu sagen. Wikileaks behauptet, die Dokumente auf ihren Wahrheitsgehalt zu kontrollieren, verrät aber nicht wie. Fest steht, dass einiges vor Veröffentlichung bearbeitet worden ist. So wurde das Video eines US-Kampfhubschrauber-Einsatzes geschnitten und mit Untertiteln versehen. Zudem werden in brisanten Dokumenten Namen von Informanten unkenntlich gemacht, wenn auch oft recht stümperhaft.