Viel investiert, nix erreicht: Revier-Image ändert sich kaum

Michael Kohlstadt
Foto: Hans Blossey
Der Ruf klebt am Ruhrgebiet und lässt sich nicht wandeln: Viel Maloche, wenig Lebensqualität - so sehen die Menschen hier und auswärts die Region.

Dortmund. Der Ruf des Ruhrgebiets als industriell geprägte Region mit wenig Lebensqualität hält sich nach wie vor hartnäckig in den Köpfen vieler Bundesbürger. Das ist das Ergebnis einer Imagestudie über die Außenwahrnehmung des Reviers, die Industrie- und Handelskammer Dortmund und Regionalverband Ruhr (RVR) vorgelegt haben.

Hatte man anderes erwartet? Ratlosigkeit und ein wenig Trotz – auch das stand denjenigen ins Gesicht geschrieben, die gestern die neue Imagestudie über das Ruhrgebiet vorstellten. Marketingforscher Hartmut Holzmüller nannte das Ergebnis seiner Umfrage „ernüchternd“. Dortmunds IHK-Präsident Udo Dolezych fasste sich verbal an den Kopf: „Warum machen wir so viel Imagewerbung und es ändert sich so wenig?“ RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel stellte sich symbolisch in den Wind: „Die Menschen, die einmal hier waren, haben ein ganz anderes Bild vom Revier.“

Bild ändert sich nicht

Wie sieht Deutschland das Ruhrgebiet? Wie hat sich das Image der Region verändert? Das wollten Regionalverband Ruhr und Industrie-und Handelskammer Dortmund wissen. Die Antworten: aus Ruhrgebietssicht eher enttäuschend. Der Blick auf Deutschlands größten Ballungsraum, er hat sich allen Bemühungen um eine besserer Außendarstellung des Strukturwandels an der Ruhr so gut wie überhaupt nicht verändert. Noch immer, so die von Holzmüllers Dortmunder Institut für Marketingforschung erstellte Studie, ist das Bild des Ruhrgebiets außerhalb der Region von veralteten Klischees geprägt. „Das übergreifend existierende Bild des Ruhrgebiets konzentriert sich immer noch auf die industrielle Stärke. Dieses Image ist sowohl bei Bewohnern des Ruhrgebiets als auch im restlichen Deutschland stark gefestigt und stabil“, erläuterte Holzmüller.

Hamburg deutlich „sympathischer“

Überrascht hat die Forscher zudem, dass sich das Bild vom Ruhrgebiet offenkundig vererbt. „Der Blick aufs Revier hat sich auch bei der jüngeren Generation kaum verändert“, sagte Holzmüller. Man könne wohl nicht darauf vertrauen, dass sich das Image aufgrund eines Generationswechsels verbessere. Holzmüller: „Es braucht einen sehr langen Atem, um alte Klischees abzustreifen.“

Industrie, Stahl, Wirtschaft, Verkehr – alles Begriffe, die die Menschen mit dem Ruhrgebiet verknüpfen; Spazieren gehen, Park, Bildung und Kultur hingegen eher nicht. In puncto Lebensqualität schneidet das Revier folglich besonders schlecht ab. Holzmüller, Marketing-Professor an der Dortmunder TU, räumte ein, dass die Messlatte mit den Vergleichsregionen Hamburg, Berlin und München ziemlich hoch gelegen habe. Die Dortmunder Wissenschaftler sehen das Revier aber im Wettbewerb gerade mit diesen größten Ballungsräumen.

Jedenfalls erhielt das Ruhrgebiet die wenigsten Sympathiepunkte. Als besonders sympathisch schnitt Hamburg ab, gefolgt von München und Berlin. Immerhin: Die „Ruhris“ selbst sehen ihre Heimat deutlich sympathischer.

Gefragt wurde auch nach dem griffigsten Namen. „Ruhrgebiet“ landete deutlich vorn, abgeschlagen dagegen „Metropole Ruhr“. Und „Ruhrpott“? Geht gar nicht, meint der Bundesdeutsche.