Ukraine: Kriegsführung auf Kosten der Zivilisten? Selenskyj reagiert wutentbrannt auf Kritik

Selenskyj findet Gerhard Schröders Verhalten "ekelhaft"

Selenskyj findet Gerhard Schröders Verhalten "ekelhaft"

Angesichts des sich abzeichnenden Gasmangels in Deutschland empfiehlt Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) die Inbetriebnahme der Pipeline Nord Stream 2 - sehr zum Ärger des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selensyj: Er findet Schröders Verhalten "ekelhaft".

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Putin hat einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg vom Zaun gebrochen, als er die Ukraine überfallen ließ – und dennoch wird auch die Kriegsführung der Verteidiger kritisch hinterfragt, insbesondere da die Ukraine den Anspruch hat, sich als Demokratie gegen einen autokratischen Aggressor im Kreml zu behaupten.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat sich nun die Kriegsführung der Ukrainer genauer angeschaut – und übt deutliche Kritik an der Taktik der Armee. Das wiederum bringt Präsident Wolodymyr Selenskyj und sein Umfeld in Rage.

Ukraine-Krieg: Amnesty International mit deutlicher Kritik an Kriegsführung

Amnesty International wirft der ukrainischen Militärführung in einem Bericht vor, die Zivilbevölkerung unnötig in Gefahr zu bringen. So hätten die ukrainischen Streitkräfte wiederholt aus Wohngebieten, Schulen und Krankenhäuser operiert. Das wiederum hätte Angriffe der Russen auf diese zivilen Objekte herausgefordert.

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Mehr über Amnesty International:

  • Die Menschenrechtsorganisation wurde 1961 gegründet.
  • Grundlage der Arbeit der nichtstaatlichen Organisation ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948.
  • Amnesty International hat nach eigenen Angaben weltweit rund 10 Millionen Mitglieder und Unterstützer.
  • Die Organisation wurde 1977 für ihren Einsatz für politische Gefangene mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

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Diese Taktik der Ukrainer sei „ein Verstoß gegen humanitäres Völkerrecht“, der auch nicht durch den „völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg“ gerechtfertigt werden könne. Gleichzeitig betont Amnesty International aber auch, dass diese Verteidigungstaktik nicht die „vielen wahllosen Schläge des russischen Militärs mit zivilen Opfern“ rechtfertige. Russland begehe ganz klar „Kriegsverbrechen“.

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Ukraine-Präsident Selenskyj reagiert wutentbrannt auf Kritik

Doch auch wenn Amnesty International sich darum bemühte, die Kriegsstrategie beider Seiten separat zu kritisieren, reagierte Präsident Selenskyj aufgebracht auf den Bericht. Der ukrainische Staatschef warf der Menschenrechtsorganisation in seiner täglichen Videoansprache am Donnerstag vor, dem „terroristischen Staat“ Russland eine Amnestie zu erteilen und die Verantwortung vom Aggressor auf das Opfer zu schieben.

Ukraine-Krieg: Liefert Amnesty International eine Steilvorlage für Russland?

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sei „ungerechtfertigt, invasiv und terroristisch“, so der Präsident weiter. „Wenn jemand einen Bericht anfertigt, in dem Opfer und Angreifer gewissermaßen auf eine Stufe gestellt werden, wenn gewisse Dinge über das Opfer analysiert und die Taten des Angreifers ignoriert werden, dann kann das nicht toleriert werden.“ Wer einen solchen Zusammenhang herstelle, „muss sich eingestehen, dass er damit Terroristen hilft“, warf Selenskyj Amnesty International vor.

Auch der ukrainische Verteidigungsminister Olekxij Resnikow reagierte fuchsteufelswild auf die Kritik. Auf Facebook schrieb er: „Jeder Versuch, das Recht der Ukrainer in Frage zu stellen, sich dem Völkermord zu widersetzen, ihre Familien und Häuser zu schützen“ sei eine „Perversion“.

In Moskau dagegen wurde der Bericht von Amnesty International als Steilvorlage genutzt. Als Reaktion hob das russische Verteidigungsministerium angebliche Beispiele hervor, die belegen sollen, wie sich ukrainische Truppen in Wohnhäusern oder Schulen verschanzt hätten.