Eklat bei Besuch in Berlin: Erdogan zeigt Anhängern Islamisten-Gruß

Aus seinem Wagen heraus zeigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag in Berlin seinen Anhängern die sogenannte Rabia-Hand.
Aus seinem Wagen heraus zeigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag in Berlin seinen Anhängern die sogenannte Rabia-Hand.
Foto: Kemal Hür
Erdogan zeigt auf Veranstaltungen gerne das Rabia-Zeichen. Die Geste signalisiert vor allem Sympathie mit dem Islam als Staatsreligion.

Berlin. Erdogan zum Staatsbesuch in Berlin: Am Flughafen winkte der türkische Präsident noch mit offener Hand in die Kameras - doch auf der Fahrt in sein Hotel grüßte er seine Anhänger mit der sogenannten Rabia-Hand. Es ist ein Zeichen von Islamisten. Wir berichten live vom Erdogan-Besuch in Berlin.

Mit diesem Gruß hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schon vor Jahren begonnen: Er formt die rechte Hand - manchmal auch beide Hände zum Rabia-Zeichen. Dabei wird der Daumen als einziger Finger auf die Handinnenfläche eingeklappt, alle anderen Finger bleiben gestreckt, als würde man die Zahl 4 anzeigen.

Erfunden hat Erdogan die Geste nicht. Die Rabia-Hand stammt von den Anhängern der islamistischen ägyptischen Muslimbrüder, die das Zeichen nutzten, um ab 2013 Unterstützung für den gewählten Präsidenten Mohammed Mursi zu bekunden, der den Muslimbrüdern angehörte.

Erdogans AKP unterstützt Muslimbruderschaft

Dieser war zwar 2012 nach den ersten freien Wahlen in Ägypten an die Macht gekommen, wollte seine Befugnisse jedoch – einmal im Amt – massiv ausweiten. Die gemäßigten Islamisten wurden durch das ägyptische Militär schließlich abgesetzt, die Muslimbruderschaft als Terrororganisation verboten und Mursi zum Tode verurteilt. Das Todesurteil wurde später aufgehoben.

Erdogans Partei AKP gilt als Unterstützerin der Muslimbruderschaft und die Türkei als sicherer Hafen für Tausende Anhänger der Muslimbruderschaft, die aus Ägypten geflohen waren. Mit dem Rabia-Zeichen drückt Erdogan aber nicht nur seine Solidarität mit den Muslimbrüdern aus, sondern auch generelle Sympathie für einen islamischen Religionsstaat. Seine Kritiker werfen Erdogan schon lange vor, jeglichen Laizismus zu untergraben und eine Re-Islamisierung der türkischen Gesellschaft anzustreben.

Erdogan ist wohl der bekannteste Politiker, der das Rabia-Zeichen für sich reklamiert. 2015 ließ er Fotos aus seinem Büro veröffentlichen, dessen Schreibtisch eine große Skulptur mit der Rabia-Hand ziert. Er soll währenddessen gerade mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama telefoniert haben. (aba/moi)

 
 

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