Veröffentlicht inPolitik

So funktioniert der Betrug im Taxigewerbe in Köln

Wer in Köln schnell an eine Taxikonzession kommen möchte, muss rund 80.000 Euro zahlen. Die Hälfte davon schwarz. Weil es gesetzlich verboten ist, Konzessionen zu verkaufen, werden die Geschäfte als angebliche Unternehmensveräußerungen getarnt.

Köln. 

Der illegale Handel mit den Genehmigungen floriert. Bis zu 80.000 Euro kostet eine Taxikonzession in Köln. Die Hälfte davon wird schwarz bezahlt. Ein Taxifahrer schilderte der Nachrichtenagentur dapd nach Zusicherung der Anonymität, wie die Geschäfte in Köln laufen, wie sie quasi zum Betrug zwingen und wie der genau funktioniert.

Nach Angaben des Insiders erhält der Käufer für die 80.000 Euro nur das Papier, kein Fahrzeug. Im Vertrag über die Unternehmensveräußerung werden offiziell höchstens 40.000 Euro aufgeführt, der Rest wird unter der Hand bezahlt. Neuunternehmer müssten also fast zwangsläufig das Gesetz brechen – und könnten die Investition von 40.000 Euro Schwarzgeld auch nur über Betrug wieder reinholen.

Bis zu 5.000 Euro Umsatz im Monat

Der Fahrer rechnet vor: 2.000 kostet das Taxi monatlich fix. Als Alleinfahrer kann man mit einer 60 bis 70 Stunden Woche 4.500 bis 5.000 Euro Umsatz machen. Um die Investitionen in überschaubarer Zeit wieder hereinzuholen, muss man am Limit fahren und steckt in der Regel etwa 2.000 Euro vom Umsatz schwarz ein. Dafür müssen dann der Tacho und die Buchhaltung manipuliert werden, Tankquittungen verschwinden. Der Insider versichert, dass die entsorgten Quittungen im Monat einen Wert von 500 Euro haben können. Wenn der Unternehmer einen Fahrer einstellt, der offiziell als Aushilfe beschäftigt ist, faktisch aber zum Beispiel nachts voll arbeitet, erwirtschaftet dieser Angestellte zusätzlich etwa 4.500 Euro Umsatz. Der Nachtfahrer kriegt davon 2.000 Euro auf die Hand und holt sich, da er ja offiziell kaum etwas verdient als geringfügig Beschäftigter, dazu noch Transferleistungen wie Hartz IV, Arbeitslosen- oder Wohngeld vom Staat.

Der Unternehmer verdient auf diese Weise nach Abzug aller Kosten, die ja nicht in den Büchern auftauchen dürfen, etwa 2.000 Euro schwarz im Monat. Mit dem unterschlagenen Umsatz und den unterschlagenen Sozialleistungen für den angestellten Fahrer können nach Angaben des Insiders dauerhaft 3.000 Euro in der eigenen Tasche verschwinden. Dafür müsse man zwar viel manipulieren, aber das Risiko dabei erwischt zu werden, sei relativ gering. Der Betrug funktioniere bundesweit nach diesem Muster. (dapd)