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„Rollende Zeitbomben“ – Risiko durch Gefahrgut-Transporter auf Autobahnen

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Foto: Tom Thöne / WAZ FotoPool
Täglich sind Hunderte Gefahrgut-Transporter auf den Autobahnen in NRW unterwegs. Nicht alle haben ihre Fracht so gesichert, wie es sein sollte. Viele ausländische Unternehmen setzen andere Standards bei der Sicherheit. Die Geldstrafen sind offenbar zu niedrig, für mehr Kontrollen fehlt Personal.

Dortmund. 

Viele Gefahrgut-Transporter aus dem Ausland stellen ein Risiko auf den Autobahnen in NRW dar. „Andere Länder setzen bei dem Thema Sicherheit offenbar andere Prioritäten“, sagt Uwe Senkel, Gefahrgut-Experte der Autobahnpolizei Münster.

Bis aus Thailand und Neuseeland stammen die giftigen, ätzenden, umweltgefährdenden und explosiven Stoffe, die über die heimischen Autobahnen transportiert werden – darunter Müllimporte ebenso wie hoch-konzentrierte Reinigungsmittel, infektiöser Krankenhausabfall oder Sprengstoffladungen.

Strafen für Sicherheitsverstöße bei Gefahrenfracht sind zu lasch

„Bei einigen Verladern ist es eine Mentalitätsfrage, andere missachten die gesetzlichen Bestimmungen bewusst“, vermuten die Mitarbeiter der Schwerlastgruppe. Doch offenbar rechnet es sich, bei der Verpackung und Ladungssicherheit zu sparen – selbst wenn der ein oder andere Transporter von der Polizei nach einer Kontrolle stillgelegt wird.

„Es gibt Spediteure, die sagen mir ganz offen: So lange die schwarzen Zahlen größer sind als die roten, machen sie so weiter“, sagt Dienstgruppenleiter Stephan Bode. Offenbar seien die Strafen, die gezahlt werden müssten, noch zu niedrig.

„Rollende Zeitbomben“ wird es weiterhin geben

Im NRW-Innenministerium jedoch sieht man keine Handhabe, das Problem in den Griff zu bekommen: „Diese rollenden Zeitbomben wird es mit Sicherheit weiter geben“, sagt Sprecher Wolfgang Beus. „Auch mit strengeren Gesetzen würden wir sie nicht entschärfen.“ Und für mehr Kontrollen fehle das Personal.

Als „beunruhigend“ bezeichnete Arndt Klocke, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, die Sicherheitsmängel bei den Gefahrguttransportern. „Grundsätzlich gilt bei allen LKW – unabhängig davon, ob sie Gefahrgut geladen haben – dass wir schärfere Kontrollen brauchen: sowohl was die Lenkzeiten als auch die Ladungssicherung angeht.“ Zudem sprach er sich für ein Lkw-Überholverbot aus.

Fünf von sieben Transporter auf der A2 durften nicht weiterfahren

„Das Thema Ladungssicherung ist in der Tat ein Problemfeld“, bestätigte Peter Meintz, Sprecher des ADAC Westfalen. „Es gibt einfach viel zu wenig Bewusstsein bei den Verladern: Da wird geschlurt.“

Erst vor zwei Tagen kontrollierte die Schwerlastgruppe sieben Gefahrguttransporter an der A2 in Gelsenkirchen. Fünf von ihnen untersagte sie direkt die Weiterfahrt, weil die gefährliche Ladung nur unzureichend gesichert oder falsch verpackt war.