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Polizisten in NRW klagen über zu wenig Training an der Waffe

Schießen oder nicht schießen? Im Ernstfall entscheiden Polizisten in Sekundenschnelle über Leben und Tod. Das setzt ausreichendes Training voraus. Doch genau daran mangelt es, beklagen Polizisten in NRW. Ihre Gewerkschaft fordert mehr Übungseinheiten und neue Trainingszentren.

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Zu wenig Trainingszeit, zu wenig Trainingsräume: Polizisten in NRW klagen, dass das Schießtraining zu kurz kommt. „Das hören wir immer wieder von unseren Kollegen“, sagt Stephan Hegger, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei. Immer wieder müssten Beamte ihre Trainingstermine absagen, weil die Personaldecke zu dünn sei. Im Zweifelsfall gehe der reguläre Dienst auf der Wache vor.

Dabei ist das Schießtraining eigentlich klar geregelt: 30 Stunden so genanntes „Einsatztraining“ ist für jeden NRW-Polizisten im Jahr vorgeschrieben, davon entfallen sechs Stunden auf das Üben mit der Dienstwaffe. „Aber ich glaube nicht, dass jeder Polizeibeamte in NRW einmal jährlich schießen geht“, sagt GdP-Chef Arnold Plickert im Gespräch mit dem WDR.

Innenministerium räumt Engpässe beim Schießtraining

Das Innenministerium räumt Engpässe ein: Nicht alle Beamte hätten im vergangenen Jahr ein Schießtraining absolvieren können, aber immerhin 95 Prozent. Die hohe Quote zeige, dass das Land auf einem guten Weg sei.

Vergangene Woche war in Goch ein Mann bei einem Polizeieinsatz erschossen worden. Der 37-Jährige hatte die Beamten nach Polizeiangaben mit einem Messer angegriffen und nicht auf Warnungen reagiert. Daraufhin hatte einer der Polizisten seine Waffe gezogen und dreimal auf den Oberkörper des Mannes geschossen. Die Ermittlungen laufen.

Zu wenig interaktive Trainingszentren in NRW

Plickert fordert mehr Trainingzentren. Bislang gebe es in NRW nur drei ausreichend ausgestattete Anlagen, auf denen Polizisten den Ernstfall trainieren könnten. Nötig seien aber sechs bis sieben. „Wenn An- und Abreise länger dauern als dass Training, dann lohnt sich das nicht“, ergänzt Hegger. Die Wachen könnten es sich nicht leisten, zwei Tage auf die Kollegen zu verzichten.

Einig sind sich Gewerkschaft und Ministerium, dass sich NRW bei der Qualität der Schießtrainings nicht verstecken muss. „Da schießen die Kollegen nicht einfach auf Scheiben. Da werden mit Leinwänden und Geräuschen richtige Einsatzsituationen simuliert, in denen die Kollegen unter Stress gesetzt werden“, erklärt Hegger. Im Ernstfall müssten sie schließlich auch schnell reagieren und hätten keine Zeit, lange nachzudenken.