Plagiatsvorwürfe gegen FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin

Matthias Korfmann
Silvana Koch-Mehrin steht in der Kritik.
Silvana Koch-Mehrin steht in der Kritik.
Für die FDP kommt es in diesen Tagen knüppeldick: Nun steht auch ihr „schönstes Gesicht“. die Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin, in der Kritik. Die 40-Jährige soll für ihre Doktorarbeit abgeschrieben haben. Nicht so extrem wie Guttenberg in seiner Dissertation, aber der Vorwurf steht im Raum. Und private Plagiate-Jäger sezieren die wissenschaftliche Arbeit auf der Internet-Plattform „VroniPlag Wiki“.

Essen. Auf die Vizepräsidentin des EU-Parlaments kommt offenbar ein Prüfverfahren der Uni Heidelberg zu. Silvana Koch-Mehrin (FDP) soll beim Verfassen ihrer Doktorarbeit abgeschrieben haben und die Quellen nicht klar gekennzeichnet haben. Plagiatsjäger haben die Liberale ins Visier genommen. Die 40-Jährige hat sich bisher noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Im Internet stehen über 20 Textpassagen aus der Doktorarbeit, die den Plagiatsvorwurf bestätigen sollen. Zum Teil sind es nur kurze Sätze, die Koch-Mehrin abgekupfert haben soll, aber es tauchen auf der Plattform „VroniPlag Wiki“ auch längere Abschnitte auf. Manchmal sind es nur einzelne Wörter, die ausgetauscht worden sein sollen, um dem Text einen eingenen Anstrich zu geben: Da wird das „hochkonservative Preußen“ zum „konservativen Preußen“, aus „erheblich“ wird „nicht unerheblich“. Im Schnitt taucht auf etwa jeder zehnten Seite eine Stelle auf, die abgeschrieben worden sein soll. Zum Vergleich: In Guttenbergs Dissertation finden sich solche Stellen auf fast jeder Seite.

Koch-Mehrin hatte die 227 Seiten lange Dissertation vor elf Jahren an der Philosophischen Fakultät der Uni Heidelberg eingereicht. Titel: „Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: Die lateinische Münzunion 1865 bis 1927“. Die Prüfer konnte Koch-Mehrin offenbar mit dieser Arbeit überzeugen. Sie bekam von ihnen eine gute Note (cum laude), allerdings nicht die höchste Bewertung (summa cum laude), die Karl-Teodor zu Guttenberg für siene Doktorarbeit erhalten hatte.

Universität prüft die Vorwürfe

Mehrere der auf der Internet-Plattform genannten angeblichen Plagaite werden inzwischen nicht mehr nur als „gefunden“, sondern auch als „gefunden und verifiziert“ bezeichnet. „VroniPlag Wiki“ nimmt unter anderem die Doktorarbeit von Edmund Stoibers Tochter Veronica Saß unter die Lupe Auch hier stehen Plagiatsvorwürfe im Raum.

Die Universität Heidelberg bestätigt, dass es Plagiats-Vorwürfe gegen Silvana Koch-Mehrin gebe. Eine Bewertung seitens der Universität steht aber noch aus. Eine Experten-Kommission will sich nun intensiv mit der Doktorarbeit der Politikerin beschäftigen.

Hochschulverband gibt Doktoranden Empfehlungen

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) reagierte unterdessen auf die aktuellen Plagiatsaffären. Der Verband legte in Potsdam fächerübergreifende Empfehlungen zum wissenschaftlichen Publizieren vor. DHV-Präsident Bernhard Kempen sagte: "Eine Folge aus der Affäre zu Guttenberg ist die Notwendigkeit, dass die Scientific Community sich ihrer Publikationsregeln vergewissert und diese auch schriftlich verbindlich niederlegt."

Bei jeder wissenschaftlichen Publikation müsse die neue, eigene wissenschaftliche Erkenntnis im Mittelpunkt stehen. „Originalität und Eigenständigkeit machen die Qualität einer wissenschaftlichen Publikation aus“, hob Kempen hervor. „Wissenschaftliche Vorarbeiten sind unabhängig von der jeweiligen Autorenschaft möglichst vollständig und korrekt nachzuweisen.“

Außerdem müssten sämtliche Mit-Autoren und Mitarbeiter, die an der Veröffentlichung einen eigenen wissenschaftlichen Beitrag geleistet haben, genannt werden. Kempen rief die Fachgesellschaften und die Fakultätentage auf, weitere Regeln zu erarbeiten.