Papst-Rücktritt hat für Kardinal Woelki das Amt „entzaubert“

Deutsche Kirchenvertreter hoffen auf einen jüngeren Papst als Nachfolger von Benedikt XVI. Doch eine Liberalisierung der katholischen Kirche wird von den meisten nicht erwartet. So oder so: Der Rücktritt habe das Papst-Amt „entzaubert“, findet der Berliner Kardinal Woelki.

Rom.. Der Nachfolger von Papst Benedikt XVI. sollte nach Ansicht deutscher Kirchenvertreter deutlich jünger sein als der Amtsinhaber bei seiner Wahl zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche.

„Nicht älter als 70, würde ich sagen“, so der Kölner Joachim Kardinal Meisner. Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte, der Papst dürfe aber auch nicht zu jung sein. Es sei „nicht verkehrt, wenn ein Papst im Alter von Mitte 60 bis Anfang 70 ist“, so Woelki. Andernfalls sei es eine lange Zeit, die der Papst das schwere Amt ausüben müsse. Es könne sinnvoll sein, einen häufigeren Wechsel zu haben.

Neuer Papst bis Ostern

Der Ende des Monats ausscheidende Papst Benedikt XVI. war vor fast acht Jahren als 78-Jähriger zum Kirchenoberhaupt gewählt worden. Am Montag hatte er angekündigt, aus gesundheitlichen Gründen das Amt am Abend des 28. Februar niederzulegen. Zur Wahl eines Nachfolgers wird danach das Konklave einberufen. Die Versammlung der Kardinäle dürfte noch vor Ostern einen neuen Papst wählen.

Eine von vielen Gläubigen erhoffte Liberalisierung der Kirche werde es unter einem neuen Papst kaum geben, meint Prof. Karl Gabriel, Theologe der Uni Münster. „Der Vatikan wird auch in Zukunft viel Wert auf Kontinuität legen. Die aus deutscher Sicht zentralen Fragen bleiben wohl zunächst unerledigt“, sagte Gabriel unserer Zeitung. Dazu gehörten nach seiner Ansicht eine Reform „der zentralistischen Struktur des Vatikans“ sowie mehr Offenheit bei der Ökumene und der Sexualmoral. Auch bei der Frage der Nachfolge glaubt Gabriel nicht an Überraschungen: „Das Konklave dürfte einen Italiener oder einen Nicht-Europäer wählen.“

Hat der Papst-Rücktritt das Amt „entzaubert“

Auch der Tübinger Theologe Hans Küng hält es für unwahrscheinlich, dass auf Papst Benedikt XVI. ein Systemveränderer folgen könnte. Das Konklave habe schon immer so entschieden, dass sich „niemand zu einem neuen Gorbatschow entwickeln“ könne. Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ forderte, das System Kirche zu verändern.

Der Rücktritt hat nach Ansicht von Kardinal Woelki das Amt „entzaubert“. Die Entscheidung habe zu einer „Entmystifizierung des Papst-Amtes“ geführt. Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf sagte, Benedikts Rücktritt habe allen Nachfolgern einen möglichen Weg aufgezeigt. Auf die Frage, ob durch die Abgabe des Amtes eine Verweltlichung des Amtes drohe, sagte Woelki: „Diese Gefahr besteht oder kann bestehen.“

 
 

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