NRW verliert fast überall den Anschluss

Wilfried Goebels

A.  Wirtschaft, Arbeitsämter und Forschungsinstitute schlagen Alarm: NRW verliert im Ländervergleich zunehmend den Anschluss. Bei Wirtschaftswachstum, Investitionen, Forschungsausgaben, Kita-Betreuung und Schuldenlast ist NRW Schlusslicht in Deutschland. Der führende Konjunkturforscher vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung, Roland Döhrn, sieht die Ursache für die „rote Laterne“ wesentlich darin, dass NRW zu wenig in die Zukunft investiert.

So hat NRW nicht nur die geringste Investitionsquote aller Länder, sondern weist auch nur ein Drittel der Forschungs- und Entwicklungsausgaben von Baden-Württemberg auf. Die Folge: Während die Wirtschaftsleistung 2014 in anderen Bundesländern im Schnitt um 1,7 Prozent wuchs, war NRW das einzige Land mit Nullwachstum.

Die aktuelle Lage in NRW:

Arbeitslosenquote 8,0 Prozent (Länderschnitt 6,5%). Schlechtester Wert aller Flächenländer.

Lehrstellen: 87 000 offene Plätze für 102 000 Bewerber: Vorletzter.

Kita-Betreuung: Mit einer Versorgungsquote von 25,9% letzter Platz. Bundesschnitt: 32,9%.

Bildungsausgaben: Mit knapp 6000 Euro pro Schüler gibt NRW am wenigsten aller Bundesländer aus.

NRW-Schüler belegen im Leistungsvergleich meist hintere Plätze.

Kommunen: NRW-Gemeinden 2015 Schlusslicht bei Finanzen. Bundesschnitt lag bei plus 3,2 Mrd. Euro. NRW: minus 583 Mio. Euro.

Döhrn warnte davor, dass NRW „fast überall zu den schwächeren Bundesländern“ gehöre. So verliere NRW seit 2009 bei der Industrieproduktion, bei Auslandsaufträgen oder in der Bauwirtschaft kontinuierlich den Anschluss. Die Chefin der NRW-Arbeitsagentur, Schönefeld, kritisierte, dass in keinem Bundesland das Verhältnis zwischen angebotenen Lehrstellen und Bewerbern so ungünstig sei wie in NRW. Ihre Kritik richtet sich vorrangig an die Wirtschaft, die Angebote schaffen müsse. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) machte vor allem äußere Faktoren wie die Energiewende für schlechte Zahlen der NRW-Industrie verantwortlich.