NRW-Unis fürchten ums Geld

Müssen sie bald auf manche Tutorien verzichten? Studenten an der Ruhr-Universität Bochum. Foto: ddp
Müssen sie bald auf manche Tutorien verzichten? Studenten an der Ruhr-Universität Bochum. Foto: ddp
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Düsseldorf. Rot-Grün will ein zentrales Wahlversprechen halten: die Abschaffung der Studiengebühren. Davon würden die Studenten und ihre Familien profitieren, und die Hochschulen sollen nicht darunter leiden, heißt es. Doch die Unis trauen dem Braten nicht.

„Die 249 Millionen Euro reichen voraussichtlich nicht für eine Voll-Kompensation”, sagt Uta Wilkens, Prorektorin an der Ruhr-Uni Bochum. 20 Millionen Euro stehen der Uni bisher im Jahr aus Studiengebühren zur Verfügung. Interne Rechnungen legen nahe, dass es künftig spürbar weniger sein könnte. Jedenfalls wenn man von 249 Millionen Euro ausgeht, die auf 35 Hochschulen mit 450 000 Studenten verteilt werden.

Wilkens stört, dass nur diese feste Summe genannt wird: „Es fehlt die Anpassung an die steigenden Studierenden-Zahlen von morgen. Wenn bald der doppelte Abiturjahrgang in die Unis kommt, wird mehr Geld benötigt, um allen eine gute Lehre anzubieten. Wir sind angespannt, weil wir keine Planungssicherheit haben.”

Bis zu 30 Prozent der Projekte könnten wegfallen

Angespannt ist man auch in Siegen. Rektor Holger Burckhart: „Für unsere Uni, die 500 Euro pro Semester an Studienbeiträgen erhebt, entspricht die angekündigte Kompensierung einem Studienbeitragsaufkommen von 300 bis 350 Euro. Das bedeutet, dass wir auf bis zu 30 Prozent der beitragsfinanzierten Projekte wie Tutorien und Lehraufträge werden verzichten müssen.“

Ähnliche Sorgen treiben die Rektorate in Münster, Köln und Bonn um. Besonders die Ankündigung der Ministerin, dass das Geld „nach der Zahl der Studierenden in der Regelstudienzeit” verteilt werden soll, wirft Fragen auf. „In Münster wurden im Wintersemester 2009/10 rund 66 Prozent der Studierenden in der Regelstudienzeit fertig, 34 Prozent nicht. Bekommen wir deshalb bald weniger Geld als andere?”, fragt Uni-Sprecher Norbert Robers.

Wird zügig studiert, bekommt die Uni mehr Geld

Die größte Hochschule in Westfalen rechnet sich aber auch einen Vorteil aus. Denn sie gehört zu den wenigen, die nicht die vollen 500 Euro Studiengebühren kassieren. 275 Euro sind es in Münster. Die Uni dürfte aber bald für jeden Studenten in der Regelstudienzeit mehr bekommen als diese Summe.

Die Landesregierung bestätigt gegenüber dieser Zeitung, dass es bei der Verteilung des Geldes auf die Studenten „in Regelstudienzeit” ankomme. Ein Nachteil sei das aber nicht, denn die Millionensumme werde ja gleichmäßig an alle Hochschulen verteilt.

Uta Wilkens, die Bochumer Prorektorin, sieht darin auch kein großes Problem: „Das ist eine wettbewerbliche Komponente, die den Hochschulen ja auch Vorteile bringen kann. Schon heute werden Mittel leistungsbezogen vergeben.” Wenn eine Universität viele Studierende bis zum Doktortitel führt oder viele schon früh mit ihrem Studium fertig werden, gibt es zusätzliches Geld.

Bedenken überwiegen

An der Universität Köln überwiegen derzeit jedenfalls die Bedenken. Uni-Sprecher Patrick Honecker: „Man verspricht den Hochschulen 249 Millionen Euro. Aber wer sagt denn, dass nicht an anderer Stelle Mittel für die Hochschulen gekürzt werden?“

Überhaupt, so Honecker weiter, sei es gar nicht so falsch gewesen, die Studenten an der Hochschul-Finanzierung zu beteiligen. Sollte sich das Land nun für die Abschaffung der Studiengebühren zusätzlich verschulden, „dann müssen kommende Generationen die Zeche bezahlen.”

 
 

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