Neonazi gründet neue Rechtspartei als Alternative zur NPD

Jan Jessen
Neonazi und Berufsdemonstrant: Christian Worch (hier bei einer Demo in Dortmund) will jetzt Parteipolitiker werden.
Neonazi und Berufsdemonstrant: Christian Worch (hier bei einer Demo in Dortmund) will jetzt Parteipolitiker werden.
Foto: WR
Am rechten Rand des politischen Spektrums gibt es eine neue Partei. „Die Rechte“ soll auch im bürgerlich-konservativen Lager fischen. Gegründet hat sie der vorbestrafte Neonazi Christian Worch - und stößt damit bei Gesinnungsgenossen eher auf Ablehnung.

Essen. Bewegung in der rechten Szene: Der vorbestrafte Neonazi Christian Worch hat gemeinsam mit Aktivisten aus der Deutschen Volksunion (DVU) eine neue Partei gegründet. „Die Rechte“ soll nach seinen Vorstellungen im braunen Spektrum links der NPD verortet, aber radikaler als „Republikaner“ oder die „Pro-Bewegung“ sein. Spätestens bei der Europawahl soll die Partei antreten. In der Szene löst die Gründung eher Kopfschütteln aus.

Dass ausgerechnet Worch eine „gemäßigte“ rechtsradikale Partei gründet, mit der auch bürgerlich-konservative Kreise angesprochen werden sollen, ist – gelinde gesagt – etwas erstaunlich. Der 56-jährige Sohn wohlhabender Eltern und Berufsdemonstrant gilt als einer der führenden Köpfe der deutschen Neonaziszene. Er saß mehr als fünf Jahre im Gefängnis, unter anderem wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenhass. Worch war in diversen heute verbotenen dunkelbraunen Organisationen wie der „Freiheitlichen Arbeiterpartei“ (FAP) oder der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene“ aktiv.

Zerwürfnis mit der NPD

Ein Grund für die Parteigründung könnte Worchs Zerwürfnis mit der NPD sein: Ihr stand er in den späten 1990er-Jahren nahe und führte die so genannten „Freien Kameradschaften“ an sie heran. Später überwarf er sich aber mit den braunen Kameraden. Dem NPD-Parteivorsitzenden Apfel wirft Worch vor, verantwortlich für den „Sinkflug“ der Partei zu sein. Während des Fusionsprozesses der NPD mit der gleichfalls rechtsradikalen DVU – die Verschmelzung wurde 2010 beschlossen – unterstützte Worch diejenigen DVU-Mitglieder, die gegen die Fusion waren. Als stellvertretende Vorsitzende der Partei „Die Rechte“ fungiert folgerichtig die ehemalige schleswig-holsteinische DVU-Vorsitzende Ingeborg Lobocki. Auch das Programm der neuen Partei ist von der DVU abgekupfert.

Man bekennt sich darin zwar zur „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, fordert aber das Übliche: Wahrung der deutschen Identität, Schutz des Volkes vor Übergriffen, Überprüfung des Verbleibs in der Europäischen Union, Wiedereinführung der D-Mark.

Verfassungsschützer hatten Entwicklung erwartet

Angesichts des eventuellen Verbotsverfahrens gegen die NPD hatten Verfassungsschützer die Entwicklung erwartet. „Mit dem Kampf um das Fortbestehen der DVU verbindet sich das Kalkül, den Torso der DVU im Falle eines Verbots der NPD als politisches Auffangbecken zu nutzen“, so steht es im jüngsten Hamburger Verfassungsschutzbericht.

Der Chemnitzer Extremismusforscher Eckhard Jesse sieht es noch nüchterner: „Worch hofft bei der Europawahl 2014 auf ein Mandat.“ Könnte passieren: Bei der Europawahl gilt die 5-Prozent-Hürde nicht mehr. Jesse gibt dem Projekt allerdings kaum eine Chance: „Das ist eher ein totgeborenes Kind. Worch wird selbst im rechtsextremen Lager nicht ganz für voll genommen.“

Ein Blick in die einschlägigen Internetforen zeigt das: „Alles, was mit dem Selbstdarsteller und Egomanen Christian Worch zusammenhängt, ist zum Scheitern verurteilt“, jammert ein User. Andere beklagen die „Zersplitterung“ der rechten Szene.