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Nahverkehrsverbund „Via“ steht vor dem Aus

Nahverkehrsverbund „Via“ steht vor dem Aus

Essen/Duisburg/Mülheim. 

Fünf Jahre nach seiner Gründung rollt der Verkehrsverbund „Via“ – die gemeinsame Nahverkehrsgesellschaft der Städte Essen, Mülheim und Duisburg – aufs Abstellgleis. Die Oberbürgermeister der beteiligten Revierstädte konnten sich gestern nicht auf eine Fusion der drei kommunalen Verkehrsbetriebe Evag, MVG und DVG verständigen. Duisburg will nun aus dem „Via“-Verbund aussteigen. Mit welchen Folgen, bleibt vorerst unklar.

Duisburgs OB Sören Link (SPD) führte für den Ausstieg seiner Stadt vor allem finanzielle Gründe ins Feld. Die von Gutachtern empfohlene und von der Düsseldorfer Bezirksregierung mit Nachdruck geforderte Fusion sei für Duisburg „extrem riskant“, teilte Link in einer gemeinsamen Erklärung mit seinen Amtskollegen Thomas Kufen (CDU) aus Essen und Ulrich Scholten (SPD) aus Mülheim mit. Außerdem drohten der Stadt im Falle der Zusammenlegung steuerliche Nachteile in zweistelliger Millionenhöhe. Bislang hatten die drei Nahverkehrsbetriebe durch die Kooperation rund sieben Millionen Euro jährlich eingespart. 13,5 Millionen sollten es am Ende sein. Mülheim und Essen wollen nun ohne Duisburg weitermachen und neue Partner „in unserer unmittelbaren Städtenachbarschaft“ suchen, wie es gestern hieß.

Das Ende der Partnerschaft kommt indes nicht ganz überraschend. Seit geraumer Zeit knirschte es im Getriebe. Jüngst hatten Äußerungen des neuen Essener OB Thomas Kufen über mögliche neue Partner Spekulationen über ein Ende der Nahverkehrs-Liaison in der bisherigen Form genährt. Es soll bereits Gespräche mit Oberhausen gegeben haben. Auch die Bochumer Bogestra rückte in den Blick. Es gibt zudem Stimmen, die sich ein Zusammengehen von „Via“ mit beiden Betrieben vorstellen können.

Bogestra äußert sich offiziell nicht

Die Bogestra wollte gestern auf Anfrage dieser Zeitung keine Stellung beziehen. Ende November hatte Finanzvorstand Andreas Kerber im Beteiligungsausschuss der Stadt Bochum beteuert, dass es bislang keinerlei Anfragen aus Essen gebe. Inoffiziell ist man in Bochum der Idee einer stärkeren Zusammenarbeit mit dem ÖPNV-Nachbarn im Westen aber offenbar nicht gänzlich abgeneigt. Nur zu gern verweisen Bogestra-Vertraute nämlich darauf, dass das in Bochum, Gelsenkirchen, Witten und Teilen von Herne arbeitende Unternehmen schließlich seit immerhin 120 Jahren Erfahrungen im städteübergreifenden Nahverkehr habe. Derzeit treibt die Bogestra freilich eine andere Kooperation voran: Wie berichtet, könnte schon bald die schwächelnde Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr (VER) beim größten Nahverkehrsbetrieb im Ruhrgebiet ankoppeln.