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Mindestlohn soll auf 20 Euro hoch – „Keine Billigarbeit mehr“

Darauf haben viele Arbeiter gewartet: seit dem 1. Oktober ist der Mindestlohn auf zwölf Euro gestiegen. Vor einigen Jahren konnten Menschen nur davon träumen, so viel Stundenlohn zu bekommen.Doch einem Unternehmer ist das immer noch zu wenig Geld. Er fordert nun direkt eine Erhöhung des Mindestlohns auf 20 Euro. Allerdings hätte das wohl die Inflation […]

© IMAGO / MiS

Praktikum: Wann greift der Mindestlohn?

Praktikum: Wann greift der Mindestlohn?

Darauf haben viele Arbeiter gewartet: seit dem 1. Oktober ist der Mindestlohn auf zwölf Euro gestiegen. Vor einigen Jahren konnten Menschen nur davon träumen, so viel Stundenlohn zu bekommen.

Doch einem Unternehmer ist das immer noch zu wenig Geld. Er fordert nun direkt eine Erhöhung des Mindestlohns auf 20 Euro. Allerdings hätte das wohl die Inflation weiter in die Höhe schießen lassen.

Mindestlohn auf 12 Euro erhöht – ER will noch mehr

Wie „Focus“ berichtet, fordert Sebastian Dettmers, der CEO der Job-Plattform Stepstone, tatsächlich eine Erhöhung des Mindestlohns auf 20 Euro. „Wir können uns in einem Hochtechnologieland keine Billigarbeit mehr leisten“, so das deutliche Statement von Dettmers.

Zwölf Euro Mindestlohn
Reichen zwölf Euro Mindestlohn nicht? (Symbolbild) Foto: IMAGO / Sven Simon

Der Unternehmer begründe seine Forderung damit, dass dadurch der Staat und einzelne Unternehmen eher gewillt seien, einfache Tätigkeiten zu automatisieren und mehr Geld in die Qualifikation von Menschen zu investieren.


Die Erhöhungen im Überblick:

  • 2015: 8,50 Euro
  • 2017: 8,84 Euro
  • 2019: 9,19 Euro
  • 2020: 9,35 Euro
  • 2021: 9,50 Euro
  • 2021: 9,60 Euro
  • 2022: 9,82 Euro
  • 2022: 10,45 Euro
  • 2022: 12 Euro

Christoph Schröder, Fachmann für Arbeitswelt und Tarifpolitik am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), glaubt, dass eher der gegenteilige Effekt eintreffe: „Den Mindestlohn noch weiter drastisch anzuheben, würde die Lohnverteilung in der unteren Hälfte der Einkommensverteilung zusammenschieben und damit die Bildungsanreize gerade im unteren Qualifikationsbereich eher mindern.“

Düstere Prognose – Mindestlohn könnte Inflation weiter antreiben

Der Experte erkennt gegenüber „Focus“ zwar an, dass Unternehmen durch einen höheren Mindestlohn motivierter sein könnten, einfache Tätigkeiten zu automatisieren und mehr Geld in die Qualifikation von Menschen zu investieren. Allerdings treffe das mit Sicherheit nicht auf jeden Job zu. Der Beruf des Friseurs sei beispielsweise nicht so einfach zu automatisieren wie der einer Kassiererin im Supermarkt. Dort nehmen immerhin schon Selfcheckout-Kassen einiges an Arbeit und vor allem Arbeitszeit ab.


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Im Umkehrschluss könnte eine deutliche Erhöhung des Mindestlohns auch bittere Folgen für alle haben. Laut einer Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo wollen viele Unternehmen schon bei der Steigerung auf zwölf Euro ihre Preise erhöhen. „Das dürfte die ohnehin schon große Inflation weiter antreiben“, sagt Ifo-Arbeitsmarktexperte Sebastian Link.

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Explodierende Spritkosten, gestiegene Lebensmittelpreise und der extreme Kosten-Anstieg für Gas und Strom machte vielen Verbrauchern schon vor Oktober zu schaffen. Mit dem erhöhten Stundenlohn können sich zumindest einige Menschen im Monat über mehr Geld im Portemonnaie freuen. Bleibt nur die Frage, wie viel am Ende über bleibt, wenn alle Einnahmen und Ausgaben berechnet wurden.