Maybrit Illner (ZDF): Forscher gibt Lauterbach Contra – „Blöd, wenn man neben so einem sitzt“

Karl Lauterbach: Das ist der Corona-Mahner

Karl Lauterbach: Das ist der Corona-Mahner

Seit der Corona-Pandemie ist Karl Lauterbach Dauergast in den Talkshows von ARD und ZDF. Wir stellen den SPD-Politiker vor.

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Ist es unverantwortlich, die Halbfinal-Spiele und das Finale der Fußball-Europameisterschaft in London stattfinden zu lassen, obwohl sich in Großbritannien die Delta-Variante rasant ausbreitet? Darüber diskutiert Maybrit Illner am Donnerstagabend mit ihren Gästen.

Während Karl Lauterbach vor den Folgen warnt, sieht ein Aerosol-Forscher bei Maybrit Illner die Gefahren einer Ansteckung im Stadion weitaus entspannter. Doch auch er machte klar, wo sich Fußballfans infizieren könnten.

Maybrit Illner (ZDF): Aerosol-Experte gibt Lauterbach Contra – „Blöd, wenn man neben so einem sitzt“

Aus Sicht von Karl Lauterbach sind die Fußball-Events mit 60.000 Zuschauern im Wembley-Stadion „Brandbeschleuniger für die Delta-Variante“. Es sei „weder epidemiologisch noch symbolisch eine kluge Entscheidung“, die EM-Spiele vor so vielen Zuschauern auszutragen.

Entspannter sieht Aerosol-Forscher Gerhard Scheuch die Lage. Fußball an sich sei unbedenklich, weil es „draußen so gut wie keine Ansteckungen“ gebe, auch nicht in eine Stadion. Problematischer sei dagegen die Anreise.

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Die Gäste bei Maybrit Illner am 25. Juni:

  • Karl Lauterbach: SPD-Gesundheitsexperte
  • Jochen Breyer: Moderator ZDF-Sportstudio
  • Gerhard Scheuch: Aerosol-Forscher
  • Diana Zimmer: Leiterin ZDF-Studio London
  • Claudia Kade: Ressortleiterin Politik bei „Welt“ und „Welt am Sonntag“

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Experte bei Maybrit Illner (ZDF): Hier stecken sich die Fans wirklich an

Als Beispiel führt Scheuch die finnischen Fans bei der Europameisterschaft auf, die sich in St. Petersburg infiziert haben. Das seien genau diejenigen gewesen, „die in Bussen gefahren sind“, so der Experte. Taxis, Busse, Logen und Toilettenanlagen seien „die Spots, wo es dann krachen kann“, erklärt er.

Lauterbach mahnt, dass man in einem Stadion mit 60.000 Zuschauern schon „sehr nah beieinander“ stehe und schreie – und es problematisch wird, wenn es windstill ist und die Luft stehe. Da rechnet Scheuch vor, wie ungefährlich es tatsächlich im Stadion sei.

Wenn man, wie aktuell in Deutschland, eine Inzidenz von 6-7 auf 100.000 Einwohner habe, sei unter 10.000 Fans statistisch betrachtet nicht mal ein Infzierter (0,7) dabei. „Es ist ja nicht so, dass neben jedem ein Infizierter sitzt“, so Scheuch. Man müsse das immer in Relation setzen. Selbst in London seien bei der weitaus höheren 7-Tage-Inzidenz vielleicht „zwei Hände voll“ Infizierte im ganzen Stadion. „Das ist blöd, wenn man dann genau neben so einem sitzt. Aber dieser eine wird nicht das ganze Stadionrund anstecken.“

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Maybrit Illner (ZDF): London-Korrespondentin besorgt über die Signalwirkung

Hier entgegnet ihm Diana Zimmermann, Leiterin des ZDF-Studios in London, dass es auch um die Signalwirkung gehe. Es werde vermittelt, dass es in Ordnung sei, dicht gedrängt Fußballspiele zu schauen.

Laut Zimmermann habe sich schon gezeigt, dass der Anteil an Infizierten unter schottischen Männern auffällig angestiegen sei. Mittlerweile würden sie Zweidrittel der Neuinfektionen ausmachen – vor der EM sei das unter den Geschlechtern immer ausgeglichen gewesen. Ein Indiz, dass Public Viewing einen negativen Effekt auf die Virusverbreitung habe.

Die ganze Talkshow von Maybrit Illner kannst du hier in der ZDF-Mediathek sehen.