Liste der deutschen Gefallenen des Ersten Weltkriegs erstmals im Internet

Sie enthalten millionenfaches Schicksal: ein Auszug aus den Deutschen Verlustlisten.
Sie enthalten millionenfaches Schicksal: ein Auszug aus den Deutschen Verlustlisten.
Foto: dpa
Jeder kann jetzt im Internet nach gefallenen Weltkriegssoldaten aus seiner Familie forschen: Fast 800 Freiwillige haben dazu über 31.000 alte Seiten der deutschen Behörden digital aufbereitet. Über 8,5 Millionen Datensätze können im Internet abgerufen werden (www.verlustlisten.de).

Lünen.. „Verlustlisten“ werden sie genannt, in Wirklichkeit sind es Listen des Todes und des Leids. Auf 31.000 Seiten im Zeitungsformat haben die deutschen Behörden im Ersten Weltkrieg kurz verzeichnet, welche Soldaten verwundet, vermisst oder gefallen waren. In Verordnungs- und Anzeigeblättern wurden die Listen veröffentlicht.

Sie enthalten oft wichtige Basisinformationen für Historiker und Geschichtsinteressierte. Die mehr als 8,5 Millionen Datensätze können jetzt im Internet abgerufen werden (www.verlustlisten.de). Alphabethisch sortiert, können verwundete und getötete Soldaten leichter gefunden werden, um Nachforschungen anzustellen. Fast 800 Freiwillige haben die Daten erfasst.

Rund zwei Millionen deutsche Soldaten starben im Ersten Weltkrieg

Die Verlustlisten waren zu Kriegszeiten in jeder Gemeinde veröffentlicht worden. Ihnen konnten die Familien entnehmen, ob ihr Vater, Sohn oder Bruder zu den Gefallenen, den Vermissten oder Verwundeten gehörte. In den ersten Kriegsjahren erschienen die Verlustlisten nahezu täglich. Rund zwei Millionen deutsche Soldaten starben im Ersten Weltkrieg.

Die meisten Unterlagen über getötete oder verwundete Soldaten lagerten im Archiv des Preußischen Heeres sowie im Zentralnachweisamt für Kriegerverluste und Kriegergräber. „Diese wurden aber während des Zweiten Weltkriegs zerstört“, erklärt Jesper Zedlitz vom Verein für Computergenealogie, der das Projekt leitet und seinen Sitz im westfälischen Lünen hat. „Die Verlustlisten liegen in vielen Landesarchiven und Universitätsbibliotheken.“

Die Listen waren nach Kriterien sortiert, die keiner mehr kennt

Sie sind nun die einzige Quelle für die Nachverfolgung von Kriegsopfern und -verletzten. Der Verein hatte es sich 2012 zur Aufgabe gemacht, diese Verlustlisten neu zu ordnen, damit Namen leichter zu finden sind. „Die Original-Listen sind alle nach der militärischen Einheit sortiert. Die Angehörigen wussten natürlich, in welcher Kompanie ihr Mann war. Heute ist das aber sehr unpraktisch, wenn wir nach konkreten Namen suchen“, sagt Zedlitz, der als Informatiker an der Universität Kiel arbeitet.

Die Verlustlisten sind in Fraktur gedruckt. Kopien davon wurden vom Verein online zur Verfügung gestellt. Die 767 Freiwilligen konnten im Internet darauf zugreifen. „Online können dann mehrere Leute gleichzeitig an den Listen arbeiten“, erklärt Zedlitz. Über eine Suchmaske kann jetzt direkt nach einem Namen gesucht werden.

Einzelschicksale werden besser nachvollziehbar

Über die Verlustlisten kommen Interessierte nun an die Daten der militärischen Einheit und an den Aufenthaltsort der Soldaten während ihres Kriegsdienstes. „Die Listen sind eine erste Anlaufstelle für Informationen über Soldaten“, sagt Zedlitz. Die Angaben über die Einheiten helfen bei weiteren Recherchen: „Ich habe so zum Beispiel heraus gefunden, dass mein Großvater nicht nur an der West-, sondern auch an der Ostfront gekämpft hat. Das Schicksal der einzelnen Leute ist jetzt besser nachvollziehbar.“

 
 

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