„Kraft muss für NRW auf den Tisch hauen“

Wilfried Goebels

Düsseldorf.  Er hört gern Mozart, er liest Krimis von Wickert, aber so ganz abschalten von der Politik – das geht dann doch nicht. Im Sommer-Interview dieser Zeitung gibt CDU-Landeschef Armin Laschet (53) Einblicke in private Hobbys und familiäre Urlaubspläne. Er skizziert aber auch politische Ziele. Mit Laschet sprach Wilfried Goebels.

Der Landtag macht politische Sommerpause. Wo erholt sich der CDU-Fraktions- und Parteivorsitzende?

Armin Laschet: Zuerst geht es nach München. An meinem alten Studienort sehe ich Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ mit dem großartigen Bariton Erwin Schrott. Und dann geht’s zum Bodensee in die Nähe von Meersburg.

Dolce Vita?

Ja. Viel schlafen, ein wenig joggen, schwimmen und radeln mit Blick auf den See. Und ich lese gern politische Bücher und Krimis. Meine Frau ist Buchhändlerin und hat mir Ulrich Wickerts Frankreich-Krimis um den Pariser Richter Jaques Ricou eingepackt. Ich freue mich aber auch, endlich die „Schlafwandler“ von Christopher Clark zu lesen.

Können Sie abschalten?

Ganz abschalten kann ich nicht. Per Handy bin ich erreichbar, dazu ein paar Treffen mit interessanten Leuten am Ferienort. Mein größter Luxus ist Zeit. Zeit für die Familie und zum Nachdenken.

Was unterscheidet Sie eigentlich von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft?

Ihr Regierungsstil erscheint mir ziellos und wenig konzeptionell. Ich will, dass Nordrhein-Westfalen im Wettbewerb der 16 Länder nicht immer hinten landet. Frau Kraft scheint das wenig zu stören. Sie ist sympathisch, hat aber den Anspruch aufgegeben, in der Bundespolitik mitzumischen. Die Ministerpräsidenten Rüttgers, Steinbrück, Clement und Rau haben in Berlin kräftig auf den Tisch gehauen für unser Land. Wir müssen für unsere Interessen auch in Brüssel und Berlin kämpfen und hier das Land von Bürokratie und immer neuen Vorgaben befreien.

Wie sieht Ihre Idee für NRW denn aus?

Während der Bund 2015 erstmals nach 40 Jahren keine neuen Schulden macht, türmt Nordrhein-Westfalen neue Berge auf. Wir müssen den Kurs ändern, damit die Steuereinnahmen stärker steigen. Der rot-grüne Landesentwicklungsplan (LEP), das Hochschul-, Klima- und Tariftreuegesetz stärken aber nur die Bürokratie, den Einfluss der Ministerien und die Zahl der Staatsdiener. Das müssen wir nach einem Wahlsieg 2017 ändern und den Menschen wieder mehr Luft zum Atmen geben.

Was würden Sie als Ministerpräsident dieses Landes zuerst ändern?

Ich würde alle Minister zusammenrufen, um zu überlegen, welche unsinnigen Gesetze und Verordnungen sofort abgeschafft werden können.

Die rot-grüne Koalition ist mit der Beamtenbesoldung in Münster krachend gescheitert. Was lief denn da falsch?

Als Regierungschef hätte ich es gemacht wie die saarländische Ministerpräsidentin: Gewerkschaft und Beamtenbund an einen Tisch und dann eine maßvolle Erhöhung mit Strukturveränderung und Bürokratieabbau verbunden. Den Basta-Stil von Frau Kraft müssen wir jetzt teuer bezahlen.

Verbindet Sie auch etwas mit Hannelore Kraft?

In Berlin haben wir gemeinsam in der Energiearbeitsgruppe der Koalitionsverhandlungen für Industriearbeitsplätze gekämpft. Ich wundere mich manchmal, warum sie, sobald sie in Düsseldorf ist, das Ge­genteil macht.