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Jedem Fünften fehlt die Berufsausbildung

Jeder Fünfte in NRW hat keine Berufsausbildung

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Foto: WAZ FotoPool
Aufschreckende Zahlen: Rund 20 Prozent der 30- bis 50-Jährigen in NRW haben keinen Berufsabschluss. Nur Bremen ist bundesweit noch schlechter als NRW. Der Anteil bei den Arbeitslosen ist besonders hoch.

Düsseldorf. 

Jeder Fünfte der 30- bis 50-Jährigen in NRW verfügt über keine abgeschlossene Berufsausbildung. Ursachen für die überdurchschnittlich hohe Quote in NRW sind aus Sicht von Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) der hohe Anteil von Migranten und die großstädtischen Strukturen, in denen sich ungünstige soziale Lagen konzentrieren.

Bundesweit sind 15 Prozent der 30- bis 50-Jährigen ohne Berufsabschluss – in Thüringen und Sachsen-Anhalt sind nach einer aktuellen Studie des Bremer Instituts für Ar­beitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) sogar nur fünf Prozent betroffen. Schlechter als NRW ist nur Bremen mit einem Anteil von 25,4 Prozent ohne Abschluss.

Arbeitslose besonders betroffen

Besonders dramatisch ist die Lage bei den Arbeitslosen. So verfügten von den rund 400.000 gemeldeten NRW-Arbeitslosen zwischen 30 und 49 Jahren sogar 54 Prozent über keinen Berufsabschluss. Minister Schneider setzt im Kampf für mehr Qualifikation auf die Jugend. „Es ist ein wesentliches Ziel der Landesregierung, die Chancen junger Menschen auf einen erfolgreichen Berufsabschluss deutlich zu verbessern und damit den Anteil Ungelernter zu senken“, erklärte Schneider in der Antwort auf eine CDU-Anfrage im Landtag.

Bei rund 60 Prozent der Jugendlichen ohne Berufsabschluss verfügte zumindest ein Elternteil nicht über eine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung. 39 Prozent der Jugendlichen ohne Berufsabschluss hatten einen Migrationshintergrund.

„Externenprüfung“ zu wenig genutzt

Um das Problem an der Wurzel zu packen, hat NRW im „Ausbildungskonsens“ ei­ne frühzeitige Berufsorientierung in der Schule und den besseren Übergang von Schule in den Beruf verabredet. Daneben wird für Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss, die in ih­rer Firma als An- und Ungelernte seit Jahren Tätigkeiten von Fachkräften ausüben, über eine „Externenprüfung“ der Weg geöffnet, die Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. „Diese Möglichkeit wird allerdings zu selten genutzt“, so Schneider.

NRW setzt sich deshalb bei der Bundesregierung für eine Änderung des Berufsbildungssystems ein, damit Mitarbeiter ihre Kompetenz in einem Regelverfahren im Betrieb nachweisen können.