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„Im Land gibt es eine Schieflage“

„Im Land gibt es eine Schieflage“

Siegen/Hagen. 

Manchmal bewirbt sich niemand auf die Ausschreibung, heißt es bei der Bezirksregierung in Arnsberg. Die Botschaft der Grafik untermauert die Lage: Hauptschulen und Grundschulen in Südwestfalen haben große Probleme, Schulleiterstellen zu besetzen. Rüdiger Käuser (56), Vorsitzender der Westfälisch-Lippischen Direktorenvereinigung und Schulleiter am Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium in Siegen-Weidenau, spricht mit der WESTFALENPOST über die Entwicklung.

Die Besetzung der Stellen von Schulleitern an Grundschulen steckt in einem Dilemma. Warum?

Rüdiger Käuser: Es ist ein räumlich-regionales Problem. In Ballungsräumen, sei es der Köln-Bonner Raum oder auch in Münster ist es kein Problem, Kandidaten zu ­finden. Anders sieht es für Schulen im ländlichen Raum wie in Bad Laasphe oder Winterberg aus. Im Land gibt es eine deutliche Schieflage.

Hilft die von der Landesregierung angekündigte bessere Bezahlung?

Das ist auf jeden Fall richtig und erhöht die Akzeptanz für diesen Beruf. Ich bin gespannt, ob das Auswirkungen hat. Besonders die Grundschulleiter, oft Frauen, werden schlecht bezahlt. Das Problem, Leute für die Stelle auf dem Land zu begeistern, wird sich aber damit nicht lösen lassen.

Und Konrektoren gehen leer aus?

Das darf nicht sein. Für sie muss auch die höhere Einstufung kommen. Schließlich ist der Konrektor der ständiger Vertreter des Rektors. Das Gehalt von Rektor und Konrektor darf nicht so weit auseinander liegen.

Von Gymnasiallehrern gibt es bezüglich der Besoldung weniger Klagen?

Hier sieht die Eingruppierung ja besser aus. Mittelfristig haben wir ein ganz anderes Problem.

Und das wäre?

Es fehlen Lehrer für den Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern, im städtischen Raum ist es noch kein Problem, aber auf dem Land wird es immer schwieriger. Und wenn heute jemand Physik studiert, hat er deutlich mehr Wahlmöglichkeiten, als zur Schule zu gehen.

Wenn doch, kann er sich die Stelle aussuchen?

Ja, das kann er. Und das wissen diejenigen ­natürlich auch. Für Deutschlehrer gibt es hingegen ein Überangebot.

Gibt es Möglichkeiten dieser Entwicklung gegenzusteuern?

Ein Teil der Lehrerstellen wird nicht schulscharf, sondern über Zuteilung per Liste besetzt.

Das Problem fällt aber nicht vom Himmel, oder?

Nein. Es ist nicht neu. Das ist seit Jahren bekannt. Geändert haben sich die Strukturen an den ­Schulen. Es ist eine Vielzahl an Aufgaben hinzugekommen. Ich nenne nur die Inklusion und die Aufnahme der Flüchtlinge an den Schulen. Die Bedingungen am Arbeitsplatz sind nicht besser geworden.

Machen es andere Bundesländer besser?

Ja. Sie lassen bei uns ausbilden und dann gehen die Lehrer zurück nach Thüringen oder Hessen, sozusagen ein föderales Problem.

Das müssen Sie erklären.

Die angehenden Lehrer besuchen das Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Siegen und gehen danach, obwohl das Angebot freier Stellen in NRW groß ist, zurück in ihr Bundesland.