Hogesa-Bewegung löst sich offenbar langsam auf

Hogesa-Demo am Sonntag in Köln: Trotz ihres martialischen Auftritts verliert die Bewegung an Stärke, so die Polizei.
Hogesa-Demo am Sonntag in Köln: Trotz ihres martialischen Auftritts verliert die Bewegung an Stärke, so die Polizei.
Foto: imago/Thilo Schmülgen
Experten sehen die "Hooligans gegen Salafisten"-Bewegung in der Auflösungsphase. Das BKA warnt aber vor neuen gewaltbereiten Fan-Gruppen.

Düsseldorf.. Die noch vor einem Jahr nach schweren Krawallen in Köln bundesweit gefürchtete Bewegung „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) befindet sich nach Ansicht von Experten offenbar in der Auflösungsphase.

In einer aktuellen Analyse des Bundeskriminalamts (BKA) heißt es, die „sehr deutlich rechtsextreme Färbung“ der Hogesa habe viele rein „erlebnisorientierte Fußballfans“ abgeschreckt. Diese verstünden sich als unpolitisch.

Islamfeindlichkeit spielt in Stadien kaum eine Rolle

Zudem spiele Islamfeindlichkeit in den Fankurven der Stadien keine nennenswerte Rolle. Eine veränderte Polizei-Strategie habe desweiteren schon bei der zweiten Hogesa-Demonstration im November 2014 in Hannover den „Erlebniswert“ für gewaltbereite Fußballanhänger erheblich gemindert. Sie konnten dort nicht mehr randalierend durch die Straßen ziehen.

Im Oktober 2014 hatten dagegen fast 5000 Hooligans die Kölner Innenstadt teilweise verwüstet, 49 Polizisten wurden verletzt. Die offenkundig verfehlte Einsatzstrategie löste damals eine breite politische Debatte aus. Am vergangenen Wochenende verloren sich bei der „Hogesa“-Neuauflage in Köln nur noch 1000 Menschen auf Seiten der Randalierer – bei rund 10 000 Gegendemonstranten. Die Tag verlief vergleichsweise friedlich.

Trotz des Scheiterns als Massenbewegung hat „Hogesa“ laut BKA-Analyse „eindrucksvoll unterstrichen, wie hoch das rechtsextrem nutzbare Potenzial innerhalb der deutschen Fanszenen derzeit ist“. Es sei sehr wahrscheinlich, dass auf „Hogesa“ andere Phänomene folgen werden. Sie lockten vor allem unzufriedene Einzelgänger aus den Fankurven an, denen die momentan dominante „Ultra-Kultur“ in den Stadien zu langweilig sei.

„Ultras“ besser gebildet als Hooligans

Für sogenannte Ultra-Fans steht der Analyse zufolge die Unterstützung der Mannschaft im Vordergrund, sie verstehen sich als Stimmungsgarant im Stadion, sind deutlich besser gebildet als Hooligans und stehen gegen Rassismus oder Homophobie. Die ebenfalls nicht unumstrittenen „Ultras“ müssten inzwischen „als größtes Hindernis zur Ausbreitung rechtsextremer Einstellungen sowie Dominanzen in der Fan-Szenen betrachtet werden“, so das BKA.

Für die BKA-Studie waren neben verschiedenen Experten auch Fanprojekte befragt worden. Deren Angaben mussten anonym ausgewertet werden, da eine Zusammenarbeit mit Polizeibehörden unter aktiven Fußballanhängern noch immer verpönt ist.

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