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Gas: Siemens entlarvt Gazprom – neue dreiste Lüge aus Russland?

Gaslieferung durch Nord-Stream-Pipeline bleibt für unbestimmte Zeit unterbrochen

Die Lieferung von russischem Gas nach Deutschland durch die Nord-Stream-Pipeline bleibt auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Gazprom teilte am Freitagabend mit, es sei ein Ölleck an einer Turbine entdeckt worden, weshalb Reparaturarbeiten notwendig seien. "Bis zur Reparatur (...) ist die Lieferung von Gas via Nord Stream komplett eingestellt", erklärte der russische Energiekonzern. Angaben zur Dauer der Reparatur machte Gazprom nicht.

Der Krieg in der Ukraine, die wachsende Inflation und immer weiter steigende Preise, nicht nur im Supermarkt, sondern auch bei der Energieversorgung, zwingen Haushalte und Unternehmen zum Sparen.

Doch jetzt fließt anders als angekündigt seit Samstagmorgen (02.09.) kein russisches Gas durch Nord Stream 1. Der angebliche Grund: durch ein Öl-Leck könne kein sicherer Betrieb garantiert werden. Stimmen werden laut, die Gazprom falsche Ausreden für den Stopp vorwerfen.

Siemens Energy: keine Grundlage für Gas-Lieferstopp

Siemens Energy hält den Grund für nicht haltbar, da auch Lecks in der Vergangenheit zu keinem Lieferstopp geführt hätten. Die Firma, die Turbinen an Gazprom geliefert hat, kommt den Schwindlern auf die Schliche. Der Befund von Gazprom stelle keinen technischen Grund für eine Einstellung des Betriebs dar.

Gazprom: Gaslieferungen werden vorläufig ausgesetzt

Bei gemeinsamen Wartungsarbeiten von Siemens Energy und Gazprom ist das Leck und mehrere Stellen mit ausgetretenem Öl festgestellt worden. Das Leck befindet sich laut russischen Angaben in der Kompressorstation in der Stadt Protowaja. Dass dadurch kein Gas mehr durch die Leitung fließt, teilte das Erdgasförderunternehmen am Freitagabend auf Telegram mit.

Siemens Energy ist aktuell nicht mit Wartungsarbeiten, in denen solche Lecks abgedichtet werden können, beauftragt. Es stünden aber genug Turbinen für einen Betrieb von Nord Stream 1 bereit. Energiesparmaßnahmen, Entlastungen und die Versorgung über andere Lieferwege und Länder bekommen jetzt nochmal mehr Bedeutung.

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Auch die EU-Kommission glaubt der Begründung des russischen Staatskonzerns nicht: „Die Ankündigung von Gazprom von heute Nachmittag, Nord Stream 1 erneut unter falschen Vorwänden stillzulegen, ist ein weiterer Beleg seiner Unzuverlässigkeit als Lieferant“, schrieb ein Kommissionssprecher am Freitagabend auf Twitter.

Gas-Konflikte: Politiker sprechen Klartext

Markus Lewe (CDU), Oberbürgermeister von Münster, sagt im Interview mit dem Deutschlandfunk: „Durch die Gasdrosslung will man die Gesellschaft im Westen spalten.“ Auch die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), betont im Deutschlandfunk-Podcast: „Wir müssen eine Gasmangellage in Deutschland verhindern.“

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Müssen sich jetzt die deutschen Gas-Kunden Sorgen machen? Das Bundeswirtschaftsministerium sieht hierfür keinen Grund. Die Gasspeicher seien zu 84,3 Prozent gefüllt. „Das Oktober-Speicherziel von 85 Prozent dürfte daher schon in den ersten Septembertagen erreicht sein“, sagt eine Sprecherin. Auch bei einem Gaslieferungsstopp sei die Gasversorgung in Deutschland gesichert. „Die Lage auf dem Gasmarkt ist angespannt, aber die Versorgungssicherheit ist gewährleistet.“ (mars)